CD-Review: Maladie - Of Harm And Salvation

Besetzung

Michael Imhof – Gesang
Alexander Wenz – Gesang
Déhà – Gesang, Piano, Cello
Björn Köppler – Gitarre
Mark Walther – Gitarre
Kevin Olasz – Gitarre
Moritz Grenzmann – Bass
Tobias Blach – Schlagzeug
Hauke Peters – Saxophon

Tracklist

01. Desiderium
02. Depugnare
03. Oblivio
04. Abnorminaris
05. Progressus
06. Profunditas
07. Renuntiatio
08. Alteramentum


Ganz gleich, was man von ihrer Musik halten mag, MALADIE sind ohne jeden Zweifel eine Band wie keine zweite. Angefangen damit, dass die deutsche Progressive-Extreme-Metal-Truppe neben Slipknot zu den wenigen Musikprojekten zählt, deren Mitgliederzahl beinahe in den zweistelligen Bereich geht, gehört sie außerdem zu den produktivsten von Déhàs Musikentitäten, derer der Tausendsassa mehr hat als Finger an seinen Händen. Drei Jahre nach ihrer letzten Full-Length-Epidemie mit dem Titel „…Still…“ entfesseln die „Plague“-Metaller auf „Of Harm And Salvation“ ein weiteres Mal ihre musikalische Seuche. Den Hörer erwartet abermals ein wahnwitziges Gemisch aus Black, Death, Progressive Metal und Jazz mit multilingualen, morbiden Texten.

Wässrige Clean-Gitarren eröffnen den Opener „Desiderum“ auf stimmungsvolle, gelassene Weise, ehe MALADIE mit einem Mal mörderische Screams, gnadenlose Tremolo-Riffs und brachiale Blast-Beats auf die Hörerschaft loslassen. Besinnliche Momente wie in den ersten paar Sekunden werden uns auch später noch vergönnt, allerdings in äußerst sparsamen Dosen. Die meiste Zeit über herrscht bei MALADIE nämlich das Musik gewordene Chaos. Allein schon die geradezu schizophrenen Vocals bilden ein Kapitel für sich, das so ziemlich alles, was man mit Stimmbändern machen kann, abdeckt: abwechselnd boshaftes und verzweifeltes Screaming, plumpe Growls, wahnsinniges Geschrei und schrägen Klargesang, der immerfort zwischen hymnischen, verheißungsvollen und dramatischen Tonlagen wechselt, wie es etwa im 14-minütigen „Depugnare“ der Fall ist.

Dass die Texte auf Deutsch, Englisch, Französisch und sogar Latein verfasst sind, unterstreicht den leicht avantgardistischen Charakter der Musik. Allerdings fällt auf, dass viele Textstellen einfach nur mehrmals in verschiedenen Sprachen wiederholt werden, was inhaltlich leider unerfreulich redundant ist. Von der Instrumentalisierung lässt sich selbiges zum Glück nicht sagen. Während in einem Track bedrohliche, haarsträubende Tech-Death-Frickeleien den Ton angeben („Oblivio“), setzen MALADIE im nächsten bereits auf schleppende, unheilverkündende Doom-Klänge („Abominaris“), verspielte Klavier- und Saxophon-Arrangements oder kathartisches Post-Black-Riffing („Profunditas“).

Keines dieser Elemente ist jedoch definierend für einen ganzen Song, dafür sind die Kompositionen viel zu sprunghaft. Dies resultiert zwar in einem durchwegs spannenden Hörerlebnis, wirkt zum Teil aber auch leider etwas wahllos und übertrieben vertrackt. Eine einnehmende Atmosphäre will sich nie so recht einstellen, was wohl ebenso an der drückenden, aber auch sterilen Produktion liegt. Demnach beeindrucken MALADIE auf ihrer dritten Platte eher noch mit spielerischer Raffinesse als mit stringenten Songstrukturen.

Während man die Songs der meisten Metal-Bands oft mit einer Handvoll Adjektiven zur Gänze erfassen kann, ist dies im Fall von MALADIE ein Ding der Unmöglichkeit. Zwar wirken die Vocals oftmals zu hysterisch, schief oder gezwungen böse, das Songwriting bisweilen launisch und die Produktion entgegen der musikalischen Rohheit zu geglättet, doch allein schon wegen seines hohen Spannungsfaktors ist „Of Harm And Salvation“ ein wirklich bemerkenswertes Kunststück. Und eine Platte, die 70 Minuten lang läuft, ohne Langeweile aufkommen zu lassen, ist schließlich auch keine Alltäglichkeit.

Bewertung: 7.5 / 10

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