Mit ihrem Debütalbum „Bliss“ schicken sich IN THIS HELL aus Coburg an, gleich mehrere Spielarten des Extreme Metal unter einen Hut zu bekommen. Death Metal, Thrash Metal und Black Metal bilden die Eckpfeiler eines Sounds, der sich nicht sonderlich um Genregrenzen schert. Der Albumtitel wirkt angesichts der musikalischen und inhaltlichen Ausrichtung beinahe zynisch. IN THIS HELL beschäftigen sich mit jener dunklen Ecke der menschlichen Psyche, in der Instinkt die Vernunft verdrängt und Moral dem Streben nach Macht zum Opfer fällt.
Viel Historie gibt es bei IN THIS HELL natürlich noch nicht zu erzählen. Das Trio um Pharatyr am Gesang und an der Leadgitarre, Sarkaz an der Rhythmusgitarre und F.N. am Schlagzeug steht noch am Anfang seiner Karriere. Letzterer ist mittlerweile auch nicht mehr Teil der Band, liefert auf dem Album aber noch eine bemerkenswerte Arbeit ab und wechselt über die gesamte Länge problemlos zwischen rasenden Blast Beats und groovigen Passagen. Einen würdigen Nachfolger zu finden, dürfte keine leichte Aufgabe sein. Alle Beteiligten sind in der Vergangenheit schon in einigen Bands aktiv gewesen, und diese Erfahrung zeigt sich auch bei IN THIS HELL deutlich. Die Coburger bedienen sich gekonnt bei der extremen Metal-Historie der Achtziger und Neunziger, ohne daraus einen reinen Retro-Trip zu machen.
Bereits die vorab veröffentlichten Stücke „There Are No Voices“ und „The Sound Of Breaking Bones“ vermittelten einen guten Eindruck davon, wohin die Reise geht. Death Metal bildet das Fundament, während Thrash Metal für zusätzlichen Vorwärtsdrang sorgt und schwarzmetallische Elemente eine düstere, bisweilen bedrohliche Atmosphäre beisteuern. Dabei versucht die Band nicht, mit möglichst vielen unterschiedlichen Zutaten um jeden Preis innovativ zu wirken. Die verschiedenen Einflüsse werden vielmehr zu einem recht schlüssigen Gesamtbild verbunden.
Gerade die Gitarrenarbeit ist dabei ein wichtiger Faktor. IN THIS HELL setzen auf markante Riffs und unterschiedliche Geschwindigkeiten. Hier liegt auch die größte Stärke der Band. Zwischen wuchtigen Midtempo-Passagen und schnelleren Attacken wie in „The Longing Sticks To Us“ und „King“ wird mehr Platz für Dynamik eingeräumt, und es entstehen so die spannendsten Momente des gesamten Werks.
Völlig neu ist dieser Ansatz natürlich nicht. Die Verbindung aus Death-, Thrash- und Black-Metal-Elementen gehört seit geraumer Zeit zum festen Bestandteil des Extreme Metal. IN THIS HELL müssen sich deshalb zwangsläufig daran messen lassen, ob aus der gelungenen Kombination irgendwann eine wirklich eigene Handschrift entsteht. Genau hier liegt eine der interessanteren Fragen rund um „Bliss“. Die Zutaten stimmen, doch Zutaten allein machen noch keinen unverwechselbaren Sound.
Die kompromisslose Mischung aus Härte, Geschwindigkeit und düsterer Atmosphäre birgt zudem die Gefahr einer gewissen Gleichförmigkeit. Viele Songs wie „Over The Line“ und „Meant To Feed The Fire“ setzen auf maximale Aggression und finstere Stimmung. Dadurch fehlen stellenweise die nötigen Kontraste.
Ein weiterer Kritikpunkt liegt in der visuellen Umsetzung. Obwohl die Band offensichtlich großen Wert auf das Konzeptuelle legt, wirkt das Cover lieblos und etwas aus der Zeit gefallen. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen.
Unterm Strich präsentiert sich „Bliss“ aber als Debüt, das weniger auf radikale Innovation als auf Konsequenz setzt. IN THIS HELL greifen tief in die Werkzeugkiste des klassischen Extreme Metal, vermengen Death-, Thrash- und Black-Metal-Elemente und verbinden das Ganze mit einer düsteren konzeptionellen Ebene. Das funktioniert bereits mehr als ordentlich und macht neugierig auf die Zukunft. Der nächste Schritt muss nun zeigen, ob IN THIS HELL aus ihrem Sound eine eigene Identität formen können.
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Wertung: 7 / 10


