CD-Review: Slipknot - Vol.3: (The Subliminal Verses)

Besetzung

Corey Taylor – Gesang
James Root - Gitarre
Mick Thompson - Gitarre
Paul Gray - Bass
Joey Jordison - Schlagzeug
Shawn Crahan - Percussion
Chris Fehn - Percussion
Sid Wilson - Mischpult
Craig Jones - Mischpult

Tracklist

01. Prelude 3.0
02. The Blister Exists
03. Three Nil
04. Duality
05. Opium For The People
06. Circle
07. Welcome
08. Vermillion
09. Pulse Of The Maggots
10. Before I Forget
11. Vermillion Pt. 2.0
12. The Nameless
13. Virus Of Life
14. Danger - Keep Away


Drei Jahre sind seit „Iowa“ ins Land gezogen. Damals nannten sie ihr jüngstes Werk stolz „unser härtestes, verdammtes Album“. Nun, wie schon erwähnt sind nun drei Jahre vergangen und auch eine Band wie Slipknot kann diese lange Zeit verändern. Schließlich widmeten sich einige Mitglieder während der Auszeit diversen Sideprojects wie etwa Stone Sour (Corey Taylor, James Root) und den Murderdolls (Joey Jordison). Auch wenn sich beide Bands nicht gänzlich von Slipknot unterscheiden, so haben sie eines gemeinsam: Melodie, was bei Slipknot zeitweilig eher zweitrangig erschien. Aber es kam wie es kommen musste und auch der Maskenneuner aus Iowa schlug neue Wege ein.

Die Veränderung vollzieht sich bereits beim Opener „Prelude 3.0“. Was zunächst wie ein kleines Intro anfängt, entwickelt nach und nach eine Songstruktur, in der sich ein gemächlich nach vorne kämpfender Corey Taylor wiederfindet. Dessen Stimme verleiht dem Einstieg einen düsteren Vibe und lässt auf vieles neues im Verlauf des Albums schließen. Man lässt jedoch keine weiteren großen Reden schwingen und jagt bei „The Blister Exists“ die stampfenden Riffs nach vorne, garniert mit Elektronik vom Feinsten, wobei ich schon da etwas unsicher werde. Taylor lässt es sich nicht nehmen und brüllt wie in guten alten Zeiten, lässt seine cleane Tonlage aber auch nicht weg. Auch „Three Nil“ bieten dem Hörer von Anfang reichlich Riff-Kost, die einem ordentlich die Ohrmuschel durchbläst, doch auch hier wird reichlich am Mischpult gearbeitet. Melodischer Gesang kommt einmal mehr auf und tut dem Song auch richtig gut.

Die erste Singleauskopplung „Duality“ dürfte wohl mittlerweile wirklich jeder kennen, da es erschreckend oft auf so ziemlich allen Musiksendern rauf und runter gespielt wird. Corey bleibt fast den gesamten Song hindurch auf der melodischen Seite, in den Strophen setzt Sprechgesang ein, die Gitarren werden gekonnt an den entscheidenden Stellen in den Vordergrund geschoben, so erhält der Song den nötigen Grad an Härte. Im Ganzen bleibt dieser Song aber wohl der eingängigste auf dem ganzen Album.
Typische Slipknot-Galore bei „Opium For The People“: Reißende Riffs, dynamisches Schlagzeug und Corey Taylor’s hin- und herwechseln zwischen ekstatischem Shouting und klarem Gesang.

Der erste große Moment steigt bei „Circle“. Akustikgitarre, Elektrogepiepse und sogar Violinen sind bei diesem Song vertreten. Ein wehleidiger (!) Corey Taylor singt sich durch einen düsteren Song, der an einigen Stellen rauer wird. Es klingt auf jeden Fall nicht nach Slipknot, auch Stone Sour ist das nicht so recht. Die Ruhepause wird gekonnt ausgeglichen, man schickt „Welcome“ in den Ring. Schon nach den ersten Takten wird klar, wo hier der Hammer hängt. Man taucht ab in die alten Zeiten des selbstbetitelten Albums. Doch so plötzlich wie der Song kam, so plötzlich ist er dann auch vorbei und zieht von der Länge her den Kürzeren. Ähnlich wie „Circle“ ist auch „Vermillion“, wobei an einigen Stellen auch zur Gitarre gegriffen wird und man sich an kurzen, krachenden Riffs erfreuen kann.

Den Fans (die sogenannten „Maggots“) wird auch ein Song gewidmet, schlicht und ergreifend „Pulse Of The Maggots“ genannt. Anfangs etwas ungewohnt, doch schnell wird klar, was los ist. Corey Taylor brüllt sich durch einen guten Song, der an kurzen Stellen Publikumsschreie erkennen lässt. Ein Song, der ganz klar für die Publikumsrangeleien auf Konzerten geschaffen wurde. „Before I Forget“ geht genauso kantig und roh zu Werke. Sägende Riffs, Gesang, Shouting und sogar kurze Rapanzeichen machen den Song zu einer etwas neueren Angelegenheit. Er wirkt im Laufe der Minuten jedoch etwas uninspiriert, auch lyrisch keine große Sache. Der zweite Teil von „Vermillion“, genannt „Vermillion Pt. 2.0“, presst dem Hörer die Tränen in die Augen. Corey Taylor stellt unwiderlegbare Gesangstalente ans Tageslicht und macht unmissverständlich klar, dass es sich bei Slipknot nicht nur um lärmende Zeitgenossen handelt, sondern um gestandene Musiker.

Man nähert sich dem Ende. Slipknot bleiben auf der ruhigen Seite und führen dies mit „The Nameless“ wieder knallhart vor Augen. Anfangs geht’s zwar etwas stürmisch los, im Verlauf wird es jedoch sehr ruhig und Corey’s Stimme geht unter die Haut. Auch „The Virus Of Life“ umfängt den Hörer mit guten Melodien, auch wenn man wieder einen Gang höher schaltet. Am ehesten würde mir dazu „Gently“ von „Iowa“ in den Sinn kommen, im Gänzen fährt man aber auf eigener Schiene. Ein Minimum an Schreibaufwand scheint Taylor bei „Danger – Keep Away“ verwendet zu haben. Doch die kurze Geschichte zieht einen guten Song mit sich, der mir zeitweilig aber etwas in den eintönigeren Bereich fällt. Wieder untypisch für Slipknot, tut dem Gesamtbild aber nicht weh.

Die Entwicklung wird bei einigen Tracks mehr als deutlich. Würde auf dem Cover nicht Slipknot stehen – so hätte ich sie bei einigen Songs nicht wiedererkannt. Die Elektronik wurde meiner Meinung viel zu oft und vor allen Dingen viel zu ungeschickt eingesetzt. Die Riffs haben nichts an Härte verloren, auch Corey Taylor kreischt wie in guten Zeiten. Mit den letzten beiden Veröffentlichungen aber nicht zu vergleichen. Slipknot haben den entscheidenden Schritt nach vorne gewagt – und haben gewonnen. Ein homogenes und musikalisch sehr wertvolles Album.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: