CD-Review: Regarde Les Hommes Tomber - Regarde Les Hommes Tomber

Besetzung

Ulrich W. – Gesang
Jean Jérôme S. – Gitarre
Antoine M. – Gitarre
Antoine B. – Bass
Romain R. – Schlagzeug

Tracklist

01. Prelude
02. Wanderer Of Eternity
03. Ov Flames, Flesh And Sins
04. Sweet Thoughts And Visions
05. Regarde Les Hommes Tomber
06. A Thousand Years Of Servitude
07. The Fall


((Post-)Black Metal / (Post-)Hardcore / Sludge) Für alle cinephilen LeserInnen: Nein, REGARDE LES HOMMES TOMBER haben nichts mit dem gleichnamigen, 1994 erschienenen Film zu tun. Hört man sich die Musik der jungen Band aus Frankreich allerdings an und stellt diese in den Zusammenhang mit dem Artwork und den Texten des selbstbetitelten Debütalbums, wird klar, warum die Band diesen düsteren Namen gewählt hat. Auch wenn die einzelnen Bandmitglieder zuvor bereits in French-Hardcore-, Black-Metal- sowie Death-Metal-Bands gespielt haben, liefern REGARDE LES HOMMES TOMBER mit ihrer gnadenlosen und bedrohlichen Mischung aus Sludge, Black Metal und (Post-)Hardcore quasi aus dem Nichts eine mehr als nur amtlich Ansage ab, und bewerben sich bereits so früh im Jahr als ein heißer Anwärter auf diverse Jahresbestenlisten.

„Prelude“ präsentiert sich als instrumental gehaltenes, mächtiges und düsteres Intro, welches sich über einzelne Schlagzeugschläge sowie langsame und nur vereinzelt gespielte Töne immer weiter voran schiebt, bis eine atmosphärische Gitarre eine riesige Fläche erzeugt und der Song schließlich in einen heftigen Blastbeat mündet. Das direkt daran anschließende „Wanderer Of Eternity“ schlägt die Brücke von Post Black Metal zu aggressivem Post Hardcore: Mit energischen Trommeln baut der Song eine extreme Spannung auf, bis markerschütterndes Gebrüll und fette Gitarrenriffs alles niederwalzen. Der Hardcore-Einfluss lässt sich über das gesamte Album hinweg neben den musikalischen Einflüssen dabei besonders in der Attitüde der Musik feststellen. So erinnert die Band immer wieder an die kompromisslose Brutalität von Celeste, ohne dabei ebenso menschenverachtend zu sein. Aus der ungemein atmosphärischen, musikgewordenen Gewalt tauchen immer wieder auch verzweifelte Melodien auf, wobei auf überflüssige Spielereien wie Soli oder Derartiges glücklicherweise verzichtet wird.
„Ov Flames, Flesh And Skin“ setzt neben Riffing und hohem Tempo in manchen Momenten auch auf Sludgeelemente, wenn beispielsweise dröhnender Bass oder Feedback-Pfeifen mit verschleppten Rhythmen kombiniert werden. Musikalisch erinnert dieser Song gleichzeitig sowohl an Deafheaven, Neurosis als auch Djent-Bands wie Periphery. Dass dies alles nie gezwungen, sondern spontan und natürlich wirkt, zeigt, wie durchdacht REGARDE LES HOMMES TOMBER ihr Songwriting angehen. Auch „Sweet Thoughts“ zeigt, dass die junge Band aus Frankreich bewusst immer wieder zwischen den genannten verschiedenen Musikrichtungen hin und her schwingt, ohne sich dabei eindeutig festzulegen, worin die große Qualität dieses Albums besteht. Nach einem vor Atmosphäre und Verzweiflung berstenden Interlude explodiert in den letzten beiden Songs noch einmal die heraufbeschworene Düsternis, Atmosphäre und Verzweiflung, bis das Album schließlich langsam ausfadet.

In der Verbindung mit den Texten, welche sich um das Verhältnis zwischen der Menschheit und Gott drehen sowie im Zusammenhang mit der auch im Artwork befindlichen Metaphorik des Turmbaus zu Babel wirkt der dreckige, finstere und bedrohliche Bastard aus Black Metal, Hardcore und Sludge noch intensiver. Der gegrowlte Gesang von Ulrich, welcher immer wieder in fieses Geschrei ausartet, unterstützt die Stimmung, welche REGARDE LES HOMMES TOMBER hier erzeugen, ebenso absolut großartig. Klar, große Melodien fehlen hier und die Individualität der einzelnen Songs verwischt zugunsten eines Gesamteindrucks etwas. Das ändert jedoch nichts daran, dass jeder Fan harter und atmosphärischer Musik diesem Debütalbum unbedingte Aufmerksamkeit schenken sollte.

Bewertung: 9 / 10

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