Volbeat Servants Of The Mind Coverartwork

Review Volbeat – Servant Of The Mind

Ab ihrem Debütalbum „The Strength / The Sound / The Songs” (2005) waren die Dänen Everybody’s Darling der Rock- und Metalszene. Mit ihrem schmissigen Mix aus Rock ’n’ Roll, Rockabilly, 50s-Vibe und Heavy Metal erreichten sie von Beginn an Fans über all diese Genregrenzen hinaus. Schnell war abzusehen, dass VOLBEAT auf dem Weg nach ganz oben nicht mehr aufzuhalten sein würden: Die zweite Platte „Rock The Rebel / Metal The Devil“ (Album des Monats Februar 2007 bei Metal1.info) sowie die dritte Scheibe „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ (Album des Jahres 2008 bei Metal1.info) setzten die musikalische Eroberung der europäischen Rockwelt ungebremst fort.

Längst waren VOLBEAT vor allem in Dänemark im musikalischen Mainstream angekommen und auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen galt: Das ist eine dieser Bands, die irgendwie jedem gefällt. Folgerichtig ging der kometenhafte Aufstieg nach den ersten Alben weiter und anno 2021 sind VOLBEAT längst ganz oben angekommen und eine der erfolgreichsten und größten Rockbands unserer Zeit. „Servant Of The Mind“ heißt Studioalbum Nummer acht und führt den Weg der letzten Veröffentlichungen „Seal The Deal & Let’s Boogie“ (2016) und „Rewind, Replay, Rebound“ (2019) konsequent fort. Das ist mitnichten überraschend, aber umso bedauerlicher.

Was kann man von VOLBEAT heutzutage noch erwarten? Mit der kurzen und knackigen Tanzgranate „Wait A Minute My Girl“ und dem emotional-melodischen „Dagen Før“ mit Gastsängerin Stine Bramsen (Alphabeat) haben VOLBEAT bereits im Sommer 2021 die ersten beiden Vorabtracks von „Servant Of The Mind“ veröffentlicht und damit durchaus ein gutes Händchen bewiesen. Ein schneller Track mit Saxophon-Solo und ein balladesker Rocker konnten als einzelne Songs überzeugen und ließen auf eine abwechslungsreiche Scheibe schließen. Aber sonst? Sonst wird’s schwierig.

VOLBEAT gehen so unverschämt auf Nummer sicher, dass es schmerzt. Michael Poulsen hat das Album laut eigenen Angaben innerhalb von drei Monaten während der Pandemie geschrieben und Corona habe auch seine Spuren im Songmaterial hinterlassen. Ist Corona nun also schuld daran, dass die meisten Songs auf „Servant Of The Mind“ gebremste Schnarcher sind, die auf VOLBEAT-Alben vor 2016 („Seal The Deal & Let’s Boogie„) nicht mal als Füllmaterial gut genug gewesen wären? Es wird viel VOLBEAT-Standardkost geboten, die inzwischen altbacken und trocken schmeckt. „Shotgun Blues“ etwa erfreut zuerst durch ein hartes Riff – fast ohne nennenswerte Varianz in einem viereinhalbminütigem Song ist das aber arg mager. Der über sechsminütige Song „The Sacred Stones“ tappt in eine ähnliche Falle: Das Leadriff groovt echt ordentlich, bis auf das Solo in der letzten Minute passiert hier aber einfach nichts Interessantes. “Lasse’s Birgitta“ nimmt sich sogar acht Minuten Zeit und wechselt immerhin zwischen einem doomigen Old-School-Heavy-Riff und schnelleren Passagen – eine mitreißende Dynamik baut aber auch dieser Track nie auf.

Mit dem großartigen Tarantino-Elvis-Kracher „The Devil Rages On“ ist immerhin einer der besten Songs der Bandgeschichte an Bord. Doch wo steckt diese Songwriting-Qualität in den restlichen Tracks? Hier und da gibt es immer wieder gute Momente, etwa schöne Soli wie in „Say No More“ oder die bittersüße Note des Openers „Temple Of Ekur“. Ansonsten herrscht Langeweile. Die Songs rauschen beliebig am Hörer vorbei, Ohrwürmer gibt es auch nach mehreren Durchläufen kaum, interessante instrumentale Momente sind Mangelware. Die aalglatte Produktion ohne jegliche Kanten gibt der Musik kaum die Gelegenheit, sich in den Gehörgängen festzukrallen. Poulsen weiß seine geschliffene, einzigartige Stimme perfekt einzusetzen, versucht dabei aber leider nichts Neues oder Ungewöhnliches. Fast alles ist dröger Dienst nach Vorschrift. Selbst das wäre aber nicht mal so tragisch, würden die Songs nur annähernd das Niveau erreichen, das VOLBEAT selbst schon so oft aufgezeigt haben. Wo sind die spannenden und aufregenden Songs? „Heavens Descent“ etwa hat Potenzial, wirkt aber unheimlich hölzern. Können unter 13 Tracks tatsächlich nur „Wait A Minute My Girl“, „Dagen Før“ und „The Devil Rages On“ so richtig positiv herausstechen?

Poulsen kündigte an, „Servants Of The Mind“ sei das härteste VOLBEAT-Album. Ja, härter als alles seit „Beyond Hell / Above Heaven“ ist die neueste Scheibe auf jeden Fall. Aber härter ist ja nicht gleich besser. „Rewind, Replay, Rebound“ zum Beispiel war kein schlechtes Album, weil es poppig, fluffig-weich und unverschämt mainstreamig war – es war ein schlechtes Album, weil das Songwriting einfallslos und die meisten Lieder langweilig waren. „Servants Of The Mind“ reiht sich trotz zurückgewonnener Härte also leider schnurstracks hinter seinen Vorgängern ein und ist deshalb wenig überraschend eine Enttäuschung. VOLBEAT haben ihre Formel gefunden, VOLBEAT wissen inzwischen ganz genau, wie sie mit so wenigen Akkorden wie nötig so viel Aufmerksamkeit und Kohle wie möglich generieren können. Der Masse gefällt es, die Masse frisst Poulsen & Co. gierig aus den Händen – warum sollte das Erfolgsrezept also geändert werden? Dem Quartett kann man schließlich keinen Vorwurf machen, wenn es selbst inzwischen also am liebsten diese spannungsarme, lahme, konforme Musik mag und produzieren will – und damit den Status als eine der größten Rockbands des Planeten zementieren kann. Die Fanbasis wird weiter wachsen, dazu wird auch „Servant Of The Mind“ beitragen. VOLBEAT sind zwar nach wie vor unverkennbar VOLBEAT, aber nur noch ein blasses Abziehbild ihrer begeisternden Glanzzeiten.

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Wertung: 4.5 / 10

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7 Kommentare zu “Volbeat – Servant Of The Mind

  1. Um es vorweg zu nehmen, ich finde das Album klasse. Ich kannte die Gruppe vorher nur beiläufig, fand die Musik aber nicht so überzeugend, dass ich mir ein Album gekauft hätte. Irgendwie waren die Songs alle ähnlich zueinander, was ich nicht besonders mag. Dieses Album habe ich tatsächlich gekauft, weil viele unterschiedliche Stilrichtungen zusammengemixt sind und ich beim Probehören nicht einen einzigen Song geskippt habe. Je öfter ich die Songs höre, desto besser finde ich das neue Gesamtwerk. Die Diskussion hier erinnert an die, die viele Gruppen bei den Fans durchlaufen, sobald sie sich eine große Fanbase erarbeitet haben und den Stil mainstreamig weiterentwickeln. Rammstein sei hier exemplarisch genannt (ich liebe die Musik und die Texte vor allem). Mein Tipp: locker bleiben, Volume 11, abrocken!

    1. Auch wenn ich deiner Meinung zur Musik an sich nicht zustimmen kann, ist deine Aussage genau richtig. Dir gefällt die Musik besser als zuvor, du genießt das Album und das ist wunderbar!
      „Locker bleiben“ ist da exakt die richtige Einstellung. Mit meiner Review will ich das Album ja auch niemandem schlecht reden und erst recht will ich niemandem meine Meinung und meine Ansichten aufzwingen. Wie man hier sieht, stimmen manche zu und manche nicht, was bei einer inzwischen kontroversen Band wie Volbeat eben so ist.
      Danke für deine Meinung und weiterhin viel Spaß mit dem Album :-)

  2. Kann dem Review auch nur beipflichten: Härter ja, aber belanglos. Kein Vergleich zu den o.g. ersten Alben.
    Auch live wirkt alles perfekt durcharrangiert ( ich war 2019 in Köln). Da passiert nichts Spontanes.
    Die sind einfach zu schnell zu gross geworden. Ich kann damit nichts mehr anfangen.

  3. So viel Meinung mit so wenig Ahnung hab ich selten gelesen. Als wäre der Autor neidisch auf den Erfolg der Band. Ich bin ein Fan der ersten Stunde. Die letzten beiden Alben waren völliger Mainstream, aber verständlich. Die wollen halt, wie wir alle, Geld verdienen. Diesmal sollten die älteren Fans und die Fans, die aufgrund des Mainstreams dazu gekommen sind zufrieden gestellt werden und sieht man das Album einmal unter dieser Prämisse, ist es durchaus gelungen, meiner Meinung nach. Aber was weiß ich schon… 😜

    1. Anscheinend nicht so viel, wenn man deine Ergüsse so liest. Der alte Vorwurf mit „der ist ja bloß neidisch!!!11einself“ … war schon auf dem Schulhof lächerlich. Und den grottigen Output von ner Band mit „die wollen halt Geld verdienen“ und „die wollen halt die Fans zufrieden stellen“ zu rechtfertigen und es im gleichen Atemzug trotzdem noch geil zu finden, is halt auch total banane. Reden wir hier von ner Musikgruppe (also mutmaßlich Künstler) oder von ner Firma? Offenbar von letzterem.

      1. In welcher Welt lebst du eigentlich? Natürlich geht’s ums Geld verdienen. Die Frage ist doch nur: Klingt das dann immer noch gut? In diesem Fall sage ich dazu: Ja! Aber lass uns bitte sachlich bleiben. Vielleicht war meine Wortwahl auch recht schroff. Ich fand halt die Analyse recht hart. Deswegen waren es auch meine Worte. Fakt bleibt für mich: Ja, Volbeat sind in den letzten Jahren recht kommerziell geworden. Gefällt mir das dennoch noch? Die letzten beiden Alben eher weniger. Das Neue aber schon. Die Live Shows sind immer klasse und somit bleibe ich weiter Fan.

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