CD-Review: Karg - Resilienz (EP)

Besetzung

J.J. – Gesang, Instrumente

Gastmusiker:
Paul Färber – Schlagzeug
Nico Ziska – Gesang (Track 01)

Tracklist

01. Abbitte
02. Lorazepam


Obwohl man der Resilienzforschung mit gutem Grund vorwerfen kann, systemische Probleme zu individualisieren, ist psychische Widerstandsfähigkeit etwas, von dem wir alle dieser Tage möglichst viel gebrauchen können. Dem Kampf mit den Dämonen im Kopf widmete KARG sich allerdings schon lange vor dem Ausbruch der auch mental belastenden Coronapandemie. Mit dem Titel der auf sein siebentes Album „Traktat“ (2020) folgenden EP hat der österreichische Einzelkünstler J.J. seine Finger also nicht nur am Puls der Zeit, er greift damit auch ein Thema auf, das zumindest indirekt schon immer eine Rolle in seinem Wirken gespielt hat. Auch musikalisch geht KARG auf „Resilienz“ seinen bisherigen Weg weiter.

So spielt J.J. auf dem mit einer Laufzeit von 35 Minuten gar nicht so kurzen Kurzalbum weiterhin wie mit seiner Band Harakiri For The Sky Post-Black-Metal der melancholischen Sorte. Seine weitgehend im Alleingang für KARG kreierten Songs klingen allerdings wesentlich rauer und sind um einiges ausschweifender arrangiert. Wie gewohnt schwingt in seinem heiseren, im Salzburger Dialekt vorgetragenen Schreigesang, seinen kühlen Gitarrenriffs und seinem treibenden Drumming eine plagende Rastlosigkeit mit, wohingegen die ausgedehnten Clean-Gitarren-Parts von tief sitzender Traurigkeit sprechen.

Insbesondere „Abbitte“ wartet auch mit allerlei anderen typischen Markenzeichen der Ein-Mann-Band auf: hier ein schwermütiger Pianoeinschub, da ein zum Thema passendes Film-Sample (in diesem Fall aus dem 1991er Biopic „The Doors“) und auch Gastbeiträge wie hier die besonders wüsten Screams von Nico Ziska (Der Weg einer Freiheit) sind KARG nicht fremd.

Dennoch hätte der Solomusiker auf dem Minialbum manches besser machen können. Gerade im Vergleich zu Harakiri For The Skys jüngster Vorzeigeplatte „Mære“ (2021) lässt die rohe Produktion, in der die Vocals etwas zu kurz kommen, die beiden Songs arg grobschlächtig dastehen. Zudem stolpert KARG vor allem im sich über satte 21 Minuten erstreckenden „Lorazepam“ über dessen herausfordernde Laufzeit. Der nach einem Break aus heiterem Himmel kommende, fast schon euphorische Abschlussteil, in dem außerdem etwas zu schief klingende Clean-Vocals zu hören sind, wirkt gar völlig wie aus dem Zusammenhang gerissen.

Im Großen und Ganzen ist bei KARG alles beim Alten. Die beiden neuen Tracks fühlen sich wie frühere Veröffentlichungen noch ein Stück persönlicher als J.J.s Schaffen in Harakiri For The Sky an, sind jedoch soundtechnisch und kompositorisch weniger ausgefeilt. Quantitativ hat KARG sich mit der EP, die schon fast das Ausmaß einer Full-Length-Scheibe erreicht, außerdem wohl ein bisschen übernommen. Den Trost des Sich-Verstanden-Fühlens spendet „Resilienz“ allerdings genau so wie etwa „Weltenasche“ (2016) oder „Dornenvögel“ (2018).

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