CD-Review: Pensées Nocturnes - Nom d'Une Pipe

Besetzung

Vaerohn – Gesang, alle Instrumente
Gastmusiker:
Mireille – Gesang
José – Saxophon, Trompete
Léon la Grosse – Akkordeon

Tracklist

01. Il A Mangé Le Soleil
02. La Marionnettiste
03. Les Hommes À La Moustache
04. Le Berger
05. La Chimère
06. L'Androgyne
07. La Sirène
08. Le Choer Des Valseurs
09. Bonne Bière Et Bonne Chère


2008 in Paris gegründet, debütierte das Projekt PENSÉES NOCTURNES bereits 2009 mit seinem Album „Vakuum“, welches sogleich durchweg positiv aufgenommen wurde. Das im Jahr darauf erschienene „Grotesque“ spaltete nicht nur unsere Redaktion wie kaum ein Album davor, sondern stellt für mich bis dato die Definition von „Avantgarde Black Metal“ dar. Dieser Status könnte ihm nun vielleicht abgesprochen werden – ist es im Vergleich zu „Nom d’Une Pipe“, welches dieser Tage erscheint, doch fast schon spießig…

Schon „Grotesque“ war ein in sich geschlossener Kosmos, eine musikalische Parallelwelt, die zwar in vielen Punkten mit der uns vertrauten übereinstimmt, mit ihr jedoch, durchdrungen von verschiedensten Skurrilitäten, nie deckungsgleich zu bringen ist. Die Welt, in die Vaerohn den Hörer dieses Mal entführt, basiert auf ebenjenen Skurrilitäten, während die Vergleichbarkeit die Ausnahme darstellt. Das wahrlich Beeindruckende daran ist, dass im Albumkontext nichts, aber auch wirklich gar nichts „skurril“ wirkt.

Nach einer verschrobenen Melodie, aus der heraus Ex-Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt wird, übernimmt ein melancholisches Saxophon und übergibt an düstere Cleangitarren, bevor Black-Metal-Elemente durchbrechen und der durchaus gewöhnungsbedürftig geleierte Gesang einsetzt. Wer sich davon bereits abschrecken lässt, sollte für die Erschließung von „Nom d’Une Pipe“ noch etwas mehr Zeit einplanen – ist das doch erst der Anfang einer Reise, deren Ziel zwar zu keinem Zeitpunkt abzusehen, aber doch stets bekannt ist: Die unendlichen Weiten ungezügelter Kreativität jenseits aller Genregrenzen.

So vereint „Nom d’Une Pipe“ Black-Metal-Riffing mit verschiedensten Elementen, die über Klassik bis zu absolut authentischer Zirkusmusik reichen, als wäre es – und das ist der eigentliche Witz dabei – das Natürlichste der Welt. Denn während andere Bands, die sich an einem solchen Spagat versuchen, oftmals an ihren kompositorischen Fähigkeiten in den als extravaganter Aspekt eingeflochtenen Genres scheitern, gelingt es PENSÉES NOCTURNES scheinbar spielend, stets glaubwürdig zu bleiben: Keiner der kompositorischen Kniffe wirkt gekünstelt, keine Wendung im Albumverlauf hingebogen oder gar erzwungen.

Was PENSÉES NOCTURNES hier über eine Spielzeit von 50 Minuten hinweg zelebrieren, ist mit nichts zu vergleichen, was im großen See avantgardistischen Schwarzmetalls sonst noch so herumschwimmt: „Nom d’Une Pipe“ bietet eine von der ersten bis zur letzten Minute durchdachte, perfekt in Szene gesetzte stilistische Vielfalt, die nicht nur durch ihren Abwechslungsreichtum, sondern vor allem auch durch ihre Kohärenz und die Logik, die hier in jedem Überraschungsmoment steckt, besticht.

Dass das Werk mit einem Epilog aus dem französischen Film „Laurel Et Hardy: Les Sans-Soucis“ endet, ist da nur logisch: Dieses Album ist ganz großes Kino und ein Muss für jeden Fan von Extravaganz und musikalischer Einzigartigkeit.

Bewertung: 10 / 10

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