CD-Review: Trivium - In The Court Of The Dragon

Besetzung

Matt Heafy – Gesang, Gitarre
Corey Beaulieu – Gitarre
Paolo Gregoletto – Bass
Alex Bent – Schlagzeug

Tracklist

01. X
02. In The Court Of The Dragon
03. Like A Sword Over Damocles
04. Feast Of Fire
05. A Crisis Of Revelation
06. The Shadow Of The Abattoir
07. No Way Back Just Through
08. Fall Into Your Hands
09. From Dawn To Decadence
10. The Phalanx


Das Cover von "In The Court Of The Dragon" von Trivium

Von TRIVIUM ist man eher den Zwei- bis Dreijahresrhythmus gewohnt, was neue Releases angeht. Mit „In The Court Of The Dragon“ steht Album Nummer zehn aber bereits eineinhalb Jahre nach dem Vorgänger bereit. Das ist sicherlich der pandemiebedingten Auszeit vom Touren und dem Ausbleiben vieler anderer Aktivitäten geschuldet, dennoch dürften manchem Fan angesichts dieser kurzen Veröffentlichungsperiode dicke Schweißtropfen auf der Stirn stehen: Die Discografie der US-Amerikaner ist nicht frei von mittelmäßigen, enttäuschenden Alben. Vor allem über „The Crusade“ (2006) und „Silence In The Snow” (2015) sei der dicke Mantel des Schweigens gelegt.

Mit „The Sin And The Sentence“ (2017) und „What The Dead Men Say“ (2020) gingen „In The Court Of The Dragon“ zwei hervorragende Alben voraus, auf denen TRIVIUM zu alter Stärke zurückfanden. Die Scheiben sind voller moderner Thrash-Granaten mit starkem Heavy-Metal-Einschlag, die sowohl aggressiv wie auch eingängig und hymnisch sind. Erfreulicherweise bleibt die Combo aus Orlando, Florida diesem Weg treu und geht ihn konsequent weiter, „In The Court Of The Dragon“ ist also alles andere als ein halbgarer Schnellschuss.

Der Titeltrack als Opener legt auch direkt mächtig los: Matt Heafy beginnt mit wütenden Screams und die Instrumentalfraktion entfesselt eine Metalcore-Wucht, wie es sie in dieser Intensität seit „Ascendancy“ (2005) nicht mehr auf die Ohren gab. Blastbeats und aggressive Riffs vereinen sich zu einer gewaltigen Abrissbirne mit technischer Finesse sowie perfekt gesetzten Breaks und Rhythmuswechseln. Von Anbiederung an die breite Masse kann hier keine Rede mehr sein, TRIVIUM drehen die Härteschraube so richtig an. Stumpf wird’s aber nie, schließlich haben wir es hier bekannterweise mit unfassbar talentierten Musikern zu tun, die neben ihrem instrumentalen Können auch in puncto Songwriting ein extrem hohes Niveau erreicht haben. Diese Weiterentwicklung macht sich gerade auch durch den Härtegrad bemerkbar: Anno 2005 hätten die TRIVIUM-Musiker wohl kaum selbst zu träumen gewagt, derart komplexe, direkt schon progressive Tracks zu komponieren und mit der damaligen Wildheit zu kombinieren.

„Like A Sword Over Damocles“ oder “A Crisis Of Revelation” sind weitere Belege für die musikalische Reife. Geballert wird hier viel, dafür aber auch mit mächtig viel Hirn und Melodie. Der wieder gestiegene Metalcore-Anteil in den Songstrukturen wird noch deutlicher, dazu kommt, dass Heafy wieder öfter als zuletzt auf Screams zurückgreift. Nicht nur das, außerdem scheint der Frontmann nochmal an sich gearbeitet zu haben und beherrscht nun alle seine Gesangsstile und -lagen so gut wie noch nie.

Härte ist natürlich nicht alles, TRIVIUM sind auch Meister im Bereich atmosphärischer, melodischer Songs. „The Shadow Of The Abattoir“ beginnt mit einer bedächtig-getragenen Melodie der Marke Iron Maiden, Heafy begleitet diese mit sanftem Klargesang. Langsam steigert sich auch der anfangs balladeske Track und zeigt seine Vielseitigkeit mit Screams, mächtigen Riffs, Uptempo-Passagen und vertrackten Soli. In seinen über sieben Minuten Laufzeit überrascht das Stück des Öfteren mit unerwarteten Wendungen und bleibt so durchgehend spannend. Jenseits der sieben Minuten landen sogar noch zwei weitere Lieder: „Fall Into Your Hands“ beeindruckt als sehr headbangtaugliche Thrash-Kante mit gefühlvollem Refrain; das abschließende „The Phalanx“ bietet zum groovig-progressiven Grundton die vielleicht epischsten Klargesänge der TRIVIUM-Geschichte – das ist ganz großes, packendes musikalisches Breitwandkino.

TRIVIUM schaffen es auf „In The Court Of The Dragon“, alle Stärken aus ihrer gesamten Bandgeschichte zu vereinen und ins Gleichgewicht zu bringen. Die vier Musiker scheinen endlich ihre perfekte Balance zwischen Heavy, Thrash und Core gefunden zu haben. Gleichzeitig entwickeln sie sich weiter, agieren technisch anspruchsvoller und in den Songstrukturen progressiver als je zuvor. Dass dabei Härte und Aggression gleichermaßen mit Eingängigkeit und Hymnenhaftigkeit einhergehen, sollte Fans jeder Phase TRIVIUMs glücklich machen. Das Jubiläumsalbum ist ein mächtiges und beeindruckendes Werk ohne Schwächen, mit dem die Amerikaner ganz deutlich machen, dass sie in der aktuellen Metal-Landschaft ganz nach oben gehören. Nach drei bärenstarken Alben in Folge kann jetzt endgültig niemand mehr bestreiten, dass TRIVIUM zu den ganz großen Metal-Bands des 21. Jahrhunderts gezählt werden müssen.

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