Review Soulbound – sYn

SOULBOUND – ein Name, der immer häufiger auf den Line-ups verschiedenster Festivals zu finden ist und doch für viele bis dato noch kein Begriff ist. Die fünf Jungs aus Bielefeld haben es 2024 mit ihrem Album „Obsydian“ auf Platz zwölf der offiziellen deutschen Albumcharts gebracht und erfreuen sich seitdem zunehmender Beliebtheit. Die neue Platte „sYn“ bringt mit ihren zwölf Songs eine für SOULBOUND typische Auswahl verschiedenster Stilrichtungen.

Nach einem etwa einminütigen Intro folgt direkt der namensgebende Track des Albums „sYn“. Hier übt die Band Kritik an der kirchlichen Definition von Sünde. Dem Unmut hierüber macht Sänger Johannes Stecker mit inbrünstigen Screams im Refrain Luft. „No Kings For Me“ ist dagegen eher sanftere Kost. Trotz kleinerer Screaming-Einsätze von Stecker ist dieser Song eher melodisch gestaltet, wenngleich begleitet von kraftvollen, rasanten Riffs. Der Track hat definitiv Ohrwurm-Charakter und macht Lust auf den Rest des Albums. Ähnlich wie auch „Cutting Diamonds“ handelt es sich hier um ein lyrisches Kunstwerk, das einen Einblick in die Gefühlswelt von Stecker gewährt und die benötigte Stärke präsentiert, um sich durch schwere Lebensphasen zu manövrieren. Wer SOULBOUND bereits einmal live erlebt hat, weiß, dass dieses Verständnis des Songtexts nicht aus der Luft gegriffen ist: Der Sänger äußert sich auf der Bühne bei jedem Konzert zu seiner Vorgeschichte und seinen Erfahrungen mit Depressionen sowie den damit einhergehenden Hürden im Leben und macht den Zuhörenden Mut, auch in düsteren Tagen nicht aufzugeben.

In völligem Kontrast dazu steht „sYnfluencer“. Dieser Song ist hinsichtlich Gesang und Klangbild im Allgemeinen deutlich härter, entspricht also mehr dem, was man von einer typischen Metalband erwartet. Hier verleihen die Bielefelder der Wut über die sündenhaften Influencer der heutigen Gesellschaft deutlich Ausdruck und rücken all die schönen Lügen derjenigen ins Licht, die uns immer nur die perfekten Seiten des Lebens zeigen und damit ein makelloses Dasein suggerieren. Unrealistische Schönheitsideale und die Vermarktung absolut sinnfreier Produkte für utopische Preise sind hierfür Beispiele, über die man fast täglich stolpert. Durch den massentauglicheren Klang erreichen SOULBOUND mit der Kritik auf jeden Fall einige Fans und schaffen so möglicherweise ein neues Bewusstsein für die Problematik.

Mit „Not Metal Enough“ erhebt die Band zum Abschluss noch den symbolischen Mittelfinger an all die Hater im Netz, die sich das Mundwerk darüber zerreißen, wie sich die Gruppe eine Metal-Band schimpfen könne, wenn nicht jeder einzelne Song rabiat und geschrien daherkomme. Von Synthesizer-Pop-Einlage bis hin zu langsamen Riffs und ruhigem Gesang gegen Ende bietet der Track all das, von dem das Metal-Herz nicht träumt. SOUBOUND sprengen gerne den Rahmen und beweisen wieder mal, dass sie sich das durchaus erlauben können.

Alles in allem ist „sYn“ ein facettenreiches Werk aus dem Hause SOULBOUND geworden. Der Mix aus düsteren Synthesizer-Klängen und harten Gitarrenriffs, gepaart mit sanften Passagen sowie kraftvollem gutturalen Gesang, bringt eine ausgewogene Varianz hervor. Fans der Band werden den geliebten spielerischen und teils (selbst-)ironischen Charakter von SOULBOUND wiedererkennen, bei dem gesellschaftliche Normen und Schubladen bewusst ignoriert oder humorvoll ins Lächerliche gezogen werden. Diejenigen, die gerne ihren musikalischen Horizont erweitern, erhalten mit „sYn“, ähnlich wie auch bei vorherigen Alben, eine spaßige und wohlklingende Abwechslung zwischen all den genretypischen Schlagzeug- und Gitarreneinlagen.

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Wertung: 7.5 / 10

Marina Piluso

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