Altnordische Wikingergesänge, begleitet von archaischen Instrumenten – das ist nun wirklich keine Nische mehr. Wardruna sind längst nicht mehr als Geheimtipp zu bezeichnen, Heilung (die thematisch zumindest teilweise in die gleiche Richtung gehen) sind bekannt und erfolgreich. Und auch SKÁLD aus Frankreich huldigen seit 2018 skandinavischen Mythen und Göttersagen, und das vorrangig stilecht auf Norwegisch und Altnorwegisch. Mit „Huldufólk“ entführen sie uns zum dritten Mal in Albumlänge in die Sphären des nordischen Götterglaubens.
Wer die Vorgänger „Vikings Chants“ sowie „Vikings Memories“ kennt, erahnt genau, was von „Huldufólk“ zu erwarten ist. Die Melange aus dreistimmigem Gesang sowie der musikalischen Untermalung durch traditionelle Skaldeninstrumente wie Schamanentrommeln, Lyra oder Harfe bietet abermals eine Art leichter zugängliche Version von Wardruna. Während SKÁLD auch auf ihrem dritten Album zum deutlichen und letztlich auch stilprägenden Vorbild musikalisch nicht gerade auf Distanz gehen, legt „Huldufólk“ doch Zeugnis über die gestiegenen Fähigkeiten beim Songwriting ab: SKÁLD präsentieren hier einige ihrer bisher besten Stücke. So klingt etwa „Ljósálfur“, obgleich der Song die mythologische Welt Álfheimr und die dort lebenden Lichtelfen behandelt, mit seinen militanten Trommeln und dem ekstatischen Gesang so, als würden die Wikinger geradewegs in den Krieg ziehen – herrlich mitreißend. Anders als auf den Vorgängeralben, wo sie den einen oder anderen Schwachpunkt markieren, sind auf „Huldufólk“ jedoch auch die ruhigeren Nummern größtenteils gelungen. Generell musizieren SKÁLD auf ihrem dritten Album nicht übermäßig formidabel, aber doch routiniert und so, wie man es von den Franzosen nach Kenntnis von zwei Platten erwartet.
Damit könnten wir die Review eigentlich auch schon beenden. Über zwei Songs im Speziellen müssen wir allerdings noch sprechen, einmal im Positiven, einmal im … nun ja. Schon bevor es cool wurde, hatten In Extremo bereits 1999 bekanntermaßen das berühmte schwedische Volkslied „Herr Mannelig“ vertont, es folgten Versionen unter anderem von Haggard. Jetzt versuchen sich auch SKÁLD an dem Titel, und das Ergebnis stellt gleich eines der Highlights des Albums dar. Mit viel Ruhe und Melancholie drückt die Gruppe dem Lied einen Stempel auf, der sich von der rockigen und eher partytauglichen In-Extremo-Version ganz merklich unterscheidet. Und dann wäre da noch „Du hast“. Ja, wer die Tracklist liest, vermutet richtig. SKÁLD verausgaben sich hier an dem Rammstein-Klassiker, und dies lässt sich eigentlich nur so erklären (und entschuldigen), dass bei einem der Band-Meetings zum Album wohl der eine oder andere Becher Met zu viel geleert wurde. So absurd schon die Idee einer „Du hast“-Version auf einem Viking-Neofolk-Album anmutet, so klingt dann auch das Ergebnis. Schon alleine in thematischer Hinsicht stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck dieses Songs auf einem Album wie „Huldufólk“, von der französischen Aussprache der deutschen Lyrics einmal abgesehen. Zugegeben: Ein leichtes Grinsen auf dem Gesicht des Rezensenten rief die Nummer schon hervor, doch erkennbaren musikalischen Mehrwert bietet die Sache nun nicht.
Auch auf „Huldufólk“ vermögen SKÁLD musikalisch nicht an die Qualität vergleichbarer Bands wie eben Wardruna oder Heilung heranzureichen. Dennoch handelt es sich abermals um ein atmosphärisches Viking-Folk-Album, das gut in die Gehörgänge geht und Spaß macht.
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Wertung: 6.5 / 10

