Interview mit Dave Mustaine von Megadeth

Zur früh anberaumten Promotion des kommenden MEGADETH-Albums „United Abominations“ konnten wir mit Mastermind Dave Mustaine das erste deutsche Interview führen. Ein merklich müder Mustaine zeigte sich leider nicht allzu gesprächtig.

MEGADETH

Hi Dave! Vielen Dank, dass du es uns ermöglichst, dieses Interview für Metal1.info zu machen! Es ist definitiv die größte Nummer, die ich je interviewt habe und daher hoffe, dass mich mein englisch nicht im Stich lässt. Wie geht es dir, was läuft in Köln?
Mir geht es ausgezeichnet. Hier in Köln gebe ich nun Interviews, erledige Pressekram und promote das neue Album.

Das kommende Megadeth-Album „United Abomination“ erblickt das Licht der Welt am 4. Mai. Roadrunner ermöglichte mir bereits ein Pre-Listening und, hey, es hört sich wirklich gut an. Wie würdest du die Platte beschreiben?
Nun, ich denke, es ist das beste Album, was wir dieser Zeit machen konnten. Gerade nach dem Break-Up und meiner Armverletzung bin ich wirklich aufgeregt, es bald auch zu spielen.

Was sind die hauptsächlichen Unterschiede zwischen diesem und „The System Has Failed“?
Der Hauptunterschied war war, dass bei „The System Has Failed“ ich und einige Musiker im Studio waren und nun war wieder eine Band im Studio.

Worum dreht sich das textliche Kozept?
Also es ist kein Konzeptalbum. Es gibt viele verschiedene Themen, die behandelt werden. Persönliche Belange, unterschiedlichste Gedankengänge, Fiktion und historische Themen.

Wieviel Zeit nahm Songwriting und Aufnahme in Anspruch?
Oh, dass dauerte eine Weile. Es wurden einige Dinge verwertet, die mir schon als Kind durch den Kopf schossen, ebenso wurden Dinge untergebracht, die erst kurz vorm Studio entstanden sind.

Waren alle Bandmember am Songwriting beteiligt?
Ich weiß jetzt nicht genau, was du damit meinst. Die Musik haben lediglich Glen (Dover, Gitarrist; Anm.) und ich geschrieben.

Hast du ein paar Lieblingsstücke auf dem Album? Mir gefällt „Gears Of War“ sehr gut. Ein wirklich klasse Song, der sich schnell zum Ohrwurm entpuppt.
Danke sehr! Nun, ich glaube nicht, dass ich sowas wie einen Lieblingssong habe. Wenn ich das Album anhöre bleiben mir jedes Mal andere Stücke in Erinnerung. Das finde ich, ist das schöne bei der klassischen Megadeth Musik, dass es bei jedem Hören neue Dinge herauszuhören gibt.

Was war der Hauptgrund, bei Roadrunner zu unterzeichnen? Hattet ihr noch weitere Angebote von Größen wie Metal Blade oder Century Media?
Nein, glaube nicht, dass diese beiden interessiert waren. Doch, Century Media hätte uns auch aufnehmen wollen, aber da waren die Vorstellung verschieden.

Im Netz werden eure letzten Artworks fleißig diskutiert. Manche finden sie klasse, andere hingegen albern. Was soll das aktuelle Bild ausdrücken?
Nunja, es drückt aus, dass die Vereinten Nationen ein gewaltiger Donner erreicht und der Platz zerstört wird.

In Deutschland, einem Land dominiert von Pop- und HipHop-Musik, ist zu beobachten, dass seit geraumer Zeit mehr und mehr Alben in den Charts landen. Denkst du, den Metal hat eine neue Erfolgswelle erreicht, oder wie erklärst du dir den wieder eingekehrten Erfolg?MEGADETH
Das finde ich fantastisch und es ist an der Zeit. In der Vergangenheit wollten einige Metal-Puristen eine Band nicht wachsen lassen und daher habe ich auch irgendwo Verständnis. Allerdings muss sich eine Band weiterentwickeln. Manche nehmen dasselbe Album zweimal auf. Dies mögen einige Fans, andere natürlich nicht. Wenn man heute was aufnimmt, muss Vielfalt gegeben sein.

Viele Leute sagen, Megadeth würden immer noch ihren 80er Metal spielen. Was sagst du dazu?
Bitte was?

Nunja, ihr hört euch im Jahr 2006 noch immer an, wie in den 80gern. Die Produktion, dass Riffing; und das alles nicht böse gemeint. Viele Bands setzen dieser Tage auf Bombast, fette Produktionen, permanente Blastbeats und so weiter. Ihr habt euren Stil eigentlich nie groß geändert, daher diese Erkenntnis.
Wenn das aber funktioniert ist es doch großartig. Wir sind seit 20 Jahren erfolgreich und ob die Blastbeats in 20 Jahren noch eingesetzt werden, weiß ich ja nicht.

