CD-Review: Throne Of Iron - Adventure One

Besetzung

Tucker Thomasson - Gesang, Gitarre
Corwin Deckard - Gitarre
Evan Pruitt - Bass
Jacob Lett - Schlagzeug

Tracklist

01. A Call To Adventure
02. Past The Doors Of Death
03. Dark Shrine Of Rituals
04. The Power Of Will
05. Lichspire
06. The Fourth Battle Of The Ash Plains
07. The Allure Of Silver
08. Wish


Wer sich ein wenig mit THRONE OF IRON auseinandersetzt, der findet schnell heraus, was sich die Amis bei ihrer Musik gedacht haben: „Nerds im Keller“ ist das Grundthema der Truppe und das ziehen die Burschen aus Bloomington jetzt von A bis Z durch – man darf sich das vorstellen wie eine Rollenspiel-Gruppe, die ihre Abenteuer hinterher noch in Heavy-Metal-Songs vertont. Das mag im ersten Moment ulkig klingen, ergibt bei näherer Betrachtung allerdings durchaus Sinn, zumal Helden, Monster und Schlachten seit jeher guten Stoff für traditionelle Metal-Alben liefern – warum also nicht bei „Dungeons And Dragons“ abkupfern? Eben. Das dachten sich auch THRONE OF IRON und spielten in nur wenigen Tagen ihr erstes Album „Adventure One“ ein.

Vor diesem Hintergrund ist die Platte ein voller Erfolg geworden. Das beginnt schon mit dem spaßigen Intro, in dem zunächst Charakterbögen und Würfel zurechtgelegt werden, ehe der Spielleiter im Modus eines Erzählers klassischer Fantasy-Filme der 80er die typische Ausgangssituation unzähliger Rollenspielrunden beschreibt: Helden in der örtlichen Taverne mit Barden, der zum Abenteuer aufruft. Spaß muss sein, THRONE OF IRON haben offenbar reichlich davon und wer sich selbst schon in ähnlichen Runden wiedergefunden hat, kann hier die Holztäfelung des Hobbykellers und das vergilbte Papier der Regelbücher förmlich riechen – stark!

Image und Klamauk alleine machen noch kein gutes Album, aber THRONE OF IRON leben glücklicherweise nicht nur von ihrer Aufmachung. Musikalisch orientieren sich die Amis klar an den Anfängen des epischen Metals nach U.S.-amerikanischem Vorbild – ähnlich wie es seit einiger Zeit auch ihre Landsleute Visigoth tun. Sowohl in Sachen Songwriting als auch Sound ruft das sofort Erinnerungen an die Genre-Altmeister Manilla Road wach. Das ergibt durchaus Sinn, zumal Frontmann Tucker Thomasson ein ums andere Mal verlauten ließ, dass der Tod von deren Mastermind Mark Shelton im Sommer 2018 der Zündfunke für die Gründung von THRONE OF IRON war.

Die Band um Mr. Thomasson oszilliert nun auf ihrem Erstlingswerk stetig zwischen episch stampfenden Hymnen und schmissigeren Uptempo-Songs. Das manifestiert sich konkret in Titeln wie dem erhabenen Stampfer „Dark Shrine Of Rituals“ oder dem überraschend kurzweiligen Achtminüter „Past The Doors Of Death“ sowie mitreißenden Nummern wie „The Power Of Will“ oder dem knackigen „Lichspire“. Ähnlich wie ihre Vorbilder haben THRONE OF IRON dabei keine Angst vor ausgedehnteren Instrumentalteilen, weshalb der Leadgesang auf „Adventure One“ schon mal schweigt – es spricht nur für das Songwriting der Band, dass dem Hörer hier trotzdem zu keiner Zeit langweilig wird.

Übrigens: Das abschließende Instrumentalstück „Wish“ klingt mit seinen beruhigenden Synthie-Klängen wie ein unveröffentlichter Titel aus dem Soundtrack zur Erfolgsserie „Stranger Things“. Das passt genau in das Bild, das THRONE OF IRON mit ihrem Album zeichnen wollen, denn die liebenswertesten Keller-Nerds gibt es schließlich seit drei Staffeln in der Netflix-Serie zu sehen. Man kann dieses Kopfnicken in Richtung Mainstream-Konsens als billig abtun, zusammen mit den übrigen Anspielungen auf klassisches Rollenspieler-Verhalten auf „Adventure One“ ist dieser abschließende Tribut aber schlichtweg süß.

Weil sich „Adventure One“ eben im Keller abspielt, haben THRONE OF IRON die Platte auch genau dort eingespielt und das hört man: Hier hallt was, da pfeift es mal und dort sind mal die Twin-Gitarren schief oder der Gesang liegt minimal daneben. Weil man heutzutage mit hinreichendem Wissen über Aufnahme- und Produktionstechniken aber auch aus solchem Ausgangsmaterial vernünftige Ergebnisse herausholen kann, ist das im Falle der True-Metaller aus Indiana kein Todesurteil. Im Gegenteil: „Adventure One“ klingt mit seiner durchaus anständig nachpolierten Low-Fi-Produktion absolut authentisch und erinnert stets an stilbildende Alben des U.S.-amerikanischen Helden-Metals der frühen 80er. Hier haben sich THRONE OF IRON definitiv die nötige Zeit genommen, um das richtige Klangbild zu finden – Nerds im Keller eben.

Insgesamt punkten THRONE OF IRON auf ihrem Debüt durchweg mit grundsolidem Songwriting: Sämtliche der Nummern überzeugen mit Riffs, die durchgehend zum Headbangen einladen, nicht selten Gänsehaut erzeugenden Melodien und oftmals Refrains, die schon beim zweiten Durchlauf mitgesungen werden wollen. Klar, den Innovationspreis gewinnt die Band sicher nicht, denn letztendlich ist alles, was die Herren anbieten, schon mal dagewesen. Das gleicht die Formation jedoch durch viel Spielfreude und die viel zitierte Authentizität ohne Probleme wieder aus. THRONE OF IRON sind definitiv genau das, was sie sein wollen und musizieren in erster Linie für sich selbst. Richtig so.

 

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Bewertung: 7 / 10

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