CD-Review: Imha Tarikat - Kara Ihlas

Besetzung

Ruhsuz Cellât – Gesang, Gitarre
Prowler – Schlagzeug, Gesang

Tracklist

01. I-I: Çökmüş Mühür
02. I-II: Akan Sır
03. II-I: Omninihai Çözümü
04. II-II: Katarsis Vaazı
05. III-I: Şafaksız Rüya
06. III-II: Kara Ihlas
07. III-III: Imha Tarikatı
08. IV: Son Mistisizm


Black Metal und Religion gehen normalerweise nicht gut zusammen. Abgesehen von der kaum ernstzunehmenden, christlichen „Unblack-Metal“-Splittergruppe gibt es in dieser Stilrichtung kaum Bands, die dem Glauben an etwas Größeres wohlmeinend gesinnt sind – schon gar nicht dem islamischen. Doch selbst, wenn man der Religion kritisch gegenübersteht, kann es durchaus spannend sein, sich damit zu befassen. So kommt es, dass sich das deutsch-türkische Duo IMHA TARIKAT für sein in vier Kapitel unterteiltes Debüt „Kara Ihlas“ vom Koran inspirieren hat lassen. Ruft man sich die prekäre Situation arabischer Metal-Bands wie Al-Namrood ins Gedächtnis, erscheint dieses ungewöhnliche Textkonzept freilich etwas skurril – aber durchaus nicht uninteressant.

Die untypische Grundthematik, die sich unter anderem um das Überwinden der eigenen Grenzen dreht, merkt man „Kara Ihlas“ grundsätzlich nicht an. Auf exotische, orientalische Instrumente oder Tonfolgen, die dem Hörer auch ohne die nötigen Sprachkenntnisse als Hinweis auf die lyrische Inspirationsquelle dienen hätten können, verzichten IMHA TARIKAT mit eiserner Konsequenz. Stattdessen steht hier von Anfang bis Ende Black Metal auf dem Programm.

Eine knappe Dreiviertelstunde lang bombardieren IMHA TARIKAT den Gehörsinn mit kraftstrotzenden, griffigen Riffs, die nicht selten epische Ausmaße erreichen („I-II: Akan Sır“) und einem scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Blast-Beats. Das Tempo wird kaum jemals gedrosselt und selbst wenn die Nachwuchs-Black-Metaller einen Gang runterschalten, werden die Songs immer noch von Double-Bass-Drums vorangetrieben. Allzu großen Abwechslungsreichtum darf man auf „Kara Ihlas“ demnach zwar nicht erwarten, doch immerhin sind die Tracks schlüssig arrangiert und ohne Missgeschicke eingespielt.

Gesangstechnisch bestechen IMHA TARIKAT zwar ebenso wenig mit Vielfältigkeit, wohl aber mit einem markanten Stil. Mit Ausnahme von „II-I: Omninihai Çözümü“, auf dem zum Teil in höheren Tonlagen gekreischt wird, werden die Texte durchwegs mit beträchtlicher Stimmgewalt herausgebrüllt. Obwohl es sich allem Anschein nach nicht um gutturalen Gesang handelt, stehen die wütenden, aber keineswegs unkontrollierten Vocals der brachialen Musik in nichts nach. Darüber hinaus wird alles, was IMHA TARIKAT von sich geben, problemlos von der kraftvollen, warmen Produktion zusammengehalten, in der weder Gesang noch Instrumente zu kurz kommen.

Auf den Kopf stellen werden IMHA TARIKAT die hiesige Black-Metal-Szene vorerst wohl nicht. Zwar hat „Kara Ihlas“ mit seinem alles andere als alltäglichen Textkonzept und seinen markanten Vocals genug neugierig machende Charakteristika, doch davon abgesehen bringt die Platte nicht viel Besonderes auf den Tisch. Die Songs pulsieren vor Kraft und sind wunderbar flüssig aufgebaut, unterscheiden sich aber nur minimal voneinander, weshalb sie sich schnell als recht eintönig entpuppen. Grobe Fehltritte sind hier jedoch keine herauszuhören, sodass IMHA TARIKAT alles in allem eine solide Erstveröffentlichung zustande gebracht haben.

Bewertung: 7 / 10

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