CD-Review: Lunar Aurora - Hoagascht

Besetzung

Aran – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard, Programmierung
Whyrhd – Gitarre, Gesang

Tracklist

01. Im Gartn
02. Nachteule
03. Sterna
04. Beagliachda
05. Håbergoaß
06. Wedaleichtn
07. Geisterwoid
08. Reng


Goldene Zeiten für Fans der alten Schule, könnte man sie wohl nennen, die letzten Monate – folgt der überaus gelungenen Wiederkehr von Nocte Obducta mit ihrem Retro-Album „Verderbnis – Der Schnitter kratzt an jeder Tür“ doch nun in Form von LUNAR AURORA die zweite Reaktivierung einer deutschen Underground-Legende – und das mit einem Album, welches, soviel sei vorweg genommen, wahrlich Potential zum Klassiker hat.

„Hoagascht“ nennt sich das Werk, und bereits in diesem Titel offenbart sich eine Eigenheit des mittlerweile neunten Studioalbums der Rosenheimer – ist das Werk doch komplett auf Bayerisch besungen. Eine eigentlich recht banale, jedoch effiziente Idee, Eigenständigkeit zu erzeugen, wie sich recht schnell herausstellt – denn auch, bezweifelt werden darf, dass es sich (wie der Promotext vollmundig behauptet) um das „erste Album in der Black Metal-Szene mit komplett in Oberbayerischem Dialekt verfassten Texten“ handelt, machen diese vom Klang doch einiges her. So wird dem Gesang durch die Verwendung der Bayerischen Mundart ein gewisser urig-kautziger Charme verliehen, wie man ihn zumindest noch nicht oft gehört hat.
Ein etwas zweischneidiges Schwert ist die Sache nichts desto trotz – denn abgesehen davon, dass es wohl jedem, der südlich des Weisswurst-Äquators haust, den Magen umdrehen und die Zehennägel aufbiegen dürfte, wenn sich ein Ausländer (=Nicht-Bayer) an der Aussprache des Albumnamens versucht, wirken Songtitel wie „Sterna“ oder „Reng“ doch – wie die meisten Versuche, Mundart in Schriftsprache zu überführen – doch ein wenig gekünstelt.

Doch genug der Randnotizen – schließlich geht es im Kern um die Musik. Und die bietet genug Anlass, zahlreiche Worte zu verlieren, präsentieren sich LUNAR AURORA doch 2012 vielleicht stärker denn je: Aussetzer gibt es vom ersten bis zum letzten Stück nicht einen. Statt dessen finden sich auf „Hoagascht“ acht Stücke, welche ohne Probleme über die nicht unbeachtliche Spielzeit von über 50 Minuten zu fesseln vermögen. Ähnlich dem letzten Album „Andacht“ werden die Songs dabei durch die Verwendung von Stimmungssamples wie Eulenrufe oder Regenprasseln zu einem Stück in sich geschlossener Atmosphäre zusammengeschweißt – faszinierender Weise (und hier trennt sich die Spreu vom Weizen) ohne dabei zu irgendeinem Zeitpunkt kitschig zu wirken. Selbiges gilt für das schlicht grandiose Oscar-Wilde-Zitat gleich zu Beginn: Stimmungsvoller kann man ein Album kaum beginnen.

Auch der Sound trägt seinen Teil dazu bei, dass „Hoagascht“ nicht in die Kitsch-Ecke rutscht: Rockig, rotzig und so klar als nötig, so räudig als möglich produziert, verleiht er den Songs den perfekten Klang – denn genau das sind die Attribute, die auch auf die Stücke selbst zutreffen: Bei aller nicht zu leugnenden Trueness des Materials schaffen es LUNAR AURORA nämlich, der Musik eine kräftige Portion Rock-Groove mitzugeben – ohne dabei freilich in die als belanglos in Verruf geratene Ecke des Black’n’Roll abzurutschen. In Kombination mit der durchweg schönen Melodieführung erinnert das Resultat eher ein wenig an Helrunar zu „Frostnacht“-Zeiten mit einem Schuss Thorngoth. So entwickeln die Songs oftmals fast schon Ohrwurm-Charakter – eher jedoch jene Vorstufe des Ohrwurms, die den unstillbaren Drang weckt, sich den Song wieder in Erinnerung zu rufen beziehungsweise aufzufrischen… am besten höchstens gute 50 Minuten später.

„Hoagascht“ ist eines jener Alben, die problemlos auch zwei oder drei Durchläufe lang im Player verbleiben können und auch beim dritten Hördurchgang nicht nur noch Spass machen, sondern auch immer noch Details preisgeben. Und das, obwohl das Album zu keiner Zeit den Anspruch pseudointellektueller Avantgarde erweckt – auch das ein erfrischendes Detail in einer Zeit, in der man manchmal das Gefühl nicht los wird, es gäbe nur noch Avantgarde- und Post-Avantgarde-Black-Metal. Wer sich über die Rückkehr von Nocte Obducta gefreut hat, dürfte hier Luftsprünge vollführen – denn gelungener als LUNAR AURORA es mit diesem Album getan haben, kann sich eine Band kaum zurückmelden. 

Bewertung: 9.5 / 10

Geschrieben am

2 Kommentare zu “Lunar Aurora – Hoagascht”

  1. Kralj

    Guade Kritik, ois in oim. Glei des mit da niedergschrieman Mundort is a Bledsinn. Es woaß a jeda im boarischen Sprochraum, wia so ebbs auszaschaun hot. Des mitn „å“ is a nix neigs. Es „å“ wead oiwei scho bam niederschreim vo vuikstimliche Liada hergnumma. „Es wird scho glei dumpa“ is a beispü dafia.

    Sist wia gsog, a guade Kritik.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Dank da schee für de Rückmeldung! Was de Mundort angeht, hosd recht – des sig I heit a anders, damals hab I no ned gwusst, dass des traditionell so gmacht werd – ma lernt schließlich ned aus. I hab des desweng etzad no amoi a bissl anpasst. Hobe de Ehre!

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: