CD-Review: Pain Of Salvation - Road Salt One

  • Veröffentlichung: 2010
  • Label: InsideOut
  • Spielart: Rock

Mai 2010

Besetzung

Daniel Gildenlöw – Gesang, Gitarre
Johan Hallgren – Gesang, Gitarre
Leo Margarit – Gesang, Schlagzeug
Fredrik Hermansson – Gesang, Keyboard

Tracklist

01. No Way
02. She Likes To Hide
03. Sisters
04. Of Dust
05. Tell Me You Don't Know
06. Sleeping Under The Stars
07. Darkness Of Mine
08. Linoleum
09. Curiosity
10. Where It Hurts
11. Road Salt
12. Innocence


PAIN OF SALVATION beschäftigen sich schon seit einiger Zeit nur noch damit, ihre Fanschar vor den Kopf zu stoßen, dabei lassen sich „BE“ und „Scarsick“ als Paradebeispiele heranführen: Unvorhersehbare Herangehensweise an die eigene Musik und der Mut, kompromisslos alle Metal-Elemente über Bord zu schmeißen, wo sie nicht mehr in den Sound passen. Auch die letztjährige „Linoleum“-EP machte da keine Ausnahme, Metal gab es überhaupt keinen mehr, und auch sonst war das ganze musikalische Gewand eher von rationalisiertem, indes aber nicht plumpem Rock geprägt.

„Road Salt One“ führt diesen Weg fort. Zwar garantiert alleine der abwechlunsgreiche Gesang Daniel Gildenlöws, dass Erinnerungen an die ruhigeren Momente von „The Perfect Element“ wach werden, die Umsetzung unterscheidet sich jedoch derart, dass „Road Salt One“ vor dem PAIN OF SALVATION-Background als vollkommen eigenständig angesehen werden muss.
Mit „No Way“ geht’s erstmal relativ straight nach vorn mit 70s-Feeling, psychedelischen Keys und rhythmischen Spielereien an der Gitarre, die wiedermal deutlich zeigen, wo beispielsweise Dark Suns viele ihrer muskalischen Ideen herziehen. Dazwischen gibt’s ruhige, von Gesang und Klavier getragene Zwischenspiele. Aus diesen besteht auch „Sisters“ quasi ausschließlich, perlendes Spiel an den Tasten, dazu Gildenlöws ausdrucksstarke, meist sehr leidgeschwängerte Stimme, die von der Art, wie sie quasi im Alleingang Spannungsbögen in den Liedern erzeugt, gerne an Van der Graaf Generators Peter Hammill erinnert.
Den ruhigen Tenor haben alle Songs, da gibt’s mit „Tell Me You Don’t Know“ dann eine bluesige Variante mit Akustikgitarre, eine unheimliche, finstere mit „Darkness of Mine“ und eine Stonerrock-Variante mit dem rüden „Linoleum“.
Das ist soweit auch alles schön und gut, die Songs haben (fast) alle ihre Reize, der einzige etwas Begeisterung schmälernde Aspekt ist, dass man im Laufe des Albums das Gefühl bekommt, dass die Kombination aus Gesang und Klavier den Großteil des Sounds auf „Road Salt One“ bestimmt, was atmosphärisch einen insgesamt etwas gleichförmigen Eindruck macht: alles ist etwas weinerlich, immer schreit sich Daniel sein Leid von der Seele und immer drückt Fredrik Hermansson im Hintergrund bedächtig die Tasten. Richtig spannend wird es da oft nur noch, wenn PAIN OF SALVATION wirklich bewusst Abwechslung einsetzen, wie etwa das äußerst depressive, schmerzerfüllte „Where It Hurts“, das die Essenz der ruhigen Elemente des Albums in extremer Form sehr gut erfasst. Ähnlich läuft es mit „Sleeping Under The Stars“, das mit mehrstimmigem Gesang und einer Mischung aus Jahrmarkt- und Lagerfeuer-Atmosphäre fasziniert und ebenfalls einen Höhepunkt des Albums darstellt.

Dennoch sind auch die anderen Songs für sich genommen stark bis sehr stark und wissen mitzureißen, nur hintereinander aufgereiht funktioniert es auf Dauer nicht wirklich. Auch bezweifle ich, ob das Konzept der krassen Reduzierung der Instrumentalisierung in diesem „Soft Stoner“-Sound nochmal aufgeht. Andererseits, hierum muss man sich bei PAIN OF SALVATION wohl ohnehin keine Sorgen machen.
Ob Fans der Band das Album mögen werden, ist wie immer kaum vorauszusagen, fest steht aber, dass „Road Salt One“ auch Leuten gefallen kann, die sich für das frühere Material der Truppe und Metal im Allgemeinen überhaupt nicht erwärmen konnten, damit hat diese Scheibe nichts mehr zu tun. Eine Kaufempfehlung wird aufgrund vieler wirklich genialer Momente ausdrücklich ausgesprochen, gewarnt aber davor, das Ganze zu oft am Stück zu hören. Trotzdem: Das hier sind immer noch PAIN OF SALVATION und das hört man auch.

Bewertung: 8.5 / 10

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