CD-Review: Voodoo Circle - Raised On Rock

Besetzung

Herbie Langhans – Gesang
Alex Beyrodt – Gitarre
Mat Sinner – Bass
Corvin Bahn – Keyboard
Francesco Jovino – Schlagzeug

Tracklist

01. Running Away From Love
02. Higher Love
03. Walk On The Line
04. You Promised Me Heaven
05. Just Take My Heart
06. Where Is The World We Love
07. Ultimate Sin
08. Chase Me Away
09. Unknown Stranger
10. Dreamchaser
11. Love Is An Ocean
12. Time For The Innocent (Bonustrack)
13. There’s More To See (Bonustrack)


Man möchte sich fragen, wann Alex Beyrodt überhaupt schläft: Wenn der Saitenhexer nicht gerade mit Primal Fear durch die Lande zieht, greift er entweder bei Silent Force oder Level 10 in die Saiten und fand zuletzt noch die Zeit, das neue Jorn-Album einzuspielen. Reicht? Mitnichten! Ganz nebenbei betreibt der Mann mit VOODOO CIRCLE seit immerhin zehn Jahren ein weiteres Projekt, mit dem er sich ganz und gar dem klassischen Hard Rock der guten alten Zeit verschrieben hat. Mit „Raised On Rock“ veröffentlicht die Truppe, in der übrigens auch seine Primal-Fear-Kollegen Mat Sinner und Francesco Jovino aktiv sind, ihr inzwischen viertes Album.

Mit „Raised On Rock“ haben VOODOO CIRCLE einen durchaus passenden Titel für ihre neuestes Album gewählt, denn die Herren lassen im Verlauf der Platte keinerlei Zweifel daran, von welchen Bands sie aufgezogen wurden: Neben den üblichen Verdächtigen wie Rainbow und Deep Purple thronen auf „Raised On Rock“ wie schon auf dem Vorgänger Whitesnake über allem anderen als Inspirationsquelle Beyrodt und Co.. Abgesehen von Neuzugen Herbie Langhans am Mikro also alles beim Alten? Nicht ganz.

Klar, VOODOO CIRCLE bedienen sich auch auf ihrem neueste Album wieder unverhohlen bis schamlos bei David Coverdale und seiner Band, weshalb schon das Mainriff des eröffnenden „Running Away From Love“ nahezu 1:1 von Whitesnakes „Bad Boys“ übernommen wurde. Auch „Walk On The Line“ weist starke Parallelen zu deren „Crying In The Rain“ auf und auch „Where Is The World We Love“ bietet sämtliche stilbildenden Merkmale einer typischen Coverdale-Ballade. Nun haben sich VOODOO CIRCLE diese Hommage an ihre Vorbilder ja selbst auf die Fahne geschrieben, weshalb man der Truppe nun kaum einen Vorwurf machen kann, wenn sie dieses Vorhaben nun auch umsetzt.

Und in der Tat: Alex Beyrodt und seine Mitstreiter haben bis ins letzte Detail verstanden, wie der Sound ihrer Helden funktioniert und sind nun folglich in der Lage, eigene Songs zu schreiben, die dem Sound der Originale näher kommen als bei irgendeiner anderen Band. Das sorgt dafür, dass die besagten Nummern astreine Hard Rock-Hymnen der alten Schule sind, die durchaus Spaß machen, aber eben auch klingen wie schon mal gehört – weil man die Songs eben schon mal gehört hat. Zum Glück ist diese Form der ehrlichen Anerkennung aber auch nur eine Seite von „Raised On Rock“.

Anders als auf den vorangegangenen Alben beweisen VOODOO CIRCLE hier mehr Mut, ihre selbst gezogenen Grenzen zu überschreiten, weshalb es auf diesem Album im rockigen „Higher Love“ oder auch „Love Is An Ocean“ verstärkt coolen Blues zu hören gibt. Hier kommt auch ihr neuer Sänger Herbie Langhans am besten zur Geltung, denn während der Mann durchaus in der Lage ist, den Coverdale genauso gut wie David Readman zu geben, ist es sein rauchigeres Organ, dass ihn von seinem Vorgänger abhebt und zu solch Whisky-getränkten Blues