Review Lordi – The Arockalypse

  • Label: Drakkar
  • Veröffentlicht: 2006
  • Spielart: Heavy Metal

Es heisst, dass eine Band sich mit ihrem dritten Album beweisen muss, wenn der Hype vorbei ist. Dieses dritte Album heißt bei LORDI „The Arockalypse“. Und in der Tat gehörten die Skandinavier in den letzten Jahren mit zu den Bands, die in der Szene am erfolgreichsten waren. Das beweist auch schon die Liste der Gaststars, die sich auf „The Arockalypse“ verewigt haben. Dee Snider, Jay Jay French, Bruce Kulick und Udo Dirkschneider sind nun wahrlich keine kleinen Namen. Bei so großer Konkurrenz müsste Sänger Lordi es ja eigentlich mit der Angst zu tun bekommen. Aber Pustkuchen! Der gute singt alle seiner Gäste mit seiner kraftvollen Stimme nicht nur an, sondern sogar durch die Wand.

Aber der Reihe nach. Denn am Anfang der Scheibe steht natürlich zuerst einmal ein Intro. Und auch dieses mal haben LORDI wieder eine sichere Hand für kreative und lustige Einstiege bewiesen. Man hört zunächst einmal einen fast vier Minuten langen „Special Report“ des fiktiven Fernsehsenders „SCG3“, der über eine Monsterinvasion berichtet und an dessen Ende die Monster selber die Kontrolle über den Sender übernehmen, um den Einwohnern der Erde zu verkünden, dass es Zeit ist für „The Arockalypse“.
Daran kann man schon erkennen, dass LORDI natürlich auch auf ihrem dritten Silberling ihrem Monster – Image treu geblieben sind. Lordi, Amen, Ox, Kita und Awa haben natürlich immer noch ihre Horror – Pseudonyme und die Kostüme der fünf, die im Booklet abgebildet sind, scheinen noch detaillierter geworden zu sein. Aber auch in den Titeln der Lieder findet sich dieses Schema durchgängig wieder. Namen wie „The Kids Who Wanna Play With The Dead“, „They Only Come Out At Night“ oder „Supermonstars (The Anthem Of The Phantoms)“ sind nur einige Beispiele dafür, dass die Musiker ihrem Namen als moderne Variante des legendären Schockrockers Alice Cooper alle Ehre machen.
Apropros Alice Cooper: Den Stücken der Band haftet natürlich immer noch eine fette Hardrockattitüde der Marke Cooper oder KISS an. Man höre nur solche Titel wie „The Kids Who Wanna Play With The Dead“ oder „Hard Rock Hallelujah“ und wird sofort vom fetten Groove erschlagen. Auf der anderen Seite stehen aber natürlich auch wieder fette Metal Riffs, wie man sie zum Beispiel von Judas Priest kennt. Nur noch mal eine Schippe härter! „The Arockalypse“ gehört definitiv zu den härtesten und druckvollsten Scheiben seit langem.
Neben diesen altbekannten LORDI – Zutaten schimmern aber auch immer mal wieder einige moderne Elemente durch, die im harschen Kontrast zur sehr traditionalistischen Grundausrichtung des Materials stehen. Hier finden sich kurze, aber dennoch knackige Gitarrensoli, doppelläufige Gitarrenarbeit in bester Accept – Manier und ein Keyboard, das nicht penetrant im Vordergrund steht, sondern eine dezente Begleitung liefert lassen sofort Erinnerungen an die guten alten 80er wach werden. Nur das es dabei halt nicht bleibt, sonder das Quintett auch immer wieder subtil moderne Einflüsse einbaut, die nicht richtig fest zu machen sind und doch immer wieder überraschen und so für die nötige Frische sorgen.
Ein letzter wichtiger Punkt bei Heavy Metal Scheiben ist immer die Frage nach der Eingängigkeit. Und auch die ist auf „The Arockalypse“ definitiv vorhanden. Zwar fehlen so Überhits wie „Blood Red Sandman“ oder „Devil Is A Looser“ auf der Platte, aber dennoch ist der Singalong – Effekt eigentlich immer gegeben und zumindest die Refrains von „Hard Rock Hallelujah“ und „Good To Be Bad“ lassen sich nur schwer wieder aus den Gehörgängen wieder entfernen, wenn sie einmal drin sind. Und so richtig fällt das Fehlen eines Superhits nicht ins Gewicht. Denn bei diesem Album erscheint die Gesamtkonzeption etwas stärker als bei den Vorgängern „The Monsterican Dream“ und „Get Heavy“, so dass jeder der Titel durchaus das Potential hat zum persönlichen Hit eines Hörers zu werden.

Das also ist das dritte Album von LORDI. Und es ist bei weitem kein schlechtes! Wenn man der einhelligen Meinung glauben darf, dass es damit auch das wichtigste der Bandgeschichte ist, dann werden wir noch lange von den fünf Monstern aus Skandinavien hören. Den Songs von „The Arockalypse“ fehlt zwar noch das gewisse Etwas, um mit den ganz großen Klassikern des Metal konkurrieren zu können und noch haben LORDI auch noch nicht den Metal – Olymp erklommen. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass das in ein paar Jahren schon ganz anders aussieht. Denn zumindest das Potential dazu lässt sich auf „The Arockalypse“ definitiv entdecken.

Wertung: 8.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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