Lustmord & Karin Park - Alter Cover

Review Lustmord & Karin Park – Alter

Am unteren Ende der Bandcamp-Webseite von „Alter“, dem gemeinsamen Album von Brian Williams alias LUSTMORD und KARIN PARK, finden sich neben der Ortsangabe „Los Angeles“ lediglich zwei Genre-Tags: „alternative“ und „weird shit“. Sehr aussagekräftig ist diese Selbsteinordnung nicht, der Versuch einer spezifischeren Katalogisierung täte der Zusammenarbeit zwischen dem britischen, in den USA lebenden Dark-Ambient-Vorreiter und der skandinavischen Femme fatale des Art-Pop jedoch Unrecht. Man könnte die 67 Minuten lange Platte auch durchaus treffend als „Ambient“ oder „Drone“ beschildern – und doch wäre damit nicht alles abgedeckt, was „Alter“ ausmacht.

Für die musikalischen Grundpfeiler des Albums zeichnet unverkennbar LUSTMORD verantwortlich. Die bis zu elf Minuten langen Stücke sind folglich keine Songs nach dem herkömmlichen Strophe-Refrain-Schema, sondern weithin ausgedehnte Klanglandschaften. Tief grollende, monotone Ambient-Texturen bilden die Grundflächen, die das Duo manchmal mit verschiedenartigen Sounds bebaut, teilweise aber auch brachliegen und für sich sprechen lässt. Auf Perkussionen stößt man im Grunde nur in „Twin Flames“, das sich mit seinen kalten, gedämpften Zeitlupen-Beats von dem Rest der Platte merklich abhebt.

LUSTMORD bei seiner eintönigen, über weite Strecken bedrückenden Klangmalerei zuzuhören, erfordert einiges an Geduld, kann aber äußerst meditativ und stellenweise sogar überwältigend sein – zum Beispiel im von einer ominösen Orgel getragenen „Kindred“. Aufmerksam Zuhörende vermögen in den vielschichtig und zugleich großräumig produzierten Tracks zudem durchaus einige einprägsame Merkmale zu erkennen. Die immer wieder für einen kurzen Moment erklingenden Glöckchen in „Hiraeth“, die wie der Wind heulenden Sounds in „Perihelion“ und die metallisch scharrenden und dumpf klopfenden Geräusche in „Sele“ sind nur ein paar der Beigaben, die zur hypnotischen Atmosphäre der Platte beitragen.

Und dann ist da natürlich noch KARIN PARK, die den Stücken mit ihrem weitgehend wortlosen Gesang weitere Facetten hinzufügt. Ihr Gespür für eingängige Hooks lässt die Art-Pop-Künstlerin hier bewusst ungenutzt und fügt ihre Stimme stattdessen in Form einer weiteren Schicht in die Ambient-Drone-Collagen ein. In ihrer Performance kristallisiert sich die Grundstimmung eines jeden Tracks heraus – von dem klagenden Raunen im Opener „Hiraeth“ bis hin zu ihrer außerweltlichen Darbietung im abschließenden „Sele“, durch die KARIN PARK dem Stück eine an Dead Can Dance erinnernde Mystik verleiht.

Wer mit der Erwartung an „Alter“ herangeht, KARIN PARK würde die von LUSTMORD geschaffenen Klangwelten mit ihrem Gesang ein wenig einsteigerfreundlicher gestalten, erliegt einem Irrtum. Vielmehr bringt sich die Sängerin auf dem Album wie ein weiterer, keineswegs führender Klangerzeuger ein, ohne den dadurch um ein zusätzliches Ausdrucksmittel bereicherten Tracks mehr Pop-Appeal zukommen zu lassen. Im Ergebnis haben LUSTMORD und KARIN PARK ein eindringliches, atmosphärisches und vielschichtiges Album geschaffen, das allerdings ziemlich fordernd ist und sich abschnittsweise ein wenig zu sehr in die Länge zieht.

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Wertung: 7 / 10

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2 Kommentare zu “Lustmord & Karin Park – Alter

  1. Finde ich ja großartig, dass Lustmord auf dieser Seite Erwähnung findet.
    Ich möchte noch hinzufügen, dass das Album auf Bandcamp mit „Name your price“ versehen ist. Von daher sollte jeder zuschlagen, der sich für Dark Ambient interessiert. Mir gefällt das Album besser als The Word as Power, was ja auch viel mit Stimme(n) arbeitete. Ich schätze aber, The Place where the black stars hang wird meine #1 bleiben.

    1. Hi!
      Schön, dass mein Review bei dir Anklang findet. :)
      Ich kannte Lustmord vorher nur namentlich und bin auf das Album eher wegen Karin Park aufmerksam geworden. Danke jedenfalls für die Anmerkungen. :)

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