Review Pensées Nocturnes – Douce Fange

Die französische Musikszene zeichnete sich schon immer durch eine ganz eigene Interpretation unterschiedlicher Genres aus und hat im Laufe der Zeit so einige Hochkaräter hervorgebracht. Dass PENSÉES NOCTURNES mit ihrer eigenwilligen Mischung aus depressivem Black Metal, Zirkusmusik und Jazz sogar innerhalb dieser Szene einen gewissen Exotenstatus genießen, sollte für sich sprechen. Mit „Douce Fange“ steht nun das mittlerweile siebte Album der Band um Mastermind Vaerhon an und wird, so viel sei bereits gesagt, erneut für hitzige Diskussionen sorgen.

Die Musik von PENSÉES NOCTURNES hat sich seit Beginn ihrer Bandgeschichte ziemlich entwickelt: Ausgehend von eher klassischem Black Metal auf „Vacuum“, wurde ihr Stil im Laufe der Alben komplexer, wobei die Entwicklung im 2019 erschienenen „Grand Guignol Orchestra“ gipfelte. Mit diesem Album fand die Combo die perfekte Balance zwischen ihrem rohen, aggressiven Black Metal und den vielen anderen Einflüssen der Band wie beispielsweise Jazz und Zirkusmusik.

Obwohl PENSÉES NOCTURNES auf dem Papier ein Soloprojekt von Léon Harcore, so der bürgerliche Name von Vaerhon, ist, hat sich mittlerweile eine echte Band zusammengefunden, die den Stil der Alben maßgeblich voranbringt. Auf einer brutalen Black-Metal-Basis kommen zahlreiche Schichten von Akkordeon, Trompeten und Posaunen hinzu. Dazu gesellen sich zahlreiche Samples aus Filmen und Fernsehsendungen, wie beispielsweise in „Saignant Et Á Poings“. Gelegentlich wird das ohnehin schon komplexe Soundbild mit weiteren Klängen, wie beispielsweise dem argentinischen Tango in „Le Tango Du Vieuloniste“, angereichert, was das Album durchgehend spannend macht, aber zuweilen auch anstrengend wirkt.

Thematisch setzt „Douce Fange“ den eingeschlagenen Weg der Band fort und führt uns erneut in den Schmutz und die Härte des früheren Paris. Müsste man das Album in einem Wort beschreiben, dann wäre dies wohl: französisch. Das gesamte Werk vereint die Dualität der Wut und Revolte des Landes auf der einen und die Lebensfreude auf der anderen Seite. Wie in Filmen über Paris zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts entsteht auch beim Hören der einzelnen Songs wie „PN Mais Costaud!“ ein gewisses Gefühl von Beklemmung. Hier geht es nicht um die Bourgeoisie, sondern um die Arbeiterviertel und diejenigen, die als Trost für ihr Leben nur den Schnaps und als Schauspiel nur die nächste Schlägerei zu den Klängen der Musik haben.

Im Vergleich mit „Grand Guignol Orchestra“ stellt „Douce Fange“ eine logische Weiterentwicklung der Band und ihres Sounds dar, ohne aber vollkommen an die Homogenität und Qualität des Vorgängers heranzukommen. Der Fokus liegt noch immer auf der Verbindung von Black Metal und Zirkusmusik, die jedoch nicht mehr mit der der gleichen Konsequenz umgesetzt wurde. Insgesamt legen PENSÉES NOCTURNES dennoch erneut ein ebenso wahnsinniges wie auch hörenswertes Album vor, das Fans der Band erfreuen wird. Jeder, der bislang keinen Zugang zur Musik der Franzosen gefunden hat, wird dies jedoch auch nicht mit diesem Werk tun.

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Wertung: 8.5 / 10

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