Konzertbericht: The Hu w/ Skáld

17.10.2026 München, Tonhalle

Vier Musiker in Leder, Fell und Fransen, dazu Pferdekopfgeigen, Kehlkopfgesang und Heavy Metal: THE HU könnten auf dem Papier wie eine ziemlich gewagte Idee wirken. Doch sobald die Band loslegt, ist von Satire nichts zu spüren. Was die Musiker aus Ulaanbaatar auf die Bühne bringen, spielen sie mit solcher Präzision und Inbrunst, dass der ungewöhnliche Mix ganz selbstverständlich wirkt.

SKALD auf dem MIDGARDSBLOT 2026
SKALD auf dem MIDGARDSBLOT 2026

Als Support ist die französische Folklore-Band SKÁLD dabei – und in München sofort beim Publikum angekommen. Die fünf Musiker verbinden gesangsähnliche Harmonien und stetige Handpercussion mit Lyra, nordischen Geigen, Harfen, Hörnern und weiteren akustischen Klängen. Das reduzierte Bühnenbild mit herabhängenden Fahnen, wenig Licht, Nebel und Weihrauch schafft dazu eine passende Atmosphäre. Der raue, archaische Sound braucht an diesem Abend keine lange Eingewöhnungsphase: Schon früh geht das Publikum mit und applaudiert nach jedem Song. Der gut abgestimmte Mix lässt die vielschichtigen Arrangements klar hervortreten. SKÁLD bereitet die Bühne stimmungsvoll vor.

THE HU im Juni 2025 in Nürnberg
THE HU im Juni 2025 in Nürnberg

In der ausverkauften TonHalle stehen wenig später die vier Kernmitglieder von THE HU mit zusätzlichen Musikern. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion geben den traditionellen Instrumenten ein druckvolles Rockfundament. Darüber liegen die markanten Klänge von Morin Khuur und Tovshuur sowie die tiefen, teils gemeinsam vorgetragenen Gesänge. Die Stücke wechseln zwischen wuchtigen Rhythmen und melancholischen Passagen. Gerade diese Verbindung macht den Reiz von THE HU aus: Die Band fügt ihre mongolischen Traditionen nicht als exotische Dekoration hinzu, sondern trägt ihren Sound damit vollständig.

THE HU im Juni 2025 in Nürnberg
THE HU im Juni 2025 in Nürnberg

Die aktuelle Setlist verbindet Songs des 2020 erschienenen Albums „Hun“ mit älteren Stücken, die sich längst als Live-Favoriten etabliert haben. „Lost Soul“, „The Men“, „The Real You“ und „Warrior Chant“ stehen neben „Black Thunder“, „Yuve Yuve Yu“ und „Wolf Totem“. So begegnen die neuen Songs den Stücken, mit denen THE HU ihr internationales Publikum gewonnen haben. In München wird die Musik kurz unterbrochen, als es in der Menge zu einem kleinen gesundheitlichen Zwischenfall kommt. Die Band pausiert den Song, bis die Situation geklärt ist, und setzt den Auftritt anschließend fort. Ein kurzer, menschlicher Moment in einem ansonsten konsequent durchgezogenen Konzert.
Ein anderer Moment gehört Jaya: Für den Sänger und Multiinstrumentalisten wird an seinem Geburtstag ein kurzes Ständchen angestimmt. Die Geburtstagsgrüße aus dem Publikum passen zu der spürbaren Verbundenheit zwischen Band und Fans. Viel reden müssen THE HU dafür nicht. Ein paar knappe Ansagen und ein donnerndes „Thank you“ reichen; den Rest erledigt die Musik.

THE HU im Juni 2025 in Nürnberg
THE HU im Juni 2025 in Nürnberg

„Echoes Of My Father“ bildet den balladesken Höhepunkt des Abends. Der ruhigere Song öffnet einen Raum für eine andere Seite der Band und zeigt, dass ihre Musik auch ohne durchgehenden Druck trägt. In der Darbietung steckt noch Potenzial: Mit einer stärkeren Steigerung oder mehr dynamischer Ausarbeitung könnte die emotionale Wirkung solcher Stücke noch deutlicher hervortreten. Danach zieht das Set wieder an. Die Pferdekopfgeigen schneiden durch den Gitarrensound, die Rhythmen treiben nach vorn, und beim Kehlkopfgesang greifen mehrere Stimmen ineinander. THE HU liefern in München keinen Auftritt, der sich über den Effekt ihrer Instrumente definiert. Ihre Musik lebt davon, wie geschlossen die acht Musiker auf der Bühne zusammenspielen. Der ungewöhnliche Ansatz ist längst ein eigener, kraftvoller Sound geworden.

Ein überzeugender Abend, der mit SKÁLD bereits einen stimmungsvollen Auftakt bekommt und mit THE HU eine Band zeigt, deren eigenständiger Sound live genauso kraftvoll wie selbstverständlich wirkt. „Echoes Of My Father“ lässt noch Raum für mehr, doch insgesamt überzeugen die Mongolen mit einem dichten, präzise gespielten Set.

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Sigi Maier

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