Review Isenordal – Shores Of Mourning (Re-Release)

  • Label: Prophecy
  • Veröffentlicht: 2020
  • Spielart: Doom Metal

Ganz wie die tosende See in ihrem Betrachter ein Gefühl der Niedergeschlagenheit und der Verlorenheit auszulösen vermag, so gehört Funeral Doom zu den Musikgenres, die sich am schwersten auf das Gemüt des Hörers schlagen können. Das Motiv, das ISENORDAL sich für die Visualisierung des Re-Releases ihres 2017 erschienenen Debütalbums „Shores Of Mourning“ ausgesucht haben, könnte daher kaum passender gewählt sein. Und ganz wie das Meer in seinen Tiefen so manch Mysterium beheimatet, birgt auch die Musik von ISENORDAL mehr Sonderbares in sich, als sich durch einen oberflächlichen Blick auf das ihnen primär angedichtete Genre erkennen ließe.

Schon in den ersten paar Minuten des elfminütigen Titeltracks offenbart sich, dass „Shores Of Mourning“ weitaus mehr zu bieten hat als stupide in Zeitlupengeschwindigkeit gespielte Power-Chords – und dass man sich, sofern man vorhat, sich beim Hören bewusst in das Album einzufühlen, zur Sicherheit eine Packung Taschentücher bereitlegen sollte. So branden vor einer Geräuschkulisse aus Meeresrauschen zutiefst betrübliche Pianoarrangements an gleichermaßen trübsinnige Streicherklänge und melancholisch dahinschlendernde Akustik- und Clean-Gitarren, ehe sich ISENORDAL mit direkt ins Herz stechenden Screams und Growls sowie tonnenschweren Leads, Riffs und Drums schlussendlich doch im Funeral Doom einfinden.

Die Soundpalette, derer sich das Sextett auch in weiterer Folge auf seinem Einstandsalbum bedient, ist hiermit im Wesentlichen umrissen und doch gelingt es ISENORDAL immer wieder, der bedrückenden Atmosphäre der Platte mit unterschiedlichen Mitteln Ausdruck zu verleihen. Mal treten die verstaubt anmutenden, grimmigen Streicher weiter in den Vordergrund („Pyres At Nightfall“), mal nehmen die ansonsten entweder wehklagend klaren oder garstig gutturalen Vocals einen rauen Zwischenton an („To Tear The Veil Of Dreams“) und von Zeit zu Zeit fischen ISENORDAL sogar im Black Metal, wenn sie ihre Stücke mit epischem Tremolo-Picking und Blasting intensivieren („A Gallows Prayer“).

Dass das Album trotzdem nicht zerfahren wirkt und sich zumindest passagenweise schnell einprägt, zeugt von dem bemerkenswerten kompositorischen Talent, das ISENORDAL schon am Anfang ihres musikalischen Werdegangs an den Tag legten. Einzig der spröden, leicht unausgereiften Produktion ist anzuhören, dass die Band 2017 noch nicht an ihrem Zenit angekommen war.

Mit „Shores Of Mourning“ haben ISENORDAL eine in ihrer nasskalten Tristesse herausragende Platte veröffentlicht, die so rau und unbarmherzig wie die See selbst ist. Einem schweren Wellengang gleich schmettert die außergewöhnliche Mischung aus Doom, Folk und Black Metal, die die Amerikaner darauf zum Besten geben, den Hörer an die felsige Brandung seiner eigenen Gefühlswelt, wodurch die grobschlächtige Produktion in gewisser Weise sogar als zweckdienlich angesehen werden kann. Doch ganz gleich, ob ein glatterer Sound vielleicht doch von Vorteil gewesen wäre, ist es jedenfalls ein Segen, dass ISENORDAL ihr ursprünglich nur digital und auf Kassette veröffentlichtes Debüt anlässlich ihrer Aufnahme bei Prophecy Productions nun auch in anderen Formaten wiederveröffentlicht und es somit einer größeren Hörerschaft zugänglich gemacht haben.

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Wertung: 8.5 / 10

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