Review Purple Nail – Embrace The Dark

Es wurde wohl mal wieder Zeit für symphonischen Metal mit Frauengesang. Dachten sich zumindest die Schweden PURPLE NAIL und legen nach einigen Jahren des Bestehens und einer Zwei-Track-Demo 2013 nun ihr Label-Langdistanz-Debüt „Embrace The Dark“ vor.

Elfmal langen die Skandinavier dabei voll ins schon überlaufende Klischee-Fass. Nicht eine einzige Vorhersehbarkeit wird umschifft, aber vielleicht zäumen wir das Pferd mal von vorne auf. Ein kurzes Intro, welches eine möglicherweise angestrebte Dramatik klar verfehlt, läutet die 50 Minuten ein, die doch so eigentlich kein Mensch (mehr) braucht. Sicher ist der Symphonic-Metal-Bereich nicht die einzige Sparte, die inzwischen ausgelutscht ist, trotzdem schaffen es die Waffenbrüder aus anderen Stilrichtungen (Melodic Death, Black oder Gothic, um nur mal einige zu nennen) ab und zu, neue Elemente oder wenigstens neue Schleifchen um dieselben zu erschaffen.
Hier weiß man direkt von Anfang, wohin sich „Embrace The Dark“ entwickeln wird: Songs im Midtempo, seichte Gitarren, bloß nicht zu hart produziert. Die Lieder selbst sind alle nach Schema F heruntergeschrubbt und zu weiblichem, opernhaftem Gesang muss man wohl nicht mehr zu viele Worte verlieren. Bis auf wenige Ausnahmen wie den fast gewalttätigen Ausbruch mit der durchgetretenen Single-Bass-„Attacke“ in „Life Illusion“ und dem nicht ganz danebengeratenen Ausklang „One Moment Pure“ haben PURPLE NAIL nur wenige Lichtblicke auf die Platte gebracht. Meistens sind es kurze Passagen, die die Musik erträglich machen, auf die Dauer langweilt es einfach nur.
Vielleicht wäre man gut beraten, den eindimensionalen Gesang etwas aufzupeppen. Ein paar männliche Vocals würden schon mal für Abwechslung sorgen und auch Dynamik in die gleichförmigen Lieder bringen. Daran fehlt es „Embrace The Dark“ schon ziemlich, denn das Songwriting bietet zu wenige Ansatzpunkte für Wege aus der Uniformität.

Machen wir es ruhig kurz, PURPLE NAIL schaffen es mit dem Debütalbum nicht, eine angestaubte Stilart entscheidend mit Qualität zu befeuern. Eine Platte wie „Embrace The Dark“ hat man schon viele Male zu oft gehört. Auch wenn das Ganze technisch und von der Produktion her auf einem ordentlichen Niveau unterwegs ist, gibt es kaum einen Grund, sich das Album in den Schrank zu stellen oder gar in den CD-Player zu werfen.

Wertung: 3 / 10

Publiziert am von Jan Müller

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