Als Geburtsstätte von Bands wie SKULL FIST, STRIKER und CAULDRON hat sich Kanada seinen Platz in der internationalen Metal-Gemeinschaft mehr als verdient und bringt es eine neue Formation hervor, spitzen Fans sofort die Ohren. Insofern haben die 2018 gegründeten THE SCEPTER auf jeden Fall das schwermetallene Geburtsrecht auf ihrer Seite, stammt die Truppe doch aus Ottawa. Ganz so einfach ist das allerdings nicht, denn zumindest Teile der Band sind in Denver, Colorado beheimatet. Das ist schnöde 27 Stunden Autofahrt oder sechs Flugstunden von besagter Stadt in Kanada entfernt, was den Weg zum Proberaum interessant gestalten dürfte. Allen geographischem Widrigkeiten zum Trotz haben THE SCEPTER mit „Shadows In The Tower“ nun aber ein erstes Album eingespielt.
Musikalisch sind THE SCEPTER irgendwo zwischen Heavy und Power Metal einzuordnen. Mit ihrer Mischung aus Speed-Metal-Riffing und singenden Twin-Gitarren erinnert die Truppe im Opener „Ride Out“ vor allem an ENFORCER, dank Fantasy-Texten und des andächtigen Gesangs von Frontmann Jean-Pierre Abboud kommen aber recht schnell auch Bands wie BLAZON RITE oder ETERNAL CHAMPION als Bezugspunkte hinzu. Man merkt: Sonderlich originell geht es auf „Shadows In The Tower“ nicht zu. Die amerikanisch-kanadische Truppe scheint ganz bewusst auf den gleichen Pfaden wie unzählige andere aktuelle Underground-Bands zu wandeln – das ist per se nichts Schlechtes, nur müssen sich die Burschen den naheliegenden Vergleichen stellen.
Grundsätzlich geht das Rezept von THE SCEPTER auf ihrem Debüt auf. In Tracks wie dem mitreißenden „Protector Of The Skies“ oder „Burn Bundy Burn“ greifen zackige Riffs und große Refrains schön ineinander und werden von simplen, aber durchaus effektiven Gitarrenmelodien zusammengehalten – als gutes Beispiel eignet sich hier auch „Taarakian Blood“. Dabei erinnern THE SCEPTER in erster Linie an die zuvor genannten Bands, allerdings hat die Mannschaft mit „Dunes“ auch eine ziemlich charmante Hommage an den Sound stilbildender BLIND-GUARDIAN-Alben auf Lager, die manchem Fan ein Schmunzeln abverlangen dürfte.
Leadgitarren gibt es bei THE SCEPTER ebenfalls und wenngleich die durchaus solide sind, fallen sie doch weit weniger spektakulär als bei manch anderer Band des Genres aus. Man muss der Gruppe aber lassen, dass sie evtl. mangelnde technische Finesse durch wirklich gut durchdachte Melodieführung weitestgehend wettmacht. Darüber hinaus hält sich das Quintett bisweilen etwas zu lange mit Instrumentalparts auf, die nicht ganz so zwingend sind, wie es sich die Musiker vielleicht vorstellen. Dadurch muten selbst diese größtenteils eher kurzen Songs stellenweise langatmig an, wie sich etwa in „Where Art Thou“ und dem anderweitig ziemlich gelungenen „Drink On“ zeigt.
THE SCEPTERs „Shadows In The Tower“ ist ein typisches Debüt-Album aus dem Underground. Die Songs stecken allesamt voller guter Ideen und die Truppe klingt authentisch, aber in der Ausführung besteht noch Luft nach oben. Der erdige, aber viel zu dünne Sound der Platte mag sich für diese fünf Musiker stilecht anfühlen, wird der Musik aber keineswegs gerecht. Und dass sich ein knapp 30-minütiges Album teils zu lang anfühlen kann, ist ein Kunststück, auf das niemand stolz sein sollte – hier wäre mehr Prägnanz wünschenswert. Wenn THE SCEPTER für ihr zweites Album also mehr Geld in die Produktion und mehr Zeit ins Verfeinern ihres Songwritings investieren, wird sich ihr unüberhörbar vorhandenes Potential um ein Vielfaches deutlicher entfalten.
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Wertung: 6.5 / 10


