VALDRIN, oder genauer Valdrin Ausadjur, der namensgebende Protagonist des von der Band kreierten „Ausadjur-Mythos“, hat richtig schwere Zeiten vor sich. War er auf dem letzten Album „Throne Of The Lunar Soul“ noch in seiner Heimat, einem fiktionalen heiligen Königreich unterwegs, so wird auf der neuen EP der Amerikaner der sogenannte „Apex Violator“ beschrieben. Eine böse Entität, die den „Throne Of The Lunar Soul“ an sich reißen will.
Die Geschichte ist nicht nur düster – „Apex Violator“ klingt auch so. Denn mag der fantastische Überbau von VALDRIN doch sehr eigen wirken, ist die Musik, die von der Ausadjur-Geschichte umrahmt wird, alles andere als schlecht. „Throne Of The Lunar Soul,“ den jetzt der „Apex Violator“ zu besteigen versucht, ist ein Album voller Melodien und abwechslungsreicher Arrangements, das einzig an seinen 73 Minuten Länge hier und da Boden einbüßt. Daraus scheint die Band vorerst gelernt zu haben, kommt die aktuelle EP doch gerade auf etwas über 29 Minuten.
Tatsächlich wird „Apex Violator“ nach wie vor durch viel Melodie definiert, dies jedoch weit weniger „kitschig“ als auf seinem Vorgänger. Der neue Output von VALDRIN ist nichts weniger als rasender, extrem giftig klingender Black Metal, den man wohl am ehesten mit sehr, sehr finsteren DIMMU BORGIR, AKHKYS und einem Hauch NAGLFAR vergleichen kann.
Schon der Eröffnungstitel „Poison Vents“ erlaubt dem Hörer keinerlei Gemütlichkeit. Präzises Drumming und keifende Vocals werden in dichte (hier im wahrsten Sinne des Wortes) unheilvolle Gitarrenmelodien eingewoben. Die Keyboards sind bei VALDRIN wie erwähnt klanglich sehr retrospektiv, wodurch der Charme der Neunziger Jahre auf eine sehr moderne Art und Weise in die Gegenwart übertragen wird.
Die vier folgenden Songs funktionieren dann im Grunde nach dem gleichen Prinzip, sind deshalb aber weder langweilig noch weniger unterhaltsam. „Black Imperial Smoke“ kann durch seine dystopisch-melancholische Atmosphäre und sein kalkuliertes Chaos überzeugen, während ein Titel wie „Ignite The Murder Shrine“ ein „Banger“ par excellence ist. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass dieser Song das Glanzstück der EP darstellt. Nicht mehr allzu oft schaffen es Bands derart roh und doch druckvoll zu demonstrieren, was die Essenz von Black Metal ausmacht. Tolle Tempowechsel bei den Drums verbinden sich mit intensiven Gitarrenarrangements, während das Keyboard präsent, aber nie überbordend für Atmosphäre sorgt.
Eigentlich ist es egal, welchen der fünf Titel man genauer besprechen möchte – VALDRIN bringen mit „Apex Violator“ fertig, woran „Throne Of The Lunar Soul“ gelegentlich scheiterte: nämlich auf nicht einmal einer halben Stunde Spielzeit fünf durchweg starke Songs zu platzieren, die – wenn man Keyboards tolerieren kann – bei nicht wenigen Black-Metal-Fans Anklang finden werden. Es ist schon fast schade für den Rezensenten, getreu den Regeln seiner geschätzten Redaktion, hier keine Bewertung in Zahlen abgeben zu dürfen. Es hätte nämlich satte neun von zehn Punkten für „Apex Violator“ gegeben.
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