In den letzten zehn Jahren hat Serbien für die weltweite Heavy-Metal-Szene immer mehr an Bedeutung gewonnen. Mit den Thrashern JENNER, den Progressive-Metallern QUASARBORN und der True-Metal-Truppe CLAYMOREAN hat das Land im ehemaligen Jugoslawien mindestens drei Bands hervorgebracht, die den internationalen Underground begeistern. Mit POWER SURGE schickt sich nun eine weitere Gruppe aus Belgrad an, über die Landesgrenze hinaus Aufsehen zu erregen und ihr gerade erschienenes Debüt „Shadows Warning“ scheint dafür genau der richtige erste Schritt zu sein.
POWER SURGE spielen grundlegend traditionellen Metal, heben sich aber alleine schon durch die Tatsache, dass ihre Musik modern und druckvoll produziert ist, von vielen aktuell aktiven Retro-Kapellen ab. Das erinnert im eröffnenden Titeltrack stark an ihre kanadischen Kollegen STRIKER, was sicherlich auch daran liegt, dass Sänger Roko Nikolić ähnlich wie Dan Cleary wie ein hyperaktiver Gameshow-Moderator klingt. Das ist auch gar nicht schlimm, denn was für die Kanadier gut ist, funktioniert auch bei der Truppe aus Belgrad. Obendrein hat Mr. Nikolić auch noch frappierende stimmliche Ähnlichkeit mit einem weiteren Sänger: John Bush. Passend dazu erinnert die Musik von POWER SURGE auch ab „A Dream Into A Nightmare“ stark an neueres Material von ARMORED SAINT.
Der Vergleich zu ebenjener Band bietet sich auch im weiteren Verlauf der Platte an. Nummern wie „Breathe New Life“, „With The Dawning“ oder „Calm Before The Storm“ lassen alle dank ihrer Refrains und dem gekonnten Zusammenspiel von Riffs und unverzerrter Gitarre sofort an die Truppe um John Bush denken. Damit bringen auch POWER SURGE mit ihrem Debüt nichts bahnbrechend Neues mit, aber das Gesamtbild ist durchweg stimmig und spielen können die Burschen auch. „Shadows Warning“ ist voll von zeitlos guten Heavy-Metal-Songs und punktet dank starker Leadgitarren, die ebenso anspruchsvoll wie melodiös nachvollziehbar sind, mit einem hohen Maß an ansteckender Spielfreude.
Zwar orientieren sich POWER SURGE auf ihrem Debütalbum in erster Linie an ARMORED SAINT – weil die Band aus Los Angeles aber nur den wenigsten Retro-Gruppen als Vorbild dient, haben die Serben damit schon etwas gefunden, was sie von der Konkurrenz abhebt. Und die Truppe hat nicht nur verstanden, wie der Sound ihrer Vorbilder funktioniert, sondern schreibt obendrein auch einfach richtig gute Songs. Verpackt in eine zeitgemäß druckvolle Produktion klingt „Shadows Warning“ nicht gewollt anachronistisch, sondern ist schlicht ein verdammt starkes Heavy-Metal-Album mit immens hoher Hitdichte, das Tradition und aktuelle Hörgewohnheiten nahezu perfekt verbindet.
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Wertung: 8.5 / 10


