CD-Review: Necronautical - The Endurance At Night

Besetzung

Naut – Gesang, Gitarre
Carcarrion – Gitarre
Anchorite – Bass
Slugh – Schlagzeug

Tracklist

01. Pure Moon
02. Nihilartikel
03. Spitzenkörper
04. Oceanus Procellarum
05. Strom
06. The Endurance At Night
07. Theia


Alles hat seine Zeit. Die des Symphonic Black Metal waren die späten 90er, in denen Bands wie Dimmu Borgir und Cradle Of Filth ihre großen Erfolge feierten. Danach folgte, so macht es zumindest bisweilen den Anschein, nicht mehr viel: Wenn man heute, 20 Jahre später, von Symphonic Black Metal spricht, denken immer noch die Meisten zunächst an einen dieser beiden Namen. NECRONAUTICAL aus England versuchen, gegen diesen Missstand anzugehen – und das überaus produktiv: Auf ihr Debüt im Jahr 2014 lassen die Briten kaum zwei Jahre später bereits das nächste Album folgen: „The Endurance At Night“.

Hinter dem düsteren, fast schon „truen“ Layout verbirgt sich tatsächlich ein vielversprechender „Putschversuch“. Denn was NECRONAUTICAL abliefern, hat nicht nur Hand und Fuß, sondern in jeder Hand ein scharfes Schwert: Auf der einen Seite wäre da der Black-Metal-Anteil. Mal verspielt-melodiös, mal schnörkellos und direkt, weiß die Gitarrenarbeit der Briten durchweg zu gefallen. Untermauert von schnörkellosem Schlagzeugspiel und dem herrlich harschen, tiefen Screaming vom Ex-Schlagzeuger und jetzigen Gitarristen und Fronter, Naut, bietet das eine mehr als gelungene Basis für ein überzeugendes Symphonic-Black-Metal-Album.

Ergänzt wird diese durch die symphonischen Anteile auf der anderen Seite: Ohne pretentiös oder übertrieben kitschig zu klingen, greifen NECRONAUTICAL hier immer genau zur rechten Zeit in die richtige Kiste. Egal, ob bombastische Streicher, kristallklare Chöre oder auch mal ein Cembalo-Intro für eine flotte Black-Metal-Nummer („Nihilartikel“) – NECRONAUTICAL wissen genau, wann sie welches Register zu ziehen haben.

Gewiss, quasi per Definition schrammt Symphonic Black Metal immer hart an der Grenze zum Kitsch – NECRONAUTICAL jedoch gelingt mit „The Endurance At Night“ die Gratwanderung. So nimmt der Symphonic-Anteil hier genug Raum ein, um nicht bloß als willkürliches Element im Sound wahrgenommen zu werden, drängt sich jedoch nie unangenehm penetrant in den Vordergrund. Vielleicht ist es an der Zeit, die Vormachtstellung manch alteingesessener Band zu hinterfragen!

Bewertung: 8.5 / 10

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