Laut unserer Megadeth-Bandinfo habt ihr 2008 euer 25-jähriges Bestehen. Gibt es schon Pläne, wie das gefeiert wird?
(lacht) Nein, noch nicht. Darüber habe ich mir noch nicht mal Gedanken gemacht, aber ich bin zuversichtlich, dass wir dann irgendwie auf Tour gehen.

Wie würdest du eure Fanbase beschreiben? Meiner Meinung nach sind das vorrangig die Old-Scholl-Metalheads mit engen, betagten Jeans und stark verwaschenen Shirts. Jüngere Fans mit Megadeth-Klamotten sind eher eine Rarität.
Das ist nicht richtig.

Achso?
Nein. Wenn wir in den USA spielen, tragen viele Kids Megadeth-Klamotten. Auch in den anderen Ländern wo wir spielen, sehen wir tonnenweise Kids mit unseren Shirts. Vielleicht trifft das auf Deutschland zu, aber gewiss nicht auf den Rest der Welt.

Lass uns über die Gigantour sprechen. Gibt es schon Genaueres zur nächsten Ausgabe?Wie lange möchtest du sie fortsetzen?
Wir möchten sie natürlich so lange am Erleben erhalten, wie es möglich ist. Die nächste Tour wird 2008 in Amerika sein.

Wäre es vorstellbar, dabei auch durch Deutschland zu ziehen?
Das wäre schon möglich, aber da gibt es viele Dinge zu beachten: Man braucht einen geeigneten Promoter zur Zusammenarbeit. Deutschland ist ein wichtiges Land für Megadeth und ein wichtiges Land für den Metal allgemein. Wenn wir die Tour nach Deutschland bringen, muss der Promoter schon verstehen, worum es bei Megadeth geht und er muss verstehen, worum es bei der Gigantour geht.

Gibt es schon Bands zu verkünden, die euch nächstes Mal begleiten werden?
Nein, noch nicht. Wir haben noch nicht einmal mit dem Booking begonnen.

Wie stehst du dem großen erfolg von jüngeren Bands wie Killswitch Engage, Lamb Of God oder Trivium gegenüber? Gönnst du ihnen den großen Erfolg, oder ist es eher „Verdammt, diese jungen Bands haben Erfolg von den ersten Schritten an und wir mussten früher Jahre lang hart für den Respekt arbeiten“?
Ich könnte zu beidem „Ja“ sagen, aber das beste ist wohl, wenn man sich einfach für diese Bands freut.

MEGADETHWas meinst du, ist das Geheimnis für junge Bands, erfolgreich zu werden?
Ich weiß es nicht.

Metalcore ist DER Trend dieser Zeit. Meinst du, das hält sich noch ein Weilchen, oder ist es wie beim New Metal, dass die Welle nach fünf Jahren verschwindet?
Ich glaube schon, dass es wahrscheinlich eine temporäre Geschichte ist. Vielleicht nicht so wie beim New Metal und vielleicht etwas länger als fünf Jahre.

Mit „Gears Of War“ habt ihr den Titeltrack zum gleichnamigen Xbox360-Spiel geliefert. Hängst du viel vor Konsolen? manche Bands sind ja ganz verrückt danach. In Flames laden Fans sogar zu Fußball-Sessions ein.
Nein, dass ist bei mir gar nicht so.

Du spielst überhaupt nicht?
Nein.

Ich hoffe, die Frage nervt dich nicht zu sehr: Wie ist dein Verhältnis zu Metallica?
Wie ist mein Verhältnis zu Metallica. Warum fragst du?

Nun, dass wird nach wie vor emsig diskutiert und ich dachte, dass es für unsere Leser ganz interessant sei, wie die Dinge heute stehen.
Ja, es wird viel diskutiert und bin wirklich aufgeregt, was unser neues Album betrifft und würde gerne drüber sprechen.

Wie wichtig sind dir Onlinemagazine? Verfolgst du mehr als Blabbermouth?
Ich verfolge Blabbermouth gar nicht.

Nun gut, ich wäre dann durch mit meinen Fragen und möchte mich nochmals bei dir bedanken. Die letzten Worte gehören dir.
Es war mir eine Ehre mit dir als erstes zu sprechen. Dies hier war mein erstes Interview in Deutschland und ich hoffe, dass du dich darüber freust und die Informationen bekommen hast, die du brauchtest.

Das ist natürlich eine besondere Ehre, das erste Interview geführt zu haben. Also dann alles Gute und viel Erfolg mit dem neuen Album!
Danke dir. Im Sommer sind wir wieder hier, wäre cool, wenn du vorbeischaust und „Hallo“ sagst.