CD-Review: Vltimas - Something Wicket Marches In

Besetzung

David Vincent – Gesang
Rune „Blasphemer“ Eriksen – Gitarre
Flo Mounier – Schlagzeug

Tracklist

01. Something Wicked Marches In
02. Praevalidus
03. Total Destroy!
04. Monolilith
05. Truth And Consequence
06. Last Ones Alive Win Nothing
07. Everlasting
08. Diabolus Est Sanguis
09. Marching On


Rune Eriksen, besser bekannt als Blasphemer, ist ein Mann, der keine Genregrenzen kennt und gerade deswegen große Musik schreiben kann. Das hat er nicht nur im Black Metal mit seinen visionären Mayhem-Alben „Grand Declaration Of War“, „Chimera“ und „Ordo Ad Chao“ unter Beweis gestellt, sondern auch mit Ava Inferi, dem gemeinsamen Gothic-Doom-Projekt mit seiner Frau Carmen Susana Simões, dessen letztes Werk „Onyx“ ebenfalls nichts weniger ist als ein Meisterwerk.

Nachdem er zuletzt (ebenfalls mit seiner Frau) mit Earth Electric dem progressiven Heavy Metal gefrönt und mit seiner Stammband Aura Noir 2018 ein neues Album veröffentlicht hatte, wurde unlängst mit VLTIMAS sein nächstes Projekt angekündigt – und was für eines: Death Metal sollte es diesmal werden, mit niemand geringerem als Cryptopsy-Schlagzeuger Flo Mounier und dem von seiner Band Morbid Angel 2015 verstoßenen Sänger David Vincent. Das Lineup spektakulär, die Promomaschinerie von Season Of Mist geölt – entsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit, entsprechend reichlich werden Vorschusslorbeeren verteilt. Aber sind diese auch berechtigt?

Bei den ersten Takten des Albums (und damit des Titeltracks) direkt ein Déjà-vu. Anders als eine echte Sinnestäuschung lässt sich diese allerdings aufklären: In roherem Sound hatte Blasphemer die Idee dieses Intros eigentlich schon in Mayhems „Psychic Horns“ („Ordo Ad Chao“) verarbeitet. Aber sei’s drum: Als wenig später die Maschinengewehrsalven der Doublebass einsetzen, David Vincent „Ahrg“ (oder Vergleichbares) schreit und Rune der Gitarre ein hübsches Death-Metal-Riff entlockt, ist dieser kleine Fauxpas schnell vergessen. Zumal das, was nun zu hören ist, durch seinen militärischen Touch nun auch eher an Morbid Angels Illud Divinum Insanus“ denn an Mayhem denken lässt. Dazwischen wechselt der Song noch ein paar Mal übergangslos hin und her – spätestens nach dem dritten Mal wirkt das Ganze dann leider so ausgelutscht wie zerfahren.

Dass dem Song dennoch ein ganzer Abschnitt in dieser Besprechung zugestanden wird, hat einen einfachen Grund: Er gehört trotz allem fraglos zu den besseren Stücken des Albums. Im Folgenden ziehen VLTIMAS das Tempo zwar mitunter ziemlich an – allerdings wird weder das Riffing, noch der immer gleich klingende Gesang von David Vincent dadurch spannender. Einzig Mouniers Schlagzeugspiel weiß in Tempo und Präzision zu faszinieren – allerdings eher auf die Art, auf die ein Food-Challenge-Video fasziniert: Krass, was der kann. Aber schön ist es deswegen nicht.

Auch nicht schön ist, wenn Vincent in „Monolilith“ versucht, seinem ewig gleichen, stilistisch schwierigen, weil recht „stimmreichen“ Erzählgrowlen noch eine zweite Gesangsart zur Seite zu stellen und sich, verstärkt durch einen kleinen Chor, im Klargesang versucht. Etwas, aber auch nicht viel stimmiger sind da noch die Oh-Oh-Chöre in „Diabolus Est Sanguis“ und „Marching On“ – wirklich Atmosphäre kommt dabei aber auch nicht auf.

Welche Stimmung VLTIMAS beim Hörer durch ihre Songs erzeugen, welche musikalische Geschichte sie erzählen wollen, bleibt dabei völlig offen: Während Vincent die Band als Morbid-Angel-Ersatz nutzt und einfach weitergrunzt, als wäre nach „Illud Divinum Insanus“ nichts passiert, gelingt es Blasphemer diesmal nicht, seinem Werk besagten eigenständigen Charakter zu verleihen – wohl sehr zur Freude von Mounier, der deswegen über eigentlich jedes Riff so viel und schnell spielen kann, wie er eben kann, ohne an so etwas wie Atmosphäre viele Gedanken verlieren zu müssen. Dass deswegen auf dem technischen Level nur das Schlagzeug heraussticht, während Gitarrensoli Mangelware sind, macht das Resultat nicht eben spannender. Das haben etwa Vader schon X-mal besser hinbekommen.

Selbst für ein „gewöhnliches“ Death-Metal-Album wäre „Something Wicked Marches In“ eine ziemlich flache Nummer: Technisch astrein, kompositorisch jedoch ziemlich gesichtslos. Komplex, vielschichtig oder auch nur spannend ist hier nur das Artwork von Zbigniew Bielak. Gerade mit diesem vielversprechenden Cover und gerade vor dem Background, dass man es hier mit einem weiteren so genannten „Allstar-Projekt“ zu tun hat, ist es in seiner ganzen Belanglosigkeit jedoch schlichtweg enttäuschend.

Bewertung: 5 / 10

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