CD-Review: Marduk - Wormwood

Besetzung

Daniel "Mortuus" Rosten - Gesang
Morgan "Evil" Steinmeyer Håkansson - Gitarre
Magnus "Devo" Andersson - Bass
Lars Broddesson - Schlagzeug

Tracklist

01. Nowhere, No-One, Nothing
02. Funeral Dawn
03. This Fleshly Void
04. Unclosing The Curse
05. Into Utter Madness
06. Phosphorous Redeemer
07. To Redirect Perdition
08. Whorecrown
09. Chorus Of Cracking Necks
10. As A Garment


Pünktlich wie ein schweizer Uhrwerk schlägt das schwedischste aller Black Metal Urgesteine wieder zu. Kein Jahr, ohne einen MARDUK-Release. Wenn gerade keine neue Langrille in den Startlöchern steht, dann hauen Morgan Steinmeyer Håkansson halt mal wieder ein Live-Album raus, eine DVD, oder wie’s letztes Jahr der Fall war ein paar Re-Releases mit mächtigem Bonusmaterial. Eigentlich irgendwo eine fiese Methode, denn der geneigte MARDUK-Fan saß seit 2007, als „Rom 5:12“ rauskam, im übertragenen Sinne wohl so ungefähr auf heißen Kohlen. Egal ob man das mittlerweile zwei Jahre alte Opus der Schweden mochte oder nicht (ich persönlich fand es etwas durchwachsen, teilweise bockstark, teilweise aber auch eher 08/15), eins kann man wohl nicht leugnen: MARDUK haben sich verändert. Es wird wohl niemand daran zweifeln, dass wir es immer noch mit derselben Band zu tun hatten, die solche Hassbrocken wie „Panzer Division Marduk“, „Nightwing“ und „World Funeral“ aufnahm. Aber trotzdem klang „Rom 5:12“ anders. Vielschichtiger. Reifer. Experimenteller. Welchen Weg würde das Schlachtschiff aus Norrköping von hier aus wohl nehmen?

Nun lassen MARDUK endlich die Katze aus dem Sack, denn mit „Wormwood“ erscheint dieser Tage endlich die Antwort auf all unsere Fragen. Und sie fällt vergleichsweise vorhersehbar aus. Und andererseits doch überraschend. Vorhersehbar, weil man sich irgendwo schon denken konnte, dass MARDUK die experimentelleren Parts von „Rom 5:12“ weiter ausbauen, diesen Pfad weitergehen würden. Überraschend andererseits, weil wohl niemand ahnen konnte, was dann letzten Endes dabei rauskommen würde.
„Wormwood“ ist eine verzwickte Angelegenheit, denn wer den klassischen MARDUK-Sound kennt und liebt, der wird von dem Album hier wohl teilweise nicht zu knapp vor den Kopf gestoßen werden. Nur teilweise, weil noch viele Trademarks mit an Bord sind, die nicht nur auf „Plague Angel“ und „World Funeral“ Platz fanden, sondern auch welche, die ich persönlich längst vergessen geglaubt hatte. Die CD hört sich stellenweise wie ein Querschnitt durch MARDUKS komplettes Schaffen an, mit Parts, die wohlige Reminiszenzen an „Opus Nocturne“, „Those Of The Unlight“ oder „Heaven Shall Burn…“ erwecken. Auch „Funeral Dawn“, das zwar ein wenig unter relativ simpler Rhythmusarbeit zu leiden hat, ansonsten aber wie ein höllisch eingängiger Bastard aus „Imago Mortis“ und „Bleached Bones“ klingt dürfte eher wenige Gemüter erhitzen.
Aber trotzdem klingen MARDUK auf „Wormwood“ anders als jemals zuvor. „Experimente“ ist vielleicht das falsche Wort, denn wirklich experimentell sind die Schweden wohl nur innerhalb des engen Rahmens, in dem sie sich bislang immer bewegt haben. Viel mehr wenden sie auf ihrem neusten Album klassische Techniken an, die bislang einfach noch nie wirklich Einzug in den MARDUK-Sound gehalten hatten. Schon im Opener „Nowhere, No-One, Nothing“ wird das deutlich, den man anfänglich wohl für ein klassisches MARDUK-Prügelstück halten könnte. Klassisches Riffing, klassisches Highspeed-Drumming, der gut hörbare Bass macht auch Freude, Mortuus packt siene fiesesten Vocals aus und obwohl ich dem Mann bislang immer eher skeptisch gegenüber stand, gehen die doch gut ins Ohr und vor allem seine Lungenkapazität ist bermeksnwert. Bis auf einmal die Gitarre verstummt und nur noch Bass, Schlagzeug und… ja, man muss es fast so nennen… Klargesang übrig bleibt.

