CD-Review: HIM - Screamworks: Love In Theory And Practice

Besetzung

Ville Valo - Gesang
Mikko Lindström – Gitarre
Mikko Paananen – Bass
Mika Kristian Karppinen – Schlagzeug
Jani Purttinen – Keyboard

Tracklist

01. In Venere Veritas
02. Scared to Death
03. Heartkiller
04. Dying Song
05. Disarm Me (With Your Loneliness)
06. Love, the Hardest Way
07. Katherine Wheel
08. In the Arms of Rain
09. Ode to Solitude
10. Shatter Me With Hope
11. Acoustic Funeral (For Love in Limbo)
12. Like St. Valentine
13. The Foreboding Sense of Impending Happiness


In letzter Zeit war es verhältnismäßig ruhig um die finnischen Lust-Knaben von HIM. Nach dem 2007 erschienenen Langspieler „Venus Doom“ wurde nur noch mit dem Alkoholentzug von Frontmann Ville Valo Schlagzeilen gemacht. Als der wieder mit beiden Beinen im Leben stand, machte sich die Truppe an ein neues Album, welches nun in Form von „Screamworks: Love In Theory And Practice“ veröffentlicht wurde. Scheibe Nummer sieben ist außerdem auch die erste, die aus dem zweijährigen Veröffentlichungszyklus fällt. Ob das der Qualität zu- oder abträglich ist, wird sich im Folgenden herausstellen.

Auf den ersten Blick scheint sich zwar nicht viel geändert zu haben – „Screamworks: Love In Theory And Practice“ liefert sowohl einen gewohnt kryptischen Titel als auch die typischen Trademarks der Band. Auf den zweiten Blick wird aber klar: HIM haben sich wieder vom auf dem Vorgänger „Venus Doom“ vertretenen Härtegrad distanziert, geben sich anno 2010 melancholisch, eingängig und vor allem kitschig wie schon lange nicht mehr.

Sonderlich viel ist davon auf der ersten Hälfte der 13 Tracks starken Langrille aber leider noch nicht zu hören. Im einen Moment brummt Ville vor sich hin, als hätte er einen Bienenstock im Mund. Und im nächsten schießt seine Stimme in ungeahnte Höhen, fast so, als hätten ihn einige der Schwarzgelben Genossen gestochen („In Venere Veritas“). Melodische Gitarren, hier und da mal ein nettes Solo, überraschend zahlreiche gute und eingängige Riffideen – aus instrumentaler Sicht gibt es erstmal nichts zu meckern. Auf der letzten Platte kaum zum Zuge gekommen und von Ville als „schwules Instrument“ bezeichnet, erlebt das Keyboard auf „Screamworks“ seinen zweiten Frühling. Aber: Die Keyboard-Intros a lá „Scared To Death“ und „Acoustic Funeral (For Love In Limbo)“ erinnern mehr an Schlagersongs oder Après Ski-Hits, als an ernstzunehmenden Düster-Rock. Es ist zum Glück nicht so, dass HIM nicht auch anders können – „Heartkiller“ (erschien bereits als erste Single-Auskopplung), „Disarm Me (With Your Loneliness)“ und „Love, The Hardest Way“ beweisen das immerhin eindrucksvoll.

Trotzdem kann man sich teilweise nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn man sieht, was aus dem vorhanden Potential gemacht wird oder besser gesagt: nicht gemacht wird. Die gerade erwähnten Titel werfen außerdem eine Frage in den Raum, die sich wohl nur mit der geplanten Tour im Herbst beantworten lässt: kann Ville seine Gesangsparts auch live hinreichend umsetzen? Kritisch wird es nämlich – das zeigte schon der Auftritt der bei der Oliver Pocher Show – vor allem bei „Heartkiller“ und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei „Dying Song“. Oder kurz: immer dann, wenn Ville seinen Gesang urplötzlich ein paar Töne weiter nach oben schleudert. Seine Sternstunden erlebt der Finne nämlich stattdessen mit rockigen Gesangpassagen, wie sie bei „Disarm Me (With Your Loneliness)“ und „Ode To Solitude“ vertreten sind, immer dann, wenn auch die Gitarren wieder härtere Töne anschlagen und wirkliche Ohrwurm-Granaten und Hookline-Monster wie „Katherine Wheel“ und „Like St. Valentine“ dargeboten werden.

Bei allen verbliebenen Fragezeichen besteht an einer Sache kein Zweifel: „Screamworks: Love In Theory And Practice“ wird bei den Hörern polarisieren kaum ein Album zuvor. Für die einen ist es der richtige Schritt zurück zu den Wurzeln, für die anderen nach dem härteren „Venus Doom“ nur ein seichter Nachfolger ohne Pfeffer. Unabhängig davon lassen sich Villes zu hoher Gesang, einzelne Keyboard-Passagen und eine etwas schwache erste Hälfte negativ hervorheben. Auf der „Haben-Seite“ verzeichnen HIM aber extreme Eingängigkeit, absolute Ohrwürmer, ein paar wirklich exzellente Songs und einen einzigartigen Wiedererkennungswert, den ihnen auch nach dem siebten Studiowerk keiner streitig machen kann. Freunde der Band und Düster-Rock-Begeisterte, die es werden wollen, dürfen getrost ein Ohr in „Screamworks: Love In Theory And Practice“ riskieren und sich danach eine eigene Meinung bilden.

Bewertung: 7 / 10

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