CD-Review: Trivium - Vengeance Falls

Besetzung

Matt Heafy – Gesang, Gitarre
Corey Beaulieu – Gesang, Gitarre
Paolo Gregoletto – Bass
Nick Augusto – Schlagzeug

Tracklist

01. Brave This Storm
02. Vengeance Falls
03. Strife
04. No Way To Heal
05. To Believe
06. At The End Of This War
07. Through Blood And Dirt And Bone
08. Villainy Thrives
09. Incineration: The Broken World
10. Wake (The End Is Nigh)


Ein harter Downstroke – ein thrashiges Gitarrenriff. Ein lauter Schrei – TRIVIUM sind zurück. Nicht ganz so zerstörerisch, wie es vor zwei Jahren auf „In Waves“ losging und dennoch heavy genug. Für ihr insgesamt sechstes Studio-Album haben die Südstaatler erneut nicht einmal 30 Monate benötigt – fehlt nur noch, dass „Vengeance Falls“ das hohe Niveau seiner Vorgänger auch halten kann.

Erwartungsgemäß haben TRIVIUM den Härtegrad im Vergleich zu „In Waves“ generell zugunsten der Melodie herunter geschraubt. Für gelegentliche Ausbrüche hat es dennoch gereicht, denn als reine Heavy-/Melodic-Metal-Band stellt man sich die Amerikaner dann doch nicht vor. TRIVIUM haben einem allzu seichten Erscheinungsbild bereits durch die Produktion entgegen gewirkt: Die ist erdrückend fett ausgefallen – mittenreduziert und mit Betonung auf Bass und Lead-Gitarren donnert „Vengeance Falls“ wuchtig aus der Anlage.

Die Weichen für ein überzeugendes Release sind damit gestellt und TRIVIUM schaffen es ohne Probleme, auf die Gerade mit der größten Hitdichte einzubiegen: „Brave This Storm“ und „No Way To Heal“ glänzen mit zündenden Gitarrenmelodien und der nötigen Portion Härte. In den Strophen paaren sich thrashige Gitarren mit geshouteten Vocals, im Refrain packt Matt Heafy seinen punktgenauen Heavy-Metal-Gesang aus, der in Verbindung mit den melodischen Gitarren eine zielsichere Mischung ergibt.

Negativ fällt zwischenzeitlich der Titeltrack auf, da sich Sänger Matt Heafy hier auf eintönigen Gesang mit der immerselben Intonation à la Disturbed verlässt – ein monströser Groove und eine temporeiche Bridge kurz vor Ende machen dieses Manko jedoch wett. Für die „Hey“-Rufe in „Strife“, die sich TRIVIUM schon in der Studio-Version nicht verkneifen konnten, wird sie dennoch der ein oder andere (berechtigte) Sell-Out-Vorwurf erreichen, selbst wenn die erste Hälfte des Songs mit seinen gnadenlosen Nackenbrecher-Riffs Laune macht ohne Ende.

Man muss es Matt Heafy & Co. positiv anrechnen, dass sie es endlich mal geschafft haben, den selben Stiefel über zwei aufeinanderfolgende Alben durchzuhalten: Bei den letzten fünf Releases konnte man sich nie darauf verlassen, dass TRIVIUM die eingeschlagene Richtung beibehalten. „Vengeance Falls“ jedoch setzt genau da an, wo „In Waves“ eingeschlagen hat: Hymnische, schnörkellose Kompositionen zwischen Thrash und Heavy Metal mit einer kleinen Prise Melo-Death und einer großen Prise filigraner Gitarrenarbeit. Wenn man TRIVIUM einen Vorwurf machen möchte, dann, dass sie sich erkennbar kommerziell orientiert haben. Wenn dabei aber Lieder wie „To Believe“ rauskommen, nimmt man das gerne in Kauf.

Bewertung: 8.5 / 10

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7 Kommentare zu “Trivium – Vengeance Falls”

  1. Tobi

    Ganz ehrlich: Ich kann dieses Sell-Out/Kommerz Geschwafel absolut nicht nachvollziehen. Sie machen, wie du ja auch beschreibst, schnörkellosen Heavy/Thrash Metal. Ist Heavy Metal zu spielen jetzt kommerziell, hab ich da was verpasst? Meine Eltern werden sich jedenfalls durch dieses Album dazu hingerissen werden, jetzt Trivium zu hören….

  2. Pascal Stieler Post Author

    Ich würde das nicht als Geschwafel bezeichnen, sondern lediglich als einen Kritikpunkt an einem ansonsten richtig coolen Album, wie du ja auch an der Note siehst.

  3. Christoph Emmrich

    Ich seh das ähnlich. Außerdem wird an der Stelle ja nur wahrscheinliche Kritik antizipiert – die es für den Song wohl auch geben wird. Ansonsten kann man bei der Bewertung kaum davon ausgehen, dass der abnd Ausverkauf vorgeworfen wird.
    Was hören deine Eltern denn so, Tobi? ;)

  4. Tobi

    Sicherlich wird es die Kritik geben, das macht sie für mich aber nicht berechtigter! Und so einen Satz wie „Wenn man TRIVIUM einen Vorwurf machen möchte, dann, dass sie sich erkennbar kommerziell orientiert haben.“ kann ich einfach 0 nachvollziehen. Wenn eine Band auf einmal von Metal/Rock zu soften Pop umsteigt, dann vielleicht, aber nicht hierbei. Solche Debatten kann ich auch bei Bands wie CoF oder Dimmu ebensowenig verstehen ;) Meine Eltern hören jedenfalls keinen Metal :D

  5. Christoph Emmrich

    Ich kann den von dir genannten Satz schon nachvollziehen. Vergleich die neue Scheibe doch mal mit der „Ascendency“ – das ist doch ein ganz ernomer Schwund an Härte, gepaart mit mehr melodischen Parts und einfacheren Songstruckturen. Und das ist dann einfach masssentauglicher, ergo potentiell komerziell erfolgreicher.
    Muss man der Band nicht vorwerfen, da das ja qualitiativ keine Auswirkungen haben muss, kann man der Band aber vorwerfen, wenn man das als Kritikpunkt wertet – nichts anderes hat Pascal geschrieben.

  6. Tobi

    Klar haben sie sich von Thrash/Death zu Thrash/Heavy gewandelt. Aber ist das denn gleichzeitig eine Anbiederung an den Mainstream? Sind Katatonia bei der Wandelung vom Black Metal zu Dark Metal/Rock kommerzieller geworden? Für mich ist das ein ehrlicher und musikalisch nachvollziehbarer Wandel.

  7. Pascal Stieler Post Author

    Du musst halt richtig lesen – für mich ist das auch ein ehrlicher und musikalisch nachvollziehbarer Wandel. Man kann ihn trotzdem kritisieren, wie man jeden Wandel kritisieren kann, gerade, wenn er in diese Richtung geht.

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