Review Marduk – Dark Endless (Re-Release)

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2012
  • Spielart: Black Metal

MARDUK feierte man entweder dafür, dass sie jahrelang musikalisches Sperrfeuer produzierten, oder man hielt sie aus ebendiesem Grund für ziemlich platt. Im Jahre 2012 funktioniert dieses schwarz-weiß-Denken nicht mehr so recht, denn ab „Rom 5:12“ schlugen MARDUK Pfade ein, die sie musikalisch weg führten von ihrer Hochphase als Panzergeneräle. Dass aber auch die Ursprünge kein Krieg auf musikalischer Ebene waren, gerät gerne mal in Vergessenheit. Man fragt sich nur manchmal, ob das nicht gerade im Falle der Schweden um Gitarrist Morgan (hier noch stilecht „Evil“) eher dankens- als bedauernswert ist.

„Dark Endless“, das dieser Tage als Remaster neu veröffentlicht wurde, liefert jedenfalls keinen Grund, nostalgisch zu werden. Denn dass erste Gehversuche auch bei einer späteren Kultband in die Hose gehen können, zeigt das ursprünglich 1992 erschienene Debüt recht eindrücklich. Sicher, da gibt es ein paar nette Riffs, und ja, das ist alles in allem natürlich viel unaufdringlicher als ein „Panzer Division Marduk“, es gibt vergleichsweise fast noch melodiöse Momente und man bemüht sich um Abwechslung. Nur: Man hatte im Songwriting wenig Übung und war offensichtlich auch nicht talentiert genug, dieses Manko mit großartigen einzelnen Einfällen zu überspielen. Atmosphäre wird selten mal aufgebaut, viel mehr blastet man ziellos vor sich hin und vergisst dabei leider häufig, dass sich zwischen zwei Songelementen auch gerne mal ein plausibler Übergang finden darf. „The Funeral Seemed Endless“ und „Still Fucking Dead (Here’s No Peace)“ sind da mit etwas markanteren Riffs positiv hervorstechende Ausnahmen, die zumindest teilweise mitreißen können – wenn auch trotzdem nicht ganz klar ist, wohin, denn auch hier kommt man atmosphärisch nicht so recht zum Punkt.

„Dark Endless“ ist ein Album, das man grundsätzlich guten Gewissens vergessen kann, selbst für diese noch eher klassischere MARDUK-Gangart sind „Those Of The Unlight“ oder „Heaven Shall Burn… When We Are Gathered“ definitiv die hochwertigeren Käufe. Dass das Re-Release bessser klingt als das Original, macht das Kraut nicht fett, dafür ist die Musik einfach zu irrelevant. Doch ohnehin scheint die Wiederveröffentlichung ja eher für Black-Metal-Historiker gedacht, denn die Bonustracks sind allesamt qualitativ ziemlich grausige Live-Mitschnitte von 1991. Mit einer Ausnahme, denn als Überraschung packte man sogar zwei noch miesere Proberaum-Mitschnitte von 1990 auf die Scheibe.
Wer sich über die Anfänge MARDUKs oder die Ursprünge der schwedischen Black-Metal-Szene generell informieren will, bekommt hier sicher ein ganz ordentliches Paket, wer aber hörenswerte Musik erstehen möchte, lässt dieses Release lieber im Laden stehen.

Wertung: 4 / 10

Publiziert am von Marius Mutz

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