CD-Review: Pitch Black Process - Hand Of God?

Besetzung

Emrah Demirel – Gesang, Gitarre
Kerem Inci – Gitarre
Emre Demirel – Bass
Fikri Yargici – Schlagzeug

Tracklist

01. To The Villain
02. Hand Of God?
03. Deceiver
04. Fabricated Lives
05. Wither Away
06. Personal Apocalypse
07. Distant Spheres
08. Blinded
09. Sophisticated Facade
10. Affliction Defiant


Was wurde in den letzten Jahren über In Flames geschimpft. Von den eigenen Wurzeln habe man sich losgesagt, mit Göteborg-Metal habe dieser ganze Emo-Core-Kram nichts mehr zu tun und dergleichen mehr. Abhilfe für die enttäuschten Oldschool-Fans könnte nun ausgerechnet eine Band liefern, die man ihrer Herkunft nach geurteilt mit Göteborg-Metal zunächst wohl eher nicht in Verbindung bringen würde: PITCH BLACK PROCESS aus Izmir.

Tatsächlich hat „Hand Of God?“, das Debüt der Türken, mit In Flames aber mehr gemein, als man auf den ersten Blick denkt. So findet sich auf dem in Schweden produzierten Album mit „Deveiver“ beispielsweise eine Kollaboration mit Niclas Engelin, seines Zeichens Gitarrist bei den Superstars. Doch auch die Musik der Türken weckt Erinnerungen an die frühen Tage von In Flames: Sowohl der Gesang von Emrah Demirel, als auch Riffing und Drumming weisen unverkennbare Parallelen zu den älteren Werken der schwedischen Melodic-Death-Metal-Großmeister auf: Stets Riffbetont, aber nie um eine subtile Melodie verlegen, legen PITCH BLACK PROCESS eine flotten Nummer nach der anderen aufs Parkett. Zur perfekten Eingängigkeit fehlt dem Material zwar bisweilen noch das Quäntchen „Einmaligkeit“, das aus guten Songs echte Hits macht – ansonsten lässt sich, vom etwas belanglosen Cover einmal abgesehen, an „Hand Of God?“ jedoch wirklich wenig kritisieren: So begeistert beispielsweise der Sound nach kurzer Eingewöhnungsphase eben gerade durch die Tatsache, dass er nicht so geschliffen und poliert klingt wie er vielleicht könnte, und die Songs so gerade perfekt in Szene setzt. In seiner energiegeladenen Rabiatheit, die im Refrain gekonnt um eine dezente Hintergrund-Melodie ergänzt wird, könnte nicht nur „Distant Spheres“ tatsächlich auch aus der Feder von Jesper Strömblad und Co. stammen – vielleicht nicht aus einer realen Schaffensperiode, zumindest aber aus einer hypothetischen, die man eventuell hätte erleben dürfen, hätten die Dinge einen anderen Lauf genommen.

Wenn sich eine Band so klar zu ihren Vorbildern bekennt, bleibt die Innovation oft auf der Strecke – auch PITCH BLACK PROCESS haben diesbezüglich in der Tat wenig Neues zu bieten. Macht aber nichts – dafür nämlich liefert das Quartett über eine knappe Dreiviertelstunde hinweg viel lange verloren geglaubtes „Altes“ in neuem Gewand ab. Und das ist, wenn man ehrlich ist, auch eine beachtliche Leistung. Absolut hörenswertes Album – nicht zuletzt (natürlich) für alle jene, denen In Flames heute nicht mehr genug nach In Flames klingen.

Bewertung: 8.5 / 10

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