CD-Review: The Ruins Of Beverast - Blood Vaults - The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer

September 2013

Besetzung

Alexander von Meilenwald – Gesang, alle Instrumente

Tracklist

01. Apologia
02. Daemon
03. Malefica
04. Ornaments On Malice
05. Spires, The Wailing City
06. A Failed Exorcism
07. Trial
08. Ordeal
09. Monument


Seit Alexander von Meilenwald, ehemals Schlagzeuger und gemeinsam mit Zorn Co-Songwriter der deutschen Black-Metal-Legende Nagelfar, im Jahre 2003 das Projekt THE RUINS OF BEVERAST aus der Taufe hob, steht der Name für Vieles – nur nicht unbedingt für leicht verdauliche Kost: Während das Debüt „Unlock The Shrine“ (2004) noch sehr in der Tradition von Nagelfar stand und entsprechend Black-Metal-lastig daherkam, ging die Reise bereits bei „Rain Upon The Impure“ (2006) in düstere Gefilde, bis man mit dem etwas verqueren „Foulest Semen Of A Sheltered Elite“ schließlich im Doom-Sektor landete.

Mit „Blood Vaults – The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer“ erscheint nun das vierte THE-RUINS-OF-BEVERAST-Album – und wie der blaue Mönch auf dem so außergewöhnlichen wie gelungenen Artwork schon vermuten lässt, ist auch dieses Album wieder alles andere als gewöhnlich. Das macht bereits das Intro klar, welches direkt aus den tiefsten Tiefen eines Kirchengewölbes an das Ohr des Hörers zu dringen scheint – inklusive eines Gastauftritts des besagten Mönchs, dem hier die einleitenden Worte zu gehören scheinen. Das mag zwar nicht so ganz zum ansonsten wie gewohnt sehr akribisch ausgearbeiteten Albumkonzept passen, bereitet den Hörer dafür perfekt auf das vor, was ihn in den kommenden knapp 80 Minuten erwartet. Und das ist, so viel sei vorweg genommen, mitnichten Black Metal. An Stelle von Blastbeats und sägenden Gitarren finden sich auf „Blood Vaults – The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer“ nämlich über weite Strecken nur noch schleppende Doom-Riffs mit melancholisch-majestätischer Orgel-Begleitung, untermalt von atmosphärischen Cleangitarren und traurig-verlorene Leadmelodien.
In Szene gesetzt wird das düstere Klanggebilde, das als zusammenhängendes Werk bestehend aus drei Teilen aus jeweils drei Stücken konzipiert ist, durch den nahezu perfekten Sound, der bei aller Brillianz und Transparenz der cleanen Passagen trotzdem genug Tiefe hat, um den Hörer direkt in seinen Bann zu ziehen. Neben den grandios produzierten Distortion-Gitarren wissen dabei vor allem die Percussions zu begeistern: Druckvoll und naturbelassen zugleich unterstützen sie das „normale“ Schlagzeug und heben Songs wie „Spires, The Wailing City“ oder „A Failed Exorcism“ so auf ein ganz neues Intensitätslevel.

Auch thematisch ist „Blood Vaults – The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer“ detailverliebt durchdacht und bietet dem Hörer eine stimmungsvolle Auseinandersetzung mit dem düsteren Kapitel der Hexenverfolgung, für die Heinrich Kramer, unter dem Pseudonym Henryk Instytor beziehungsweise Henricus Institoris, mit seiner Schrift „Malleus Maleficarum“ den fundamental-theoretischen Unterbau lieferte. Plattitüden und stumpfen Christenhass sucht man glücklicherweise vergebens – so bereitet hier sogar das Lesen der Texte Freude.

Nachdem „Foulest Semen Of A Sheltered Elite“ trotz erkennbarer Intention noch ein wenig plan- und ziellos wirkte, ist Alexander von Meilenwald die Transformation seines Projektes von der kratzig-schrammligen Underground-Black-Metal-Band hin zur kraftvoll-majestätischen Blackened-Doom-Band nun endgültig gelungen: THE RUINS OF BEVERAST präsentieren sich auf „Blood Vaults – The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer“ stilistisch mal wieder deutlich anders als man sie bisher kannte – und besser. Ein wirklich hörenswertes Album, das hohe Erwartungen für die anstehenden Live-Shows weckt.

Bewertung: 9 / 10

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3 Kommentare zu “The Ruins Of Beverast – Blood Vaults – The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer”

  1. Marius Mutz

    Aber beim Cover muss ich leider schon an eine unkreative Melo-Black-Band denken, die sich optisch nicht von ihren Death-Metal-Wurzeln trennen konnte. Also so gut der musikalische Inhalt sein mag, mit DEM Artwork gewinnt Meilenwald hier keinen Blumentopf.

    1. Moritz Grütz Beitragsautor

      Findest du? Ich find das eigentlich ziemlich fett, farblich mal was anderes und stimmungsmäßig schon sehr passend zum doomigen Charakter des Albums…

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