Review Linkin Park – Hybrid Theory (-)

Wir befinden uns im Jahr 2000, an der Schwelle zum Millennium und auf dem Höhepunkt der New Metal-Welle. Eine Zeit, in der ein Haufen Korn-, Deftones- und Limp Bizkit-Klone versuchen auch ein Stück vom großen Geldkuchen abzubekommen. So treten dann auch Ende 2000 die Süd-Kalifornier von Linkin Park mit ihrem ersten Major-Auftritt an die Musik-Öffentlichkeit.

Dabei muss man ihnen zugestehen, dass sie durchaus ihren eigenen Stil haben. Der ist zum Großteil dem Wechselspiel zwischen Rapper Mike Shinoda und Sänger Chester Bennington sowie dem Soundtüftler Joseph Hahn am Mischpult zu verdanken.

So fängt der Long-Player dann auch mit „Papercut“ an: nettes, Synthie-Intro, verzerrte Gitarre, Sprechgesang und Shouts. Ihre Musik ist dabei alles andere als neu, auch sie bedienen sich beim altbewährten Laut-Leise-Prinzip des New Metals. Eingängige melodische Hooklines und Benningtons gefühlvoller Gesang wechseln sich mit harten Riff- und Schrei-Attacken ab. Die Gitarren- und Rhythmusarbeit sticht dabei alles andere hervor. Simple und immer wieder gleiche Riffs langweilen mit fortschreitender Länge des Albums. Ein Bass ist nicht wirklich zu vernehmen, viel wird zudem von den Elektro-Spielchen Hahns überdeckt. Die Song-Struktur bleibt fast über die gesamte Platte hin konstant. Einzige Ausnahme bildet der klasse Trip Hop-Song „Cure For The Itch“, der am meisten glänzen kann.

Dabei ist dieser Silberling keineswegs schlecht. Es gibt wahrlich keinen einzigen Ausfall. Auch Produzent Don Gilmore und Andy Wallace, der das Ganze abgemischt hat, haben gute Arbeit geleistet. Für ein Erstlingswerk ist die Produktion ausgesprochen professionell und überzeugend. Doch es fehlt an Überraschungsmomenten und Abwechslung. Auch die depressiven Texte können daran nichts ändern. Das Duo an den Mikrophonen sinniert über Paranoia, Hoffnungslosigkeit, Suizid-Gedanken, Beziehungsprobleme, Angst, Unsicherheit. Das haben bereits zig Bands vor ihnen oftmals besser und glaubwürdiger besungen. Die Texte handeln zwar durchweg von negativen Erfahrungen und Emotionen, wirken aber irgendwie durch die immer gleiche Vortragsweise der beiden Sänger (und das Fehlen jeglicher böser Worte) aufgesetzt, austauschbar und ironischerweise brav und gefühlsarm. Und selbst wenn nicht, Selbstmitleid auf Dauer ist nervig.

Nach knapp 38 Minuten schließt die Scheibe dann mit „Pushing Me Away“ ab und man kann weder großartige Höhepunkte noch Ausfälle auf der Langgrille markieren. Dafür gibt es eine Menge kurzes, gut-durchschnittliches New Metal-Liedgut, das fast zu jedem Zeitpunkt vorhersehbar wirkt.
Für New Metal-Einsteiger sicherlich gut geeignet. Wer jedoch Musik will, die sich nicht so schnell abnutzt, sollte lieber Abstand halten.

(Thomas)

Wertung: 6.5 / 10

Geschrieben am 5. April 2013 von Metal1.info

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