CD-Review: Moonsorrow - Kivenkantaja

  • Veröffentlichung: 2003
  • Label: Spinefarm
Besetzung

Ville Sorvali – Gesang, Bass, Chorgesang
Henri Sorvali – klarer Gesang, Elektrische und akustische Gitarre, Keyboards, Akkordeon, Maultrommel, Harmonika, Hammond Orgel, Chorgesang
Mitja Harvilahti – Gitarre, Hintergrund- und Chorgesang
Marko Tarvonen – Schlagzeug, Percussion, akustische Gitarre, Hintergrund- und Chorgesang
Petra Lindberg – weiblicher Gesang
Lord Eurén – Chorgesang
Janne Pertilä – Chorgesang
Stefan Lejon - Chorgesang
Hittavainen – Geige

Tracklist

01. Raunioilla
02. Unohduksen Lapsi
03. Jumalten Kaupunki (including „Tuhatvuotinen Perintö“)
04. Kivenkantaja
05. Tuulen Tytär (including „Soturin Tie“)
06. Matkan Lopussa

Übersetzung:
01. An den Ruinen
02. Kind der Vergessenheit
03. Stadt der Götter (Vermächtnis von tausend Jahren)
04. Steinträger
05. Tochter des Windes (Der Weg eines Kriegers)
06. Am Ende der Reise


Aus Finnland ist man ja einiges an guter und auch außergewöhnlicher Musik gewöhnt. Doch kann es gut gehen, wenn man akustische Gitarren, Akkordeon, Maultrommel, Harmonika und solche Späße als Metalband in teilweise ein und dem selben Song zusammen verwendet? An akustischen Gitarren werden hier übrigens nicht nur 6-saitige, sondern auch 12-saitige eingesetzt.
Allein schon das Cover ist etwas Viking-Metal-untypisch, aber ok, das ist bei diesem Genre jedes Cover, bei dem man keine Wikinger oder ein Schiff oder zumindest ein Schwert zu sehen bekommt. Auf mich wirkte das Bild mit dem großen Stein vor einem schneebedeckten Wald mit dem Logo voller Runen drauf von Anfang an etwas seltsam, aber dennoch gefällts mir heute richtig gut und es passt auch zum Album.

Doch los geht’s natürlich auch hier erst wenn die CD eingelegt ist. Nach 30 Sekunden beginnt „Raunioilla“ mit dem Quietschen einer geöffneten Türe und ein tonnenschwerer Riff setzt ein, bis die epischen Keyboardwände sich über das Klanggerüst legen. Schon bald wandelt sich die sehr entspannte Atmosphäre in einen bombastischen Headbangerriff, und als dann nach knapp 3 Minuten erstmals der (klare) Gesang und die Chöre einsetzen, kann man einfach nur noch im Sessel versinken, sich gehen lassen und das Gehörte genießen, während eine Gänsehaut, die ebenso dick wie die Keyboardwälle ist, nach der anderen über den Körper streicht. Allein über diesen einen Song könnte man noch ewig so weiterschreiben, doch mit seinen 13 Minuten würde das dann doch ein bisschen zu viel werden. Der Kreischgesang bildet hier das perfekte Gegenstück zur cleanen Stimme, beide ergänzen sich perfekt, dazu kommen natürlich noch die epischen Chöre und heldenhaften Backgroundgesänge.
Wie oft auch immer ich jetzt schon das Wort „episch“ benutzt habe, es trifft hier jedenfalls zu wie selten. Nicht nur die Länge der einzelnen Lieder ist episch (die 6 Tracks bringen es zusammen auf stolze 54 Minuten), sondern einfach alles an diesem Album.

Es ist einfach nur traumhaft, wie zum Beispiel „Tuulen Tytär“ mit einer Vielzahl an untypischen Instrumenten beginnt, und eine erhabene Geige über allem tönt, bevor langsam und gemächlich auch Gitarren und Schlagzeug einsetzen, hier kommt man sogar über weite Strecken ganz ohne Gesang aus. Wäre hier aber auch gar nicht dringend notwendig, um dem Song Intensität und Atmosphäre zu verpassen, wovon er eh mehr als genug hat. Nicht minder erhaben und wunderschön ist Petra Lindbergs Gesang beim abschließenden „Matkan Lopussa“, das eigentlich ein finnisches Volkslied ist, einfach hammermäßig was daraus gemacht wurde. Sogar die eigentlichen Leadsänger Ville und Henri weichen zugunsten der weiblichen Frontstimme hier in den Chor aus.

Und auch wenn ich die Tracks 2, 3 und 4 jetzt nicht extra besprochen habe – alle 6 sind einfach nur genial, da fällt mir kein anderes Wort mehr ein! Um die wahre Schönheit dieses Albums erfassen zu können, reicht es aber eh nicht, nur meinen Buchstabensalat hier zu lesen, dieses Meisterwerk muss man einfach anhören und darin versinken und dahinträumen. Und wenn ich schon mal das ungewöhnliche angesprochen habe: Wo bei 95% der relevanten Bands melancholische und depressive Töne überwiegen, klingt hier alles zum Großteil doch recht fröhlich, doch auch hier kommt die dunkle Seite nicht zu kurz.
Manchen mögen die Keyboards und anderen Instrumente hier ein wenig zu dominant sein, aber wer sich daran nicht stört, der darf sich an einer göttlichen Scheibe erfreuen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sich Moonsorrow nicht nur hinter Bathory und Falkenbach nicht verstecken müssen, sondern diese sogar noch ausstechen können.
Und wer der finnischen Sprache, in der alle Texte gehalten sind, nicht mächtig ist, für den liegen die englischen Übersetzungen wieder im Booklet bereit. Überdies sollte man die druckvolle und ausgezeichnete Produktion nicht untern Tisch fallen lassen, die trägt wohl einiges zur Atmosphäre und Kraft dieser Stücke bei.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

1 Kommentar zu “Moonsorrow – Kivenkantaja”

  1. Clemens

    Ich kann mich dem von Stefan Popp gesagtem nur vollstens anschließen. Für dieses Album gibt es keine andere, passendere Beschreibung als ’nur genial‘! Wahnsinnig toll finde ich auch das letzte Stück mit den weiblichen vocals, Matkan Lopussa. Seit ich das Album entdeckt habe, höre ich es rauf und runter! Man kann in dieser Musik wahrhaftig stundenlang versinken und träumen…

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