CD-Review: Volbeat - Outlaw Gentlemen & Shady Ladies (Tour Edition)

Besetzung

Michael Poulsen – Gesang, Gitarre
Rob Caggiano – Gitarre
Anders Kjølholm – Bass
Jon Larsen – Schlagzeug

Gastmusiker:
King Diamond – Gesang (CD-Track 06)
Mark „Barney“ Greenway – Gesang (DVD-Track 11)
Sarah Blackwood – Gesang (CD-Track 11)
Paul Lamb – Mundharmonika (CD-Track 01)

Tracklist

Album:
01. Let's Shake Some Dust
02. Pearl Hart
03. The Nameless One
04. Dead But Rising
05. Cape Of Our Hero
06. Room 24
07. The Hangman's Body Count
08. My Body
09. Lola Montez
10. Black Bart
11. Lonesome Rider
12. The Sinner Is You
13. Doc Holliday
14. Our Loved Ones

DVD:
01. Another Day, Another Way
02. Guitar Gangsters & Cadillac Blood
03. The Nameless One
04. Heaven Nor Hell
05. 16 Dollars
06. The Hangman's Body Count
07. Dead But Rising
08. Lola Montez
09. Cape Of Our Hero
10. Doc Holliday
11. Evelyn
12. Sad Man's Tongue
13. Maybellene I Hofteholder


Über eine Tour Edition im Allgemeinen lässt sich ja wenig Schlechtes sagen, wenn man mal davon absieht, dass sie Boni bietet, die der Erstkäufer nicht bekam. Dieses Prinzips haben sich schon viele Bands aus dem Heavy Metal bedient: Am Ende einer erfolgreichen Tour gibt es eine Neuauflage des betourten Albums, die Extramaterial bietet. Oft sind das Bonus-Tracks, Fotobücher oder Liveaufnahmen in Ton oder gar Bild. Genau diesen Weg gehen nun auch VOLBEAT, die sich in der Promotion ihres aktuellen Albums „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ wahrlich das Gesäß abgetourt haben. Über das Album hatten wir bei Release wie folgt berichtet:

Wer bitte mag VOLBEAT nicht? Was diese Band anfasst, wird Gold: vier großartige Alben, ausverkaufte Tourneen in Europa und – als europäische Band selten – sogar in den USA, kommerzieller Erfolg in den Charts und doch street credibility im Heavy Metal, Innovationen auf jedem Album und doch ein unverkennbarer Signature-Sound. Ihr neues Album „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ steht jetzt in den Startlöchern – was soll da schon schief gehen? 

Die Technik jedenfalls nicht. Das Erste, was an dem neuen Album auffällt, ist die unglaublich gute Produktion. Ein bisschen heavier, ein bisschen präziser als bei den letzten Alben schlägt dem Hörer schon beim Intro „Let’s Shake Some Dust“ eine derartig gelungene, satte, differenzierte Produktion entgegen, dass man es zuerst kaum glauben will. Geld in Studiozeit zu investieren lohnt sich eben doch. Perfekt aufeinander abgemischte Instrumente, unglaubliche Klangtiefe und dabei doch exakte Mischung – Jacob Hansen und Rob Caggiano haben ganze Arbeit geleistet. Überhaupt ist der erste Track das beste Intro, das ich seit langem gehört habe, und baut eine wunderbare Stimmung für den kommenden Audio-Western auf. Denn thematisch haben VOLBEAT auf „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ die Pferde Richtung Wilder Westen gesattelt: Historische Figuren wie Doc Holliday, Pearl Hart oder Black Bart (jeweils mit gleichnamigem Track) reihen sich so neben Eigenkreationen wie die über ein mysteriöses Hotelzimmer im Mittleren Westen der USA („Room 24“). 

Atmosphärisch und technisch ist das Album also topp. Musikalisch allerdings gibt es etwas weniger Innovationen, als man hätte erwarten können. VOLBEAT klingen, nun ja, vor allem nach VOLBEAT. Es ist immer noch der großartige Sound, den sie spätestens seit „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ etabliert haben. Natürlich gibt es kaum etwas daran auszusetzen, wie sie gezielt Heavy Metal, Rockabily und in kleinerem Maße Country-Elemente vermischen. Wer aber gedacht hätte, es gäbe einen Entwicklungssprung, wird enttäuscht sein. Eine dezent andere Richtung gibt es allerdings durch ein paar neue Rhythmus-Elemente, wie z. B. in „Dead But Rising“ oder dem gelungenen Duett „Lonesome Rider“. Auch experimentiert VOLBEAT ganz sachte mit Choreffekten in den Refrains („Doc Holliday“). Insgesamt bleiben die Ergänzungen zum üblichen Sound auf „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ aber minimal. Dafür ist der Gesang von Michael Poulsen etwas anders als sonst geraten. Von den üblichen extrem schnellen Gesangspassagen hat er sich ferngehalten und reizt dafür lieber sein Stimmvolumen in Gänze aus (z. B „The Sinner Is You“). 

