CD-Review: The Grotesquery - The Facts And Terrifying Testament Of Mason Hamilton: Tsathoggua Tales

Besetzung

Kam Lee – Gesang
Rogga Johansson – Gitarre
Johan Berglund – Bass
Brynjar Helgetun – Schlagzeug

Tracklist

01. The Madness (Of Mason Hamilton)
02. A Terrifying Testament
03. Arrival: Tomb Of Toads
04. Beware They Who Burrow Death
05. Gaze Of Ghatanothoa (I Had A Nightmare)
06. Amongst Black Slime And Mushroom People
07. The Cthulhu Prophecy
08. Tsathoggua – The Black God Of N’Kai
09. Entrapped Within Atlach-Nacha’s Web
10. Psychopompos Lamentations For A Dying World
11. Dreams Of Terrors In Darkness & Horrors Out Of Shadows


Geisteskranke Entdecker, gigantische Spinnen, urhäßliche Pilzwesen, Cthulhu und Konsorten – THE GROTESQUERY liefern mit ihrem neuen Album erneut einen Rundumschlag in Sachen musikalischer Horrorunterhaltung. Die Bandprotagonisten Kam Lee am Mikro und Rogga Johansson an der Gitarre kannten sich ja bereits vor Gründung der Gruppe durch ihr gemeinsames Projekt Bone Gnawer. Lee seinerseits ist ein Veteran der Florida-Death-Szene und hat schon zusammen mit Chuck Schuldiner in Mantas Lärm gemacht, und Johansson – nun, der Junge hat in so vielen Bands seine Finger im Spiel, da beschränke ich mich mal auf die Nennung von Ribspreader und Paganizer, denn ich will heute noch mit Schreiben fertig werden.

Nachdem das Debüt „Tales Of The Coffin Born“ schon ganz im Zeichen von „Occult Horror Death Metal“ stand, hat sich Haupttexter Lee wieder ein überaus gruseliges, von Edgar Allan Poes und H.P. Lovecrafts Werken inspiriertes Konzept aus den Hirnwindungen geschwitzt. Diesmal spielt die Story in einer Irrenanstalt und dreht sich um den Insassen Mason Hamilton, der als Jungspund mit einem Forschertrupp eine mysteriöse, unentdeckte Insel erkundet hat. Dabei sind nicht nur all seine Kollegen von abscheulichen Monstern gefressen worden oder anderweitig hopsgegangen, nein, der gute Mann hat dadurch auch ordentlich einen an die Klatsche gekriegt. Auf „The Facts And Terrifying Testament of Mason Hamilton“ erzählt dieser nun aus seiner unheimlichen Vergangenheit und schwankt dabei zwischen schrecklicher Wirklichkeit und wahnsinnigen Halluzinationen.

Insofern also eine sehr gute, mitreißende Arbeit von Schöpfer Kam Lee, auch die unterliegende grafische Umsetzung ist überaus gelungen. Was die musikalische Darbietung angeht, schafft das Quartett aber höchstens, das Niveau des (zugegebenermaßen starken) Vorgängers zu halten. Die Dialog-Intros von letzterem wurden diesmal weggelassen, sodass jeder Song direkt einsteigt. Stilistisch gibt es wieder die bereits auf dem Erstling gehörte Mischung aus Schwedentod und US-amerikanischem Death Metal, die an Bands wie Benediction, Bolt Thrower, Obituary und frühen Gorefest erinnert. Folglich geht der Vierer schön schnörkellos zur Sache, produktionstechnisch befinden wir uns allerdings in der Gegenwart, wie man an der glasklaren, druckvollen Produktion von Dan Swanö hören kann.

Ebenso wie Swanös Job fällt hier auch Lees vielseitige Gesangsleistung sehr positiv auf. Mal growlt er in bester Old-School-Manier, mal kreischt er mit fieser Blutkehle und mal shoutet er wütend – kurzum: Lee wertet die Scheibe ganz ungemein auf. Denn wenn hier auch jeder Mitwirkende handwerklich reibungslos musiziert, so klingen doch viele Riffs von Johansson uninspiriert und wie aus den Fingern gesaugt. Kein Wunder eigentlich, liefert der Bursche doch in den etlichen Projekten, die er am Laufen hat, Musik wie am Fließband ab. Dementsprechend lassen sich auf dem vorliegenden Langspieler auch keine klaren Höhepunkte ausmachen. Man muss THE GROTESQUERY jedoch zugutehalten, dass sie durch Abwechslungsreichtum unterhaltsam bleiben und von fiesen Doom-Parts und epischen Schleppern über Doublebass-Walzen und groovendes Midtempo-Geschredder bis hin zu Uptempo-Attacken und Blastbeats alles abdecken, was das Death-Metal-Herz begehrt, ohne dabei ihren charakteristischen, schwerfälligen Stil aus den Augen zu verlieren.

THE GROTESQUERYs neues Album mit dem wohl längsten Titel in der Geschichte des Todesstahls ist am Ende des Tages ein hörenswertes Langeisen geworden, das neben der Produktionsqualität und der starken Leistung von Sänger Kam Lee vor allem wieder mit seinem interessanten und durchdachten Horrorkonzept begeistern kann. Abzug gibt es in puncto Songwriting bei Eingängigkeit und Originalität, in dieser Hinsicht darf Johansson in Zukunft gerne etwas mehr auf Qualität statt Quantität setzen. Wer „Tales Of The Coffin Born“ gemocht hat, wird auch von diesem sehr ähnlichen Release nicht enttäuscht werden. Alle anderen Anhänger von klassischem Death Metal sollten ebenfalls mal reinhören.

Bewertung: 7.5 / 10

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