CD-Review: Megadeth - The System Has Failed

Besetzung

Dave Mustaine – Gesang, Gitarre
Chris Poland – Gitarre
Jimmie Lee Sloas – Bass
Vinnie Colaiuta – Schlagzeug

Tracklist

01. Blackmail The Universe
02. Die Dead Enough
03. Kick The Chair
04. The Scorpion
05. Tears In A Vial
06. I Know Jack
07. Back In The Day
08. Something That I’m Not
09. Truth Be Told
10. Of Mice And Men
11. Shadow Of Deth
12. My Kingdom


Uaaahhhh..oh, Entschuldigung, der Reihe nach. 2001 stand mit „The World Needs A Hero“ die letzte Veröffentlichung von Megadeth in den Läden, und dann der Schock: Aufgrund einer Nervenerkrankung von Dave Mustaine wurde das Ende der Band bekannt gegeben. Doch 3 Jahre später steht das Comeback mit einem geheilten Dave Mustaine an. Und Megadeth liefern kurzerhand das beste Album seit „Youthanasia“ ab. Übrig geblieben von der letzten Besetzung ist außer Mustaine niemand. Dafür kehrt mit Chris Poland ein alter Bekannter aus den Anfangstagen an die Klampfe zurück. Doch eines muss auch vorab gesagt werden: „The System Has Failed“ ist kein „Rust In Peace Teil 2“!

Unweigerlich folgt die altbekannte Diskussion: Welchem Genre werden Megadeth zugeordnet? Bei keiner Band ist diese Frage so schwer zu beantworten wie bei Megadeth, Megadeth sind einfach Megadeth! Für mich waren und sind sie eine Thrash-Band – mit Ausrutschern. Doch gerade auf diesem Album treten die Thrash-Wurzeln wieder deutlicher in den Vordergrund, weshalb ich sie auch weiter als Thrash Metal-Band betrachte.

Textlich dreht sich weiter alles um Politik- und Gesellschaftskritik. So beginnt „Blackmail The Universe“ mit einem fiktivem Nachrichtenkommentar, Air Force One wäre über dem Mittleren Osten von Terroristen abgeschossen worden. Dazu passend steht auf dem Cover in der ersten Reihe vor Vic Rattlehead George W. Bush. Doch auch ungewohnte selbstkritische Töne schlägt Herr Mustaine an, speziell bei „Of Mice And Men“, wo er über sein Leben und vor allem seine jungen Jahre Bilanz zieht. Und mit „Something I’m Not“ ist sogar eine Abrechnung mit Metallica’s Lars Ulrich enthalten. Nebenbei sei erwähnt, dass am Ende dieses Songs auch Mustaines Sohn zu hören ist.

Doch nun zur musikalischen Seite des Albums: „Blackmail The Universe“ ist nach besagtem Intro eine typische Megadeth-Nummer. Ehrlicherweise auch mit der schwächste Song des Albums. Wobei dieser z.B. auf dem letzten Album als absolutes Highlight durchgegangen wäre, nur ist der Standard dieser Platte einfach enorm. „Die Dead Enough“ überrascht mit einem Streichorchester zu Beginn, und der Refrain, meine Fresse. Was Mustaine hier an Gesangslinien gezaubert hat ist unglaublich, der Song selbst ist im Midtempo gehalten, inkl. typischen Mustaine-Soli. „Kick The Chair“ stand ja schon vor Veröffentlichung des Albums auf der Homepage zum Download bereit. Und es scheint, als sei hier ein Riff aus der „Rust In Peace“-Session übrig geblieben, der Song erinnert stark an „Tornado Of Souls“ von besagtem Album. Unnötig zu erwähnen, dass es sich um einen Killersong handelt, bei dem es sich ohne wenn und aber um reinen Thrash Metal handelt.

„The Scorpion“ schlägt in die gleiche Kerbe wie der zweite Track, allgemein hat Dave auf diesem Album mit seine beste Gesangsleistung seiner Karriere abgeliefert. Einige Breaks mit tickendem Wecker sind ebenfalls enthalten, fügen sich aber exzellent ins Lied mit ein. Abgeschlossen wird mit einer erneuten Nachrichtmeldung, dieses Mal über Drogenhändler. „Tears In A Vial“ erfreut den Hörer mit „Galoppgitarren“, wie man es von Iced Earth seit Jahren gewöhnt ist. Und der Galopp steht Megadeth sehr gut zu Gesicht. Der ganze Song könnte auch gut auf der „Youthanasia“ stehen. „I Know Jack“ ist ein kurzes Instrumental-Intermezzo, das schon das Riff vom nachfolgenden „Back In The Day“ vorweg nimmt. Und dieses entpuppt sich als eines der absoluten Highlights auf einem Album, das fast nur gespickt ist mit Highlights.

„Something I’m Not“ ist eine dezent bluesig-angehauchte Nummer, die etwas hinter der Qualität der Platte hinterher hinkt, wozu auch der meiner Ansicht nach lieblose Solo-Part in der Mitte beiträgt, aber bei Leibe kein schlechtes Lied. „Truth Be Told“ ist dann wieder einer der Gründe für das hohe Niveau des Albums, ruhige Passagen wechseln sich mit schnelleren ab, und der Abgeh-Part am Ende des Stücks grüßt liebevoll die „Rust In Peace“. „Of Mice And Men“ kommt etwas rockiger daher, was aber keinesfalls negativ verstanden werden darf. Toller Song, dessen einziger Kritikpunkt wäre, ein Refrain-Wiederholung weniger am Ende wäre hier wohl mehr gewesen. Vor dem abschliessenden „My Kingdom“ dürfen wir bei „Shadow Of Deth“ noch einem Bibelzitat lauschen (David, Psalm 23). Textlich gibt das nicht viel her, doch es folgt ein toller Instrumentalteil. Eben jener Abschlusstrack ist eine typisch vertrackte kurzweilige Megadeth Nummer, die sicher nicht jedermanns Sache ist. Überraschenderweise ist dies der einzig vertrackte Song, der Rest ist sehr straight ausgefallen.

„The World Needs A Hero“ war ohne eine Zweifel ein gutes Album, doch irgendwie hat man das Gefühl, die letzten 10 Jahre und 4 Alben (mit Hidden Treasures) hätte es nicht gegeben, und wir haben es hier mit dem direkten Nachfolger von „Youthanasia“ zu tun. In dieser Verfassung kann man nur hoffen, dass Megadeth noch lange weiter existieren werden, was für ein Hammeralbum! Jeder langjährige Megadeth-Fan kann bedenkenlos zugreifen.

(Oli)

Bewertung: 9 / 10

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