Sowieso scheint sich die Gitarrenarbeit auf „Wormwood“ am Meisten verändert zu haben. MARDUK haben einerseits keine „Angst“ mehr davor, den Sechssaiter mal schweigen zu lassen. Immer mal wieder unterbrechen die Schweden ihr übliches Geballer und gehen eher groovend zu Werke, lassen Bass und Gesang sich frei entfalten und erreichen damit hin und wieder eine Intensität und eine Atmosphäre, deren Düsternis alles, was die Band vorher gemacht hat, locker schlägt (der kongeniale Rausschmeißer „As A Garment“, der weitestgehend simpelste Bassfiguren und verhaltenes Drumming benutzt, muss hier wohl als Paradebeispiel genannt werden). Aber auch wenn die Gitarre eingesetzt wird, beschreiten MARDUK neue Wege. Denn so viele melodische, teilweise richtig gut ins Ohr gehende Leads hat Bandkopf Morgan wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht bislang noch nie auf den Hörer abgefeuert. Sehr abwechslungsreich geht er hier zu Werke, und wenn er nicht gerade wie bei „Into Utter Madness“ coole Melodien aus seiner Axt zieht oder wie bei „Phosphorous Redeemer“ (dem wahrscheinlich klassischsten Song des Albums) heftigst auf den Saiten herumschrubbt, dann veredelt er auch mal die etwas ruhigeren Stellen durch eher hintergründiges Spiel (schon wieder „As A Garment“, der Song ist aber auch zu geil).

Natürlich ist das nicht alles, was neu ist im Hause MARDUK. „Whorecrown“ bietet dissonantes Gitarrenspiel, das ein wenig an Manatark erinnert, dazu Sprachsamples (die mich beim ersten Mal etwas aus der Fassung brachten, weil der Einsatz… merkwürdig ist) und auch ein paar richtig epische Hooklines, hier und da werden mal Glockenklänge eingeflochten und wenn ich mich nicht täusche, dann war da auch irgendwo ein Keyboard zu hören (die zweite Hälfte von „Funeral Dawn“ legt das nahe, könnte aber auch eine durch’s Effektgerät gejagte Gitarre sein). Fakt ist, dass sich hier viele Dinge finden, die ich niemals von MARDUK erwartet hätte, die aber gerade in Verbindung mit dem typischen Sound der Schweden erst so richtig zünden.
„Wormwood“ wächst ganz enorm. Der erste Durchlauf ließ mich verwirrt zurück, danach fing ich an in die Materie einzutauchen, war aber noch nicht hundert prozentig überzeugt und beschwerte mich ganz gerne darüber, dass die Experimentierfreude zwar löblich wäre, ein paar von den Experimenten aber nicht richtig ziehen würden. Wenn ich die CD jetzt, zum zwölften oder fünfzehnten Mal höre, dann weiß ich nicht mal mehr, über welchen Part ich das eigentlich dachte. So oder so, „Wormwood“ rockt gewaltig, wird aber sicherlich noch stärker als „Rom 5:12“ die Fangemeinde spalten.

Das einzige, was irgendwie schade ist, ist die Tatsache, dass ich jetzt den „Hier ist der Wurm drin“-Scherz nicht verbraten konnte…

Bewertung: 9 / 10

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