Review Marduk – World Funeral

  • Label: Osmose
  • Veröffentlicht: 2003
  • Spielart: Black Metal

MARDUK und Erik „Legion“ Hagstedt, die 1990 gegründete schwedische Black Metal Institution und der Schreihals, der Ophthalamias „Via Dolorosa“ mit seinem Organ veredelte, dieses 1995 geschlossene Bündnis war das, was man „a match made in Heaven“, oder in diesem Falle eher „a match made in Hell“, nennen würde. Mit „Heaven Shall Burn…“ nahm der Siegeszug der Nordländer seinen Anfang, dann begannen sie ihre Grenzen zu erweitern, Extreme auszuloten. Aber man soll ja aufhören wenn’s am Schönsten ist und so endete die Zusammenarbeit zwischen dem charismatischen Frontkasper und den grimmigen Pandabären nach gerade mal fünf Alben schon wieder. Das letzte davon, „World Funeral“, wird ja ganz gerne als der letzte Sargnagel für MARDUKs Karriere angesehen. Wieso nur?

Immerhin zeigt sich das schwedische Quartett hier von seiner besten Seite. Der Einfluss des Bandneuzugangs Emil Dragutinovic ist spürbar, hier werden Geschütze aufgefahren, die man den Knaben nach der kompromisslosen „Panzer Division Marduk“ und dem uninspirierten Schnellschuss „La Grande Danse Macabre“ eigentlich gar nicht mehr zugetraut hätte. Geschwindigkeits- oder Brutalitätsrekorde werden hier zwar keine mehr aufgestellt, aber das war wohl auch gar nicht mehr Sinn der Sache und das hat wohl auch niemand erwartet, stattdessen galt es, eine Möglichkeit zu finden, um die geballte Energie, die der Vierer aufzubauen im Stande war, in eine einheitliche Richtung zu lenken.
Das war es nämlich, was der „Panzer Division“ etwas fehlte. MARDUK wussten da schon, wie man kräftig auf die Zwölf ballert, aber eben auch nur das. Bei „World Funeral“ findet man endlich ein geeigneteres Ventil für die Kraft der Musik. Mit „With Satan And Victorious Weapons“ (veredelt mit einem kurzen Sample aus „Der Name der Rose“) fängt man zwar gewohnt heftig an, Dragutinovic knüppelt wie ein alter Hase, B.War malträtiert routiniert den Sechssaiter und Legion knallt dem Hörer nach dem etwas schwachbrüstig geratenen „La Grande Danse Macabre“ wieder ein volles Keifbrett vor den Latz, aber irgend was ist anders, oder?

Klar würde man das, was der Vierer hier zusammenhobelt niemals nicht mit einem ernsten Gesicht „progressiv“ nennen, aber für das eher beschränkte Repertoire MARDUKs… hmja… Die Dominanz von solch melodischen Riffs ist jedenfalls etwas, was sich seit „Heaven Shall Burn…“ eher selten in den Songs der Schweden verbarg. Was jetzt aber nicht heißt, dass die Band ihren heftigen Sound durch allzu melodische Einschläge heftig verwässern würde. Da steckt kräftig Rumms dahinter, MARDUK wissen immer noch, wie man den Hörer mit der Wucht eines Kettenfahrzeuges oder respektive auch einer Dampfwalze in den Boden gräbt.
Aber Progression wäre ja keine da, wenn man einfach von vorne bis hinten durchballern würde. Und auch hier zeigt sich das „neue Gesicht“ MARDUKs recht imposant. Mit „With Satan And Victorious Weapons“ oder auch dem kurzen, knackigen „Cloven Hoof“ hat man zwar heftige Nackenbrecher am Start, aber mit „Bleached Bones“, „Castrum Doloris“ oder „Night Of The Long Knives“ (das mit einem sehr coolen Outro aufwarten kann) zeigt man, dass man auch anders kann. Mal melodischer, mal sogar epischer, Uptempo, Midtempo, ganz selten mal beinahe Downtempo, alles am Start. Abwechslung wird im recht engen Black Metal Korsett groß geschrieben. Coole, einprägsame Riffs, gewohnt geniale Gesangsleistung von Legion, was kann man sich eigentlich mehr noch wünschen, wenn mit „Blackcrowned“ eine extrem apokalyptisch anmutende Aufarbeitung des „A Clockwork Orange“-Themas durch die Boxen schallt?

Wenig. Ein Quentchen fehlt zur absoluten Genialität, im Endeffekt ist es halt doch recht eindimensionaler, energiestrotzender Black Metal, der nicht viel mehr will, als dich zu töten und das oft und gerne, aber das ist er in meinen Augen quasi in Perfektion. Freunde der schwedischen Schwarzheimer sollten das Ding auf jeden Fall kaufen (auch sehr empfehlenswert in der Box mit „Hearse“-Single und Bonus-DVD) und auch sonst bin ich sehr dicht dran, „World Funeral“ ungefähr uneingeschränkt heilig zu sprechen.

Wertung: 9.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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