Das ist alles nicht wirklich schlecht. Der Mangel an Innovationen befördert aber einen etwas überraschenden Effekt: Es gibt leichte Abnutzungselemente auf „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“. Manche Songs kommen nicht ganz auf den Punkt, ihnen fehlt gewissermaßen das i-Tüpfelchen, das man von einer Band wie VOLBEAT erwartet hätte. Erstaunlicherweise ist gerade schon der erste richtige Track, „Pearl Hart“, so ein Fall. Auch fragt man sich manchmal – wenn auch nicht oft! – ob die Melodieführung in Gitarre oder Gesang nicht schon einmal auf einem der vorigen Alben ganz ähnlich war. 

Demgegenüber stehen natürlich unbestreitbare Großleistungen. Das zentral platzierte Duett mit King Diamond, „Room 24“, ist einfach ein herrliches Stück geworden, das ungewohnte Facetten an VOLBEAT aufzeigt. Die Coverversion „My Body“ hat einen wunderbar entspannten Rhythmus und eine aufmunternde, positive Botschaft. Und der Rausschmeißer „Our Loved Ones“ könnte wohl kaum einen schöneren Refrain haben. Ganz, ganz große Musik. Und deshalb gibt es trotz allererster Anzeichen von Ermüdungserscheinungen doch eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“. 

Damalige Bewertung: 9 Punkte
Damaliger Rezensent: Marc Lengowski

Die Tour-Edition kommt nun in einem edlen Schuber und mit Bonus-DVD. Aber auch am Booklet haben VOLBEAT gedreht: War es schon in der ersten Fassung sehr stimmungsvoll gestaltet, enthält es nun neben den Texten auch diverse Fotografien von der Festivaltour, die VOLBEAT im Sommer absolviert haben. Rein optisch ist die Aufbereitung also gelungen. Wie sieht es mit dem Inhalt aus?

„Outlaw Gentlemen & Shady Ladies (Tour Edition)“ bietet auf der Audio-CD mit „Ecotone“ genau einen Bonustrack, der von einer ganz kurzen Synthesizer-Passage abgesehen die Linie des Albums schlicht fortsetzt. Man könnte darüber streiten, ob die Scheibe nicht mit „Our Loved Ones“ das bessere Ende hatte, aber was soll’s – ein Track mehr ist wohl ein Track mehr. Schwerer wiegt da die beiliegende DVD. Auf 60 Minuten Spielzeit gibt es hier 13 Tracks von der Festival-Tour des letzten Sommers. Verewigt wurden Auszüge von den Festivals Rock’n’Heim, Download Festival, Rock Am Ring und Roskilde (mit dänischen Ansagen). Erfreulicherweise wurden dabei nicht etwa nur Songs des aktuellen Albums bedacht, sondern es finden sich auch ältere Lieder auf der Scheibe.

Die Aufnahmen bieten tatsächlich einen guten Einblick in die Stimmung bei einem VOLBEAT-Konzert. Die Band hat sichtlich Vergnügen auf der Bühne, leistet sich nur wenige Spielfehler und wird vor allem vom Publikum gefeiert, als gäbe es kein Morgen. Zwischenzeitlich fragt man sich, ob die Dänen nicht auch hätten „Hänschen klein“ spielen können – die Reaktionen wären wahrscheinlich dieselben gewesen. Somit ist die DVD ein tolles Zeugnis davon, was für eine großartige Live-Band VOLBEAT sind.

Es bleibt das alte Leid: Fans haben das Album schon. Sollen sie es nun für eine DVD und einen Bonustrack erneut kaufen? Das müsst ihr selbst entscheiden. Aber in jedem Fall ist „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ in der Tour Edition noch einen Tick besser geworden, weshalb wir es noch einmal aufwerten. Wer es noch nicht hat, sollte spätestens jetzt zuschlagen.

Bewertung: 9.5 / 10

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