CD-Review: Saxon - Inspirations

Besetzung

Biff Byford - Gesang
Paul Quinn - Gitarre
Doug Scarratt - Gitarre
Nibbs Carter - Bass
Nigel Glockler - Schlagzeug

Tracklist

01. Paint It Black (Rolling Stones)
02. Immigrand Song (Led Zepelin)
03. Paperback Writer (Beatles)
04. Evil Woman (Black Sabbath)
05. Stone Free (Jimi Hendrix)
06. Bomber (Motörhead)
07. Speed King (Deep Purple)
08. The Rocker (Thin Lizzy)
09. Hold The Line (Toto)
10. Problem Child (AC/DC)
11. See My Friends (The Kinks)


Der anhaltende Corona-Lockdown setzt Künstler jeglichen Genres nicht nur monetär unter Druck. Durch das fortgesetzte Ausbleiben von Konzerten und Tourneen muss so manche Band befürchten, aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden, wenn sie nicht gerade das Glück hat, genau jetzt genügend Material für ein neues Album angehäuft zu haben. In Pandemie-Zeiten haben sich vor allem Live-Mitschnitte von Prä-Corona-Auftritten oder – weitaus weniger elegant – vermeintliche Konzertdokumente von „Shows“ vor leeren Hallen bzw. aus dem Proberaum als mehr oder weniger probates Mittel zum Erhalt von Cashflow und Relevanz erwiesen. Eine dritte und eigenartigerweise weitaus weniger oft genutzte Möglichkeit, sich im Gespräch zu halten, ist das Cover-Album. Metallica, Yngwie Malmsteen oder Iced Earth haben vorgemacht, dass es durchaus seine Berechtigung haben kann, ein Album ganz mit dem Material seiner Vorbilder zu füllen. Zum ersten Mal in über 40 Jahren gehen nun auch die NWOBHM-Veteranen SAXON diesen Weg.

Der Titel „Inspirations“ legt nahe, dass sich SAXON auf dieser Platte vor allem Songs der Musiker, die ihnen in ihren Anfangstagen als Vorbild dienten, vorgenommen haben. Da die Band bereits seit 1977 unter ihrem jetzigen Namen und eigentlich sogar noch länger aktiv ist, dürfte klar sein, dass hier musikhistorisch etwas weiter zurückgeblickt wird als nur bis in die für den Metal so wichtigen 80er. Entsprechend finden sich auf diesem Album vornehmlich Songs von Bands wie den Rolling Stones, Led Zeppelin oder Jimi Hendrix und AC/DC, die heutzutage als „Classic Rock“ eingestuft werden – „Classic“ deswegen, weil sie – mit Verlaub – uralt sind und eben schon Ende der 70er einen Status inne hatten, der es ihnen ermöglichte, andere Musiker zu inspirieren. Ein verständlicher Impuls wäre nun, dieses Cover-Album als alten Hut abzutun, schließlich spielt ja gefühlt jede Bierzelt-Band das, was nun auch SAXON hier aufbieten. Wie gesagt, das ist verständlich, aber auch ein Trugschluss, denn abgesehen von „Paint It Black“ oder dem AC/DC-Heuler „Problem Child“ dürfte das Material von „Inspirations“ auf Hochzeiten und Bierfesten kaum zu hören sein.

Und genau hier liegt der Charme von „Inspiratoins“: SAXON nehmen sich hier zwar Bands und Künstler vor, die seit gut 50 Jahren in aller Munde sind, wählen aber – bis auf wenige Ausnahmen – Songs aus, die zwar nicht unbekannt, aber auch nicht deren größte Gassenhauer sind. Dabei dürfte recht schnell klar sein, dass sich manche dieser Nummer für die schwermetallene Überarbeitung besser eignen als andere. Dass Motörheads „Bomber“ oder die AC/DC-Nummer „Problem Child“ in ihren Arrangements von SAXON praktisch unverändert übernommen werden können, versteht sich von selbst. Auch Led Zeppelins „Immigrant Song“, der Prototyp des Heavy-Metal-Songs an sich oder „The Rocker“ von Thin Lizzy eignen sich natürlich bestens, weshalb es kein Wunder ist, dass diese Songs auch mit leicht aufgepumptem Klangbild eine gute Figur machen. Wie immer gilt: Wenn tradtionelle Riffs auf moderne Produktion treffen, kann nichts schief gehen und Bands, die dem Heavy Metal ohnehin schon recht nahe waren, liefern da natürlich ideales Rohmaterial.

Überraschungen finden sich eher mit „Paperback Writer“ von den Beatles oder „Stone Free“ von Hendrix – beide Titel sprechen bestens auf die Heavy-Metal-Frischzellenkur an und klingen auf „Inspirations“ tatsächlich stark wie frühe SAXON-Songs. Hier ist deutlich hörbar, dass die Briten einst von diesen Nummern beeinflusst wurden. Zudem ist es ziemlich witzig und absolut hörenswert, wie Frontmann Biff Byford in „Evil Woman“ den Ozzy miemt. Allerdings treffen die NWOBHM-Mitbegründer mit ihren Neueinspielungen nicht immer ins Schwarze. Weder „Paint It Black“ kann im hier gebotenen Breitwand-Sound überzeugen noch zündet Totos „Hold The Line“, wenn man das Keyboard durch Gitarre ersetzt. Gerade die Wahl des letztgenannten Songs ist zweifelsohne ebenso unerwartet wie mutig und sollte daher in jedem Fall honoriert werden, nur funktioniert die Überarbeitung mit dem modernen SAXON-Sound hier eben nicht so gut.

Ein Album wie „Inspirations“ muss wohl als Bitte um eine Art Überbrückungskredit angesehen werden: SAXON machen keinerlei Hehl daraus, dass ihr neues Album nicht vor 2022 und damit hoffentlich zu einer Zeit, in der die zugehörige Tour wieder möglich sein wird, erscheinen wird. Obendrein haben die Briten wahrlich mehr als genug Live-Alben veröffentlicht und es ist erfreulich, dass Biff Byford und Co. sich nicht erblöden, ihren Fans eine dieser unsäglichen Probekeller-Performances als echte Live-Platte anzudrehen. Stattdessen entscheiden sich die Briten vermutlich für den besten Weg in schlechten Zeiten und bieten ihren Anhängern zumindest bisher ungehörtes Material in Albumlänge an. Das mag insgesamt kaum revolutionär sein, allerdings wurden wenigstens die älteren Nummern auf „Inspirations“ noch nicht zu Tode gecovert. Darüber hinaus ist es aus rein musikalischer Sicht immer interessant, wie ein Künstler den anderen interpretiert und SAXON sorgen hier durchaus für die ein oder andere Überraschung. Ob das unbedingt zum Album-Vollpreis von knapp 15 Euro sein muss, ist fraglich – besser, als unverhohlen um eine Spende zu betteln ist es aber mit Sicherheit.

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