CD-Review: Ozzy Osbourne - Diary Of A Madman

Besetzung

Ozzy Osbourne - Gesang
Randy Rhoads - Gitarre
Bob Daisley - Bass
Lee Kerslake - Schlagzeug
Don Airey - Keyboard

Tracklist

01. Over The Mountain
02. Flying High Again
03. You Can't Kill Rock And Roll
04. Believer
05. Little Dolls
06. Tonight
07. S.A.T.O.
08. Diary Of A Madman


1979 wurde OZZY OSBOURNE bei Black Sabbath gegangen. Drogenprobleme waren wohl der Grund der Trennung zwischen den Mitbegründern des Heavy Metal und dem Sänger mit der unverwechselbaren Stimme. Angesichts dieser Tatsache ist es umso überraschender, dass OZZY kaum ein Jahr danach eine beeindruckende Solo-Karriere startete, die der Musikwelt solch geniale Alben wie „Blizzard Of Oz“, „Bark At The Moon“ oder „Diary Of A Madman“ brachte. Alle drei sind Klassiker des traditionellen Heavy Metal. Im Rahmen unseres Classic-Special knöpfe ich mir das Letztgenannte davon vor.

OZZY OSBOURNEs Musik unterschied sich schon ziemlich von den Kompositionen, die er mit Black Sabbath geschaffen hatte. Der Sound war nicht so düster, sondern rockiger und meist geradliniger. Die Texte waren durchaus tiefgründig und die Melodien mitunter auch melancholisch. Dennoch gingen die Songs in ihrer Art leichter ins Ohr. Man kann sich vielleicht denken, dass OZZY OSBOURNE, der logischerweise einer der Madmen dieser Zeit schlechthin war, in diesem Album sein bisheriges Leben Revue passieren lässt. Durch all die persönlichen Eindrücke ist die Stimmung des Werkes äußerst vielschichtig.
„Diary Of A Madman“ startet mit „Over The Mountain“ ziemlich leichtfüßig. Ein ebenso simples wie tolles Mainriff, eine eingängige Hook sowie OZZYs ungewöhnliches Organ und seine beachtliche Fähigkeit, mit dieser Stimme Töne lange zu halten, sind das Kapital dieses Tracks. Auch Randy Rhoads durfte im Solo gleich mal zeigen, was er kann. Neben dem Titeltrack ist „Over The Mountain“ mein Favorit auf diesem Album.
„Flying High Again“, ein Song der ohne Zweifel umschreibenderweise das Thema Drogensucht behandelt, ist rein von der Melodie nachdenklicher und vom Rhythmus grooviger gestaltet, der hervorragend erarbeitete Höhepunkt macht sich aber auch wieder schnell in den Gehörgängen breit. „You Can’t Kill Rock And Roll“ ist nicht so rockig, wie man angesichts des Titels erwarten darf. Das Stück ist emotional und OZZY drückt hier viel mehr seine Liebe zur Musik aus.
„Believer“ fasst auf diesem Album am ehesten das musikalische Erbe von Black Sabbath nochmal so ein bisschen auf. Das Tempo ist verhalten, der Bass ist sehr präsent, während die Hookline schwer und etwas mystisch anmutet. Bei „Little Dolls“ spiegeln in einem vielschichtigen Konstrukt unterschiedliche Gefühlsebenen wider, das Ganze dennoch verpackt in eine recht eingängige Hookline. Das kompositorische Potential dieses Stücks entdeckt man sicherlich erst mit mehreren Hördurchgängen.
Obwohl Balladen selten mein Ding sind, kann ich mich dem individuellen Reiz von „Tonight“ nicht entziehen. Ebenfalls ein Beispiel für starkes Songwriting und eine ausgesprochen ansprechende Performance. Freunde härterer Klänge dürften an dem kantig rockenden und groovenden „S.A.T.O.“ mehr Gefallen finden. Das Highlight des Albums ist jedoch der Titeltrack „Diary Of A Madman“, der besonders auf die Entwicklung einer tiefgründigen und vielschichtigen Atmosphäre zielt. Das Tempo wechselt innerhalb des Songs mehrfach, und während die Riffs äußerst vielseitig sind, bleibt die Mainmelodie stets schwer und wirkt ein wenig unheilvoll. Zuguterletzt kann sich der Verrückte dann doch von seinen inneren Geistern befreien. Dies ist ein Stück, bei dem ich immer wieder eine Gänsehaut bekommen kann.

„Diary Of A Madman“ ist ein großartiges Album und ein absoluter Klassiker des Heavy Metal der 80er-Jahre. OZZY OSBOURNE hat hier kompositorisch Erstaunliches geleistet und viele Emotionen, die ihn bewegen, musikalisch klasse umgesetzt. Dazu gibt es von allen Beteiligten eine einwandfreie handwerkliche Leistung, allen voran natürlich von Meister OZZY selbst, aber auch von dem Ausnahmegitarristen Randy Rhoads.
„Diary Of A Madman“ kommt in meiner Ansicht einem perfekten Album ziemlich nahe. Das ist ganz großes musikalisches Kino – auch heute noch!

Bewertung: 9.5 / 10

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