Review Threshold – Wireless – Acoustic Sessions

Nach sechs regulären Studioalben und den beiden Fanclub Releases „Decadent“ und „Concert In Paris“ veröffentlichten THRESHOLD zu Beginn des Jahres 2003 das Album „Wireless – Acoustic Sessions“ als weitere Ergänzung zu ihren Fanclub-CDs, welche sie auf Konzerten und über ihre Website weltweit vertreiben.

Hierbei handelt es sich nicht um Songs, die es nicht auf die Studioalben geschafft haben, vielmehr hat man sich mit dieser Kollektion von bereits bekannten Songs und zwei neuen Kompositionen („Seventh Angel“, „Conceal The Face“) vorgenommen, mal eine andere, eher ungewohnte Seite der Band aufzuzeigen. Tolle Balladen haben die Jungs immer schon geschrieben, hier finden wir nun gleich zehn davon auf einen Haufen: 42 Minuten lang gibt es feinste Arrangements auf die Ohren, die komplett ohne E-Gitarren auskommen. Vielmehr nutzt man hier nur zwei Akustikgitarren, Bass, Schlagzeug und Piano bzw. Streichersounds vom Keyboard (weswegen ich „Wireless Sessions“ als Titel etwas irreführend finde), sodass man von einer Art Unplugged-Studioalbum sprechen kann. Es handelt sich also nicht um eine billig zusammengeschusterte Live-Platte mit irgendwelchen halbprofessionellen Performances.

Vielmehr zeigt die Band, wie viel Potential in ihren Songs steckt, denn auch in diesen Versionen versprühen die Tracks Power, Emotionen und vor allem Wärme. Es gibt so einige Nummern, die mir hier besserer gefallen als ihre Originalversionen, z.B. „Sheltering Sky“ und „Consume To Live“. Die Titel wurden teilweise umarrangiert und gekürzt, um besser in das Schema der Scheibe zu passen, so geschehen unter anderem mit „Narcissus“ und „Lovelorn“, welche zwar klar wiederzuerkennen sind, jedoch eine ganz andere, romantischere Ausstrahlung als ihre großen Brüder haben. Mehr denn je ist das hier also keine Marketing-Wiederverarbeitung, sondern hat tatsächlich eine Existenzberechtigung und gehört für mich in jede ehrliche THRESHOLD-Sammlung.

Nichtsdestotrotz sollten THRESHOLD weiterhin den „Heavy“-Stil für ihre offiziellen Veröffentlichungen beibehalten, und vielleicht Songs wie „Avalon“ (von „Critical Mass“) demnächst so gestalten, wie hier auf dem Album geschehen, gewissermaßen dieses Experiment in ihre neuen Lieder mit einfließen lassen. Das würde eine zusätzliche Komponente in den Sound der Band bringen, der sich über die Jahre ja durchaus weiterentwickelt hat; doch auch wenn man äußerst erfolgreich verschiedenste Extreme der Band – vom Hardrock, Neoprog, bis hin zum Powermetal und Progmetal – jeweils in den Vordergrund gestellt hat: einem groben Rahmen blieb man bisher immer treu. Mehr Akustikparts wären da eine willkommene Neuerung und Erfrischung. Unplugged-Sessions auf der letzten Tour und auf der Live-DVD „Critical Energy“ bestätigen, dass die Band gut beraten wäre, würde sie diesen Sound auch auf ihre regulären Alben mit einbringen.

„Wireless – Acoustic Sessions“ ist sicherlich eine Alternative und Ergänzung, wenn man genug von dem Heavy-Sound der regulären Alben hat, kann den Stil jedoch auf keinen Fall ersetzen. Denn auch innerhalb des Unplugged-Sounds schöpfen THRESHOLD nicht aus den Vollen – hier wäre noch mehr Abwechslung möglich gewesen. Weiterhin scheint dieses Album genauso poliert produziert zu sein, wie auch die anderen, was nicht so zum akustischen Stil passt. Eins ist es jedoch ganz sicher: Chillig und entspannend!

Für den Fan ist es auch irgendwie Pflicht – weil Songs wie „Innocent“ oder „Part Of The Chaos“ hier das erste Mal von Andrew „Mac“ Dermott gesungen werden und es zusätzlich für den heimischen PC auch noch ein Video zu „Fragmentation“ gibt. Das Album kann übrigens auch über iTunes oder YahooMusic bezogen werden.

Wertung: 7 / 10

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