Review Valdrin – Beyond The Forest

Erstaunlich, dass es immer noch Bandnamen im (Black-) Metal-Bereich gibt, die sich bisher niemand hat einfallen lassen. VALDRIN ist so einer, so betitelte sich eine junge Kapelle aus Cincinnati, die sich der eher melodischen Seite des dunklen Stahls verschrieben hat. „Beyond The Forest“ ist das erste Lebenszeichen der Amerikaner und dieses ist gleich mit deutlich über einer Stunde Material prall gefüllt.

Dabei sollte von Anfang an nicht der Verdacht aufkommen, es könnte Füllstoff dabei sein. Jede der elf Nummern (plus ein Intro) ist interessant und abwechslungsreich durcharrangiert. Dabei bedienen sich VALDRIN den Facetten, die die Spielart bereithält. Der Gesang besitzt dabei noch die wenigsten Dimensionen, fieses Schreien steht auf dem Programm, aber dies geschieht weitgehend auf wirklich vernünftigem Niveau, also keinerlei Klagen darüber. An Hall wird nicht gespart, das dürfte die Verfechter des „wahren“ Geistes stören, aber denen sollte man „Beyond The Forest“ ohnehin nicht ans Herz legen.
Denn als absolut bandprägend wird das Keyboard eingesetzt. Kaum eine Passage kommt ohne die Tasten aus, in der Regel sind es epische Flächen, die den Weg für die anderen Instrumente bereiten. Nicht spektakulär, aber enorm wirkungsvoll, zumal das Grundtempo maximal mittig anzusiedeln ist. Vereinzelte Attacken des Schlagzeugs sind da natürlich inbegriffen, grundsätzlich übertreibt man es mit dem Gaspedal aber nicht.
Warum auch, denn die Songs klingen so, wie sie sind, gut. Der über zehn Minuten lange Titletrack ist vielleicht nicht musikalisch, aber strukturell schon fast als progressiv zu bezeichnen, „Rusalka Succubus“ besticht durch eine feine Leistung an der Gitarre, während „Through The Catacombs“ und „Darkness As Black As Evil“ ihre Stärken durch sehr eingängige Keyboardmelodien zum Ausdruck bringen.
Mittlerweile ist ein guter Sound für die Musikrichtung nicht mehr so unüblich, VALDRIN bilden hier zum Glück keine Ausnahme und fahren ein ordentliches Brett auf, welches transparenten Einblick in alle Instrumente bietet. Warum machen das eigentlich nicht alle so, es wäre doch schade, wenn vor allem die schönen Soli in einem Rauschen untergehen würden.
Dazu noch ein Wort zu den Texten, die Titel pfeifen es wie die bekannten Spatzen vom Dach, hier gibt man sich genau wie bei der Musik keine Mühe, seine „Herkunft“ zu verbergen. Passt ganz gut, etwas mehr Innovation wäre in diesem Bereich vielleicht wünschenswert, aber das ist nur ein marginales Problem.

Halten wir also mal fest: Man gibt sich keinerlei Mühe, irgendwelche Klischees zu kaschieren oder gar zu umschiffen. Weder textlich noch musikalisch bieten VALDRIN irgendetwas, was es nicht schon viele Male gab oder was man von ihnen nicht erwarten würde. Aber genau das machen sie auf „Beyond The Forest“ richtig, ja überraschend gut. Die Atlanten müssen mal wieder neugeschrieben werden, Skandinavien liegt 2014 in Nordamerika.

Wertung: 8 / 10

Publiziert am von Jan Müller

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