CD-Review: Marilyn Manson - Manson - Holy Wood (In The Shadow Of The Valley Of Death)

Besetzung

Marilyn Manson - Gesang, Gitarre, Zusatzinstrumentierung
John 5 - Gitarre
Twiggy Ramirez - Bass, Gitarre, Keyboard
Ginger Fish - Schlagzeug (live), Programmierung, Synthesizer, Keyboard
Madonna Wayne Gacy - Synthesizer, Soundeffekte, Keyboard

Tracklist

A: In the Shadow
01. GodEatGod
02. The Love Song
03. The Fight Song
04. Disposable Teens

D: The Androgyne
05. Target Audience (Narcissus Narcosis)
06. "President Dead"
07. In The Shadow Of The Valley Of Death
08. Cruci-Fiction In Space
09. A Place In The Dirt

A: Of Red Earth
10. The Nobodies
11. The Death Song
12. Lamb Of God
13. Born Again
14. Burning Flag

M: The Fallen
15. Coma Black: a) Eden Eye / b) The Apple Of Discord
16. Valentine's Day
17. The Fall Of Adam
18. King Kill 33°
19. Count To Six And Die (The Vacuum Of Infinite Space Encompassing)


Mit dem Nummer-Eins-Album „Mechanical Animals“ landete MARILYN MANSON den bislang größten Erfolg seiner vielversprechenden Karriere. Der Höhenflug erhielt am 20.04.1999, sechs Monate nach Release des Albums, einen herben Dämpfer: Mit dem „Columbine Massacre“ erleben die USA in Littelton, Colorado, den bis heute blutigsten Amoklauf an einer amerikanischen High-School – mit den bekannten Folgen für MARILYN MANSON, dem von den Medien schnell eine Mitschuld an der Tragödie zugeschrieben wird: Die Verkaufszahlen von „Mechanical Animals“ halbieren sich auf dem US-Markt, die „Rock Is Dead Tour“-Tour wird abgebrochen und neue Konzerte zu buchen ist in den USA über Jahre hinweg schwierig.

Musikalisch lässt sich MARILYN MANSON davon jedoch nicht einschüchtern – im Gegenteil: Provoziert durch die Verlogenheit der amerikanischen Gesellschaft, die lieber der Entertainment-Branche die Schuld zuschiebt, als ihre lachsen Waffengesetze oder den christlichen Fundamentalismus zu hinterfragen, liefert er sein persönliches Meisterwerk ab.

Als letzter Teil der mit „Antichrist Superstar“ und „Mechanical Animals“ begonnenen Trilogie ist auch „Holy Wood“ ein Konzeptalbum, über dessen abermals autobiographisch angehauchte Story sich Seiten füllen ließen: Vielseitig interpretierbar, handelt es sich im Grunde um die Geschichte eines wütenden Jugendlichen, dessen Revolution von dem System, das er bekämpfen will, kommerziell ausgeschlachtet wird – am Ende bleibt ihm nur, zu zerstören, was er geschaffen hat: Sich selbst. Drumherum kreiert MANSON eine Welt aus Metaphern wie „Holy Wood“, einen disneyhaften Vergnügungspark mit den Hauptattraktionen Sex und Gewalt, der Amerika symbolisiert, das streng dem Dogma „Guns, God and Government“ folgt und wo, basierend auf seiner im Märtyrertum fußenden Religion, tote Stars zu Heiligen erklärt werden – allen voran John F. Kennedy als moderner Jesus.

Übermittelt wird diese harsche Gesellschaftskritik über die wohl vollkommenste Musik, die MARILYN MANSON bis dahin veröffentlicht hat: Die Reise in elektronisch-poppige Gefilde auf „Mechanical Animals“ abgehakt, aber nicht vergessen, wendet sich MARILYN MANSON diesmal eher in Richtung Alternative Rock. Das Resultat liegt vom Härtegrad damit zwischen seinen beiden Vorgängern und hat von beiden nur das Beste mitgenommen: Durch die diesmal enge Zusammenarbeit mit seinen Mitstreitern Twiggy Ramirez und John 5 geprägt, klingt „Holy Wood“ als Album deutlich homogener als „Antichrist Superstar“ und abwechslungsreicher als „Mechanical Animals“ zugleich: Das düstere „GodEatGod“, das rockige Trio aus „Love Song“, „Fight Song“ und „Disposable Teens“, gefolgt vom streckenweise fast melancholischen „Target Audience (Narcissus Narcosis)“ … jeden einzelnen Song könnte man als den Hit des Albums hervorheben. Derweil ist man zu diesem Zeitpunkt erst bei Nummer fünf von stolzen 19 Songs angekommen. Dass es MANSON gelingt, dieses Niveau auch im weiteren Verlauf zu halten, ist die letzte Überraschung, mit der „Holy Wood“ nach satten 68 Minuten Spielzeit auftrumpft: Trotz der gewohnt großen Zahl an Songs gelingt es MARILYN MANSON diesmal, dass nicht ein einziger nach Füllmaterial klingt.

Mit „Holy Wood“ liefert MARILYN MANSON nicht nur die einzig richtige Antwort auf all jene mediale Verleumndung, die ihm nach dem Columbine-Attentat entgegenschlugen, sondern auch – davon ganz abgesehen – ein vom ersten bis zum letzten Ton grandioses Werk, das bis heute seinesgleichen sucht.

Fazit: Nicht nur bezogen auf die Diskographie von MARILYN MANSON ein Meilenstein, der in keiner Sammlung fehlen darf.

> Weiter zum Review zu „The Golden Age Of Grotesque“ …

Bewertung: 10 / 10

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3 Kommentare zu “Marilyn Manson – Holy Wood (In The Shadow Of The Valley Of Death)”

  1. Yussuf al-Said

    Langer, ich verpass Dir jetzt ein virtuelles HighFive.
    Sehr gute (Retro)Bewertung eines „musikalischem Meisterwerkes mit Aussage“.

    Hast Du Mansons Buch (The long hard Road out of Hell) gelesen?

  2. Sarah Punke

    Bei der Begeisterung für dieses Album kann ich mich nur anschließen. Während manche Alben irgendwie nur in der Jugend taugen und ihren Wert mit der Zeit verlieren, liebe ich dieses Album mit 27 ebenso wie mit 15. Grandios!

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