Wir hatten es hier schon öfter: Wenn es um guten Black Metal geht – sei es im konventionellsten oder innovativsten Sinne –, muss man nicht mehr unbedingt nach Skandinavien blicken. Wie wäre es stattdessen mit Houston, Texas? Denn genau dort haben NECROFIER ihr Zuhause. Die Band um Dobber Beverly – dem einen oder anderen vielleicht als Drummer bei OCEANS OF SLUMBER bekannt – hat es seit ihrer Gründung 2018 auf eine EP und zwei Alben gebracht. „Transcend Into Oblivion“ stellt nun Position vier in der Diskografie der Band dar.
Der Weg ins Vergessen verläuft bei NECROFIER über drei Stufen. Die übergeordneten Titel „Fires Of The Apocalypse, Light My Path“, „Servants Of Darkness, Guide My Way“ und „Horns Of Destruction, Lift My Blade“ umfassen jeweils drei Songs, verbunden durch atmosphärische Interludes. Das erste Song-Dreieck startet mit „I“ furios melodisch und in seinen Arrangements durchweg spannend. Schneidende Riffs verbinden sich mit fiesen Screams und abwechslungsreichem Drumming zu einem epischen Höhepunkt mitsamt stimmigen Chören. „II“ und „III“ schlagen zwar eine etwas weniger atmosphärische, dafür jedoch im besten Sinne konventionelle Kerbe. Hier setzen NECROFIER voll und ganz auf das, was die Genrestandards vorgeben.
Das albtraumhafte Interlude „Behold The Birth Of Ascension“ setzt mit seinen unheilvollen Klavierarrangements, geisterhaften Stimmen und bedrohlichen Chören einen nötigen wie sinnvollen Kontrast, um das folgende Dreigespann „Servants Of Darkness, Guide My Way“ einzuleiten. Dessen erster Teil walzt ohne Umwege alles in bester Melodic-Black-Metal-Manier nieder und bleibt dennoch wendig genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Umso angenehmer ist es, wenn NECROFIER auf „Servants Of Darkness, Guide My Way III“ das Tempo etwas drosseln, um fiesen Melodien und viel Atmosphäre Raum zu geben.
Auf das Wesentliche heruntergebrochen funktioniert erneut „Mystical Creation Of Enlightenment“, dessen akustische Gitarren von düsteren Keyboard-Sounds und heiserem Flüstern umspielt werden. Spätestens hier wird klar: Für „Transcend Into Oblivion“ sind diese Unterbrechungen enorm wichtig, denn sie schaffen Struktur und bereiten den Moment vor, in dem die Band mit „Horns Of Destruction, Lift My Blade“ letztmalig in ihr Drei-Stufen-Chaos ausbricht.
Dabei folgt die Band im Grunde den Regeln, die sie sich für dieses Album selbst auferlegt hat. „I“ ist eine ebenso treibende wie groovende Nummer, die jedes Melodic-Black-Metal-Herz erfreuen dürfte, während „II“ erneut unterstreicht, wie zuverlässig melodisch NECROFIER arbeiten. Allerdings wirkt es dann doch erleichternd, wenn „Toward The Necrofier“ „Transcend Into Oblivion“ auf mystische Weise beschließt.
Das neue Album der Texaner ist ein astreines Genre-Werk. Über weite Strecken macht die Band wahnsinnig viel richtig, allerdings braucht es noch die Interludes, um für notwendige Ruhepausen zu sorgen. Dabei präsentieren NECROFIER mit „Transcend Into Oblivion“ ein durchweg stimmiges Werk. Mit den zwölf neuen Songs gelingt es der Formation, alte Konventionen auf hohem Niveau zu verteidigen und behutsam eigene Akzente beizumischen. Daraus entstehen größtenteils starke Titel, die zwar punktgenau funktionieren, über die gesamte Dauer jedoch leicht erschlagend wirken.
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Wertung: 7.5 / 10


