Review Noveria – Becoming After

Es gibt frischen Wind an den Gestaden des Progressive-Metal! NOVERIA melden sich nach drei Jahren mit ihrem neuen Studioalbum „Becoming After“ zurück. Die seit 2014 agierende Band aus Rom hat schon 2023 mit „The Gates Of The Underwold“ ein beeindruckendes Werk vorgelegt und ihren einzigartigen und cinematischen Sound gefestigt. Was NOVERIA seit jeher ausmachte, waren ihre deutlich hörbar hohen Ambitionen. Zwischen orchestralem Bombast und treibendem Sound steckte schon immer der Drang nach vorne – der Drang nach mehr. Dieser Ehrgeiz zeigt sich auch auf „Becoming After“ nur allzu deutlich.

Die Italiener konnten nämlich einige namhafte Stargäste verpflichten: Violinistin Abigail Stahlschmidt und Cellist Luca Basile nahmen sich der Arrangements und der Streicher auf der Platte an, Mistheria, dessen Arbeit man unter anderem aus dem VIVALDI METAL PROJECT kennt, ist am Keyboard des Songs „Cold Flames“ zu hören, und niemand Geringeres als Komponist Mike Moran, der in der Rock- und Metal-Welt durch die Zusammenarbeit mit Ozzy Osbourne bekannt ist, war am Titel „Through Your Light“ beteiligt. NOVERIA haben sich also nicht lumpen lassen und für ihr neues Album große Geschütze aufgefahren. Das erweckt hohe Erwartungen.

Steigt man dann in die Platte ein, wird man erstmal von einer Walze überrollt. Wenn die Combo aus Rom nämlich eins kann, dann ist es, mit dem gesamten Potential selbstbewusst aufs Gas zu treten. Es bedarf nicht vieler Worte, um darzustellen, dass es sich direkt schon bei den ersten Titeln „The Only Way“, „Convicted To Rise“ und „Echoes From The Abyss“ um wahre Bretter handelt. Wer hier einen sanften und atmosphärischen Einstieg erwartet und sich nach den ersten Klängen zurücklehnen will, wird direkt von Schlagzeug und orchestralen Synthesizern zu Boden geworfen und im weiteren Verlauf von Marinos durchsetzungsstarker Stimme an die Wand gesungen. Und worüber man auch unbedingt sprechen muss, ist Matteis Gitarrenspiel. Präzise, schnell, einfach beeindruckend. Alle Soli sind erstklassig, nie das, was man erwartet, und passen dennoch immer haargenau zum jeweiligen Titel. Dazu warten NOVERIA mit melodischen, kraftvollen und auch teils verträumten Refrains auf, die einfach im Ohr bleiben und nicht verschwinden wollen.

Dieser Trend wird auch im weiteren Verlauf des Albums nicht schwächer. Zugegeben, nach sechs Krachern, bei denen der eine Song treibender und fordernder als der andere ist, wünscht man sich schon eine kleine Pause. NOVERIA wären aber nicht NOVERIA, wenn sie nicht auch ein paar Gänge zurückschalten könnten. „Through Your Light“ und „Heavenfall“ sind daher wohlplatziert und können angemessen wirken. Hier zeigen sich die Italiener gefühlvoll und dennoch gewohnt mitreißend. Hoffentlich werden diese Songs Einzug in ihre künftige Setlist finden, geschwenkte Feuerzeuge und Handylichter sind garantiert!

Eine kleine Überraschung am Schluss gibt es dann auch noch: Der titelgebende Track „Becoming After“ ist ein fulminantes instrumentales Stück. Nicht einmal drei Minuten lang, aber dennoch schaffen NOVERIA es, mit diesen zarten Geigenklängen, den wunderschönen Orchesterpassagen, dem wortlosen Gesang und traumhaft mitreißender Melodie alles zu sagen, was bis zum Ende noch unausgesprochen war. Besser hätte man dieses Album nicht beenden können.

Es reiht sich ein guter bis herausragender Song an den nächsten. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie viel Herzblut und Können in „Becoming After“ geflossen sein muss. NOVERIA fordern etwas von ihren Fans, und daher sollte man „Becoming After“ in Ruhe und aufmerksam hören. Danach braucht es aber erstmal etwas Stille, um das Gehörte zu verarbeiten. Alles in allem ein erstklassiges Album. Mehr gibt es nicht zu sagen. Chapeau!

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Wertung: 9.5 / 10

Janine Kasper

Publiziert am von

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