CD-Review: Skyryder - Vol.2 (EP)

Besetzung

Luke Mills - Gesang
Johnny Stern - Gitarre
Adam Thorpe - Gitarre
Luke Williams - Bass
Andy Macknight - Schlagzeug

Tracklist

01. Virtual Humanity
02. Dead City
03. Midnight Ryder
04. Mistress Of Darkness
05. Take The Night


Anfang der seligen 80er war England das Epizentrum des ersten Heavy-Metal-Bebens. 40 Jahre später geht es der dortigen Szene immer noch ziemlich gut: Vor allem im Laufe des letzten Jahrzehnts hat sie mit Bands wie Monument, Seven Sisters oder Toledo Steel so manche vielversprechende Formation mit Leidenschaft für den klassischen Metal hervorgebracht. Mit SKYRYDER schickt sich eine weitere Truppe an, sich im Underground einen Namen zu machen. 2016 gegründet ist die Band aus Newcastle noch vergleichsweise jung und hat mit „Vol. 1“ dementsprechend auch erst eine EP auf dem Kerbholz. Für den ebenfalls im EP-Format gehaltenen und passend „Vol. 2“ betitelten Nachfolger konnten SKYRYDER nun immerhin bei High Roller Records unterkommen.

Mit ihrer zweiten EP präsentieren sich SKYRYDER eindeutig als Heavy-Metal-Band der ganz alten Schule mit unüberhörbarem Hang zur NWOBHM: Die Burschen aus Newcastle spielen zackigen Retro-Metal britischer Prägung im oberen Tempobereich, wobei sie zu keiner Zeit irgendwelche Anstalten machen, das Genre zu revolutionieren. Der Sound der Engländer besteht aus den handelsüblichen Bausteinen ihrer Sparte, weshalb die fünf Songs auf „Vol. 2“ voll sind von rasanten Riffs, erhabenen Doppelgitarren und hymnischen Refrains. Das hat man alles schon oft genug bei anderen Bands gehört, muss aber nicht heißen, dass eine Platte wie „Vol. 2“ überflüssig wäre.

SKYRYDER bringen auf „Vol. 2“ nämlich allerhand Argumente mit, um ihre Daseinsberechtigung zu sichern. Zum Beispiel ihren Frontmann Luke Mills: Der singt nämlich nicht nur ebenso klar wie hoch, sondern verfügt zudem über eine dezente Portion Dreck in seiner Stimme – ein bisschen so, als würde Ron Keel in einer NWOBHM-Band singen. Damit ist der Mann beileibe kein weiterer Dickinson- oder Halford-Klon und hebt sich angenehm von anderen zeitgenössischen Vertretern des Genres ab. Obendrein passt seine Mischung aus temperiertem und aggressivem Gesang mitsamt ziemlich beeindruckender Screams bestens zum traditionsbewusstem Sound dieser Truppe, die wenigstens mit einem Fuß im Speed Metal steht. Kurz: Luke Mills klingt nicht wie die meisten anderen jungen Metal-Sänger und gibt SKYRYDER so ein individuelles Profil.

Musikalisch bieten die Engländer wie erwähnt größtenteils Altbekanntes, aber das machen sie verdammt gut. Die Songs auf „Vol. 2“ bieten allesamt britischen Ur-Metal aus dem Bilderbuch, wobei die Band mitunter an ihre amerikanischen Kollegen White Wizzard erinnert. SKYRYDER beweisen hier ein ausgeprägtes Gespür für Gänsehaut-verdächtige Melodien, die das Songmaterial in Verbindung mit der unüberhörbaren Spielfreude, welche die Band hier an den Tag legt, massiv aufwerten. Songs wie „Dead City“ oder „Night Ryder“ mögen sich innerhalb der recht eng gefassten Grenzen des Genres bewegen, aber sie werden mit derart viel Spaß an der Sache vorgetragen, dass sich der Hörer ihrem Charme kaum entziehen kann.

Spielfreude ist überhaupt ein gutes Stichwort: SKYRYDER haben mit Johnny Stern und Adam Thorpe zwei Gitarristen in ihren Reihen, die sich mit ihren technischen Fähigkeiten weder vor der lokalen Konkurrenz noch vor der Genre-Prominenz verstecken müssen. Entsprechend brennen die beiden Herren auch in jedem Song ein Feuerwerk aus epischen Doppelgitarren-Läufen und Leadgitarren-Duellen ab, das bei Bands ihres Status seinesgleichen sucht. Damit richtet sich die Musik der Truppe vornehmlich an Fans ausufernder Gitarrenarbeit, denn das zweifelsohne atemberaubende Gefrickel der beiden nimmt hier und da etwas überhand – etwa, wenn nach dem ruhigen Intro von „Mistress Of Darkness“ noch ein leicht deplatzierter Leadbreak folgt, ehe der Song voll loslegt.

Was den Sound angeht, so mäandern SKYRYDER irgendwo zwischen Studio-Politur und Garage hin und her. „Vol. 2“ klingt sicher nicht wie eine Major-Label-Veröffentlichung, ist aber vor allem im Hinblick auf den Gitarrensound zu steril, um wie eine authentische Platte der frühen 80er rüberzukommen. Das Klangbild wird dabei – ganz in der Tradition der großen britischen Metal-Bands – klar vom Bass dominiert, wobei die Rhythmusgitarren sogar eine Ecke zu weit in den Hintergrund gemischt wurden. Das fällt insbesondere dann auf, wenn eines der zahlreichen Gitarrensoli in deutlich höherer Lautstärke einsetzt. Insgesamt klingt „Vol. 2“ jedoch ziemlich gut, vor allem, weil die organische Rhythmussektion der EP einen warmen, analogen Charme gibt.

„Vol. 2“ funktioniert als Werkschau der musikalischen wie schreiberischen Fähigkeiten von SKYRYDER ziemlich gut. Die Briten liefern hier fünf stählerne Hymnen ab, die für sich genommen bestens funktionieren und obendrein zeigen, dass die Band genau verstanden hat, worauf es in ihrem Genre ankommt. Dass die Truppe ihre Sparte damit nicht revolutionieren würde, war abzusehen und ist sicher auch nicht ihr Anspruch. Dank eines tollen Sängers und technischer Finesse macht die Musik von SKYRYDER durchweg Spaß, dennoch müssen sich die Herren zunächst mit dem zweiten Platz hinter den in der Einleitung genannten Genre-Platzhirschen begnügen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Band bald Zeit für ein volles Album findet, denn Potenzial offenbart „Vol. 2“ bereits zuhauf.

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