CD-Review: Trivium - The Crusade

Besetzung

Matthew Kiichi Heafy - Gesang, Gitarre
Corey Beaulieu - Gitarre
Paolo Gregoletto - Bass
Travis Smith - Schlagzeug

Tracklist

01. Ignition
02. Detonation
03. Entrance Of The Conflagration
04. Anthem (We Are The Fire)
05. Unrepentant
06. And Sadness Will Sear
07. Becoming The Dragon
08. To The Rats
09. This World Can't Tear Us Apart
10. Tread The Floods
11. Ceontempt Breeds Contamination
12. The Rising
13. The Crusade


Man mag ja von „The Ascendancy“ halten, was man will. Für viele war es DIE Offenbarung, den fiesen Hype und TRIVIUM konnte ich aber nie wirklich nachvollziehen. Ein gutes Album war es zweifellos, bekam durch die Metalcore-/“New Death“-Welle aber wohl noch zusätzlich gehobene Aufmerksamkeit. Die Band um Multitalent Matt Heafy schien damit nicht sonderlich glücklich zu sein. TRIVIUM „fühlten sich nie Metalcore“, und das hört man nun ganz deutlich bei „The Crusade“. Weg vom Core, weg vom Death, weg von den Screams, weg von der Modernität. Stattdessen bekommt man hier eine Mischung aus Bay Area Thrash, melodischem Hard Rock und 80er Jahre Heavy Metal. Ganz recht, liest sich nach einer groben Stiländerung und ist es auch. Und gleich mal vorab: Ich bin an sich kein Freund von ausführlichen Vergleichen mit den alteingesessenen und bekannten Bands, doch manchmal lässt einem eine CD keine andere Wahl…
Was hierbei wohl zu allererst deutlichst auffällt, ist der Wechsel des Gesangsstils von Matt Heafy. Keine Screams und keine Schreie mehr, stattdessen zeigt er nun ganz deutlich, dass James Hetfield sein großes Vorbild ist und klingt nun wie der kleine Bruder des Metallica-Frontmanns. Man höre nur etwa die erste Minute von „Detonation“, klingt schlicht und einfach nach einer „…And Justice For All“-Weiterentwicklung mit einem leicht schwächeldem Hetfield. Riffs, Melodien, Strukturen – das alles erinnert, über die gesamte Platte gut verteilt – mehr als nur einmal und mehr als nur leicht an Metallica, was „Kopie, Kopie!!!“-Schreie schon zuhauf aufkommen ließ.

Ganz so schlimm ist es dann aber zum Glück nicht. Bleiben wir bei „Detonation“. In der ersten Hälfte des Songs wird noch großzügig gehuldigt, nach der Hälfte kommt dann jedoch der Break, der es doch zu etwas einigermaßen Eigenständigem macht. Es wird hochmelodisch, hard- und fast schon alternative-rockig, Heafy packt die klare und zarte Seite seiner Stimme aus (er ist eben ein Riesentalent, deswegen finde ich es umso mehr schade, dass er sich hier größtenteils auf Hetfiel-Kopie limitiert). Eins zurück und wir haben ein ähnliches Muster, „Ignition“ grenz das nur nicht so sehr ab, sondern flechtet das klar-melodische als Refrain in den Song ein. Ganz nebenbei hat das Lied und damit das Album einen wie ich finde total missglückten Start, der einfach nur holprig, abgehackt und unfertig wirkt. Erfrischend anders und eigenständig ist etwa „Anthem (We Are The Fire)“, das schon als melodischer Power Metal durchgeht und mit Mitgrölrefrain und sogar einer klassischen „ooohohoo“/“yeeeheehea“-Stelle ausgestattet ist. Ganz im Gegensatz dazu steht etwa „Becoming The Dragon“, das im Mittelteil ordentlich bolzt, hier schreit Heafy sogar mal kurz, was richtig gut tut. Das kann er einfach, und solche Stellen hätte man sich doch mehr gewünscht. Ich möchte nun wahrlich nicht, dass eine Stunde durchgehend nur monoton gebrüllt wird, aber zwischendurch kann das ganz gut tun. „Becoming The Dragon“ würde ich auch als Höhepunkt des Albums nennen, der Song hat einfach mächtig viel Kraft und Abwechslung.
Der Rest des Albums ist dann wirklich wechselhaft. Kopfschraubende Knaller wie „To The Rats“ stehen langweiligen und allzu soften Stücken wie „This World Can’t Tear Us Apart“ gegenüber. Ich habe ja beileibe nichts gegen emotional angehauchte und ruhigere Tracks, hier kommt aber irgendwie einfach nichts rüber. Sehr interessant zum Abschluss ist das Titelstück „The Crusade“, ein achtminütiges Instrumental, das mir durch manche wiederkehrende Stellen eindeutig auf Gesang ausgelegt scheint, aber auch so noch ganz gut hörbar ist.

Ein großes Plus des Albums ist, dass die Instrumentalfraktion wirklich großartiges auf ihren Geräten leisten kann, es gibt unzählige tolle Gitarrenspielereien und Soli. Schade nur, dass TRIVIUM zugunsten der Veränderung viel von ihrer Eigenständigkeit abgeben. „The Crusade“ nun als reine Kopie alter Metallica-Großtaten abzustempeln, wäre aber auch ungerecht, fügen sich doch hochmelodische Rockparts, alternativ-punkige klargesungene Refrains und zu selten der ein oder andere TRIVIUM-Trademark des Vorgängers mit ein. „Becoming The Dragon“ oder „Detonation“ sind richtige Hochkaräter geworden, leider stehen dem gegenüber eben auch einige weniger überzeugende Lieder. Ob die Scheibe nun ein Schritt nach vorne oder zurück ist, muss man wohl für sich selbst entscheiden – die Amerikaner jedenfalls scheinen sich auf einem Weg der Selbstfindung zu befinden, der meiner Meinung nach mit „The Crusade“ noch nicht abgeschlossen ist.
Da die Band noch sehr jung und technisch bereits höchstbegabt ist: Mehr Eigenständigkeit, mehr Mut zu den eigenen Stärken, weniger Orientierung an den Vorbildern, weniger „Wir wollen keine Trends mitmachen, bäh!“-Gedanken – dann wirds was!

Bewertung: 6.5 / 10

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