Review Tsjuder – Legion Helvete (–)

  • Label: Season Of Mist
  • Veröffentlicht: 2011
  • Spielart: Black Metal

„TSJUDER sind zurück!“ – „Aha.“
In den Ohren vieler Fans mag das eine an Blasphemie grenzende Aussage sein, und den Satanisten unter ihnen dennoch nicht gefallen – gehören TSJUDER doch irgendwie dazu. Zum truen Black Metal, zur Szene, auf jede echte Black Metal Kutte. So richtig kann ich das allein aus ihrer Biographie jedoch nicht herleiten, wurde die Band doch erst 1995 gegründet und debütierte im Albumformat erst im Jahre 2000. Und auch, wenn ich das Album zugegebenermaßen nicht kenne, lässt der Titel „Kill For Satan“ nicht eben erwarten, dass man den damaligen Szene-Horizont sonderlich zu erweitern gedachte. Nun sind sie also nach ihrem Split 2006 zurück und legen mit „Legion Helvete“ ihren vierten Langspieler vor.

Und auf diesem geht man auch gleich medias in res: Ohne auch nur den Versuch eines Intros startet „The Deamon Throne“ direkt mit Vollgas – von 0 auf 100 in einer Sekunde quasi.
Was man, ist der erste Schrecken über den überfallartigen Start der Platte verwunden, hört, ist zunächst Hochgeschwindigkeitsgesäge, treibendes Drumming und Keiffgesang. Black Metal eben. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Denn wie sich schon nach einigen Songs zeigt, kochen TSJUDER dabei auch nur mit Wasser – ohne Würze, ohne Kreativität und ohne das gewisse Etwas, das auch aus einer truen Black Metal-Brühe ein wohlschmeckendes Süppchen macht:
Über weite Strecken schleudern TSJUDER dem Hörer statt dessen eine ziemlich lieblos zusammengeschusterte Ansammlung aus schnellen Riffs schlampigen Single-Note-Läufen, 08-15-Riffs und absolut gesichtslosem Geschrei entgegen, die vollkommen ohne Atmosphäre auskommt und schon nach einigen Minuten, und von Minute zu Minute weniger dezent, zu nerven beginnt: Die Hektik von 1349 trifft hier die Belanglosigkeit manchen Setherial-Riffs mit dem stumpfen Geprügel alter Watain-Scheiben, lieblos vermengt, durch den Fleischwolf gedreht und ohne auf Übergänge oder eine ausgewogene Kombination zu achten, zusammengemanscht. Dass TSJUDER durch den einen oder anderen langsameren Part Abwechslung in die Chose zu bringen versuchen, machts am Ende eher schlimmer als besser, wirkt das Ergebnis so doch noch orientierungsloser – Atmosphäre kommt so jedenfalls nicht auf.
Im Gegensatz zu allen genannten Bands, die ihre Sache jeweils trotzdem gut machen, oder sich zumindest mit der Zeit in ihrem Sektor Souveränität erarbeiteten, klingen TSJUDER dabei heilos überfordert: Abgesehen davon, dass der Gesang schlichtweg langweilig ist, und jeglicher Versuch, durch diesen Spannung in die Sache zu bringen, heilos scheitert, sind es gerade die Gitarren, die hier Ärger bereiten – denn wo 1349 auch bei höchstem Tempo noch akkurat einzuspielen in der Lage sind, gibt es hier einige Stellen, bei denen man mehr als deutlich heraushört, dass das hier das Tempo schneller war als die Finger: Es quietscht und hudelt an allen Ecken und Enden, und so manches Riff verliert schlicht an Kontur – weniger ist manchmal bekanntermaßen mehr, das gilt auch für die bpm-Zahl… selbst im Black Metal.

Offenbar kann man an „Legion Helvete“ gefallen finden, wie Kollege Mutz beweist. Allein, ich finde ihn nicht, sehe ich doch keinen einzigen Aspekt, in dem TSJUDER allen genannten, und darüber hinaus auch den meisten anderen truen Black Metal-Bands etwas voraus hätten. Statt dessen gehen sie hier ebenso uninspiriert und langweilig zu Werke, wie der Layouter, der für die optische Umsetzung zuständig war – aber wollen wir den guten Mann nicht vorverurteilen… sollte seine Vorgabe eine adäquate Umsetzung der Musik gewesen sein, hat er schließlich alles richtig gemacht. Hier wird jetzt jedenfalls, zur Entspannung, erstmal „Hellfire“ von 1349 eingelegt…

Wertung: 3.5 / 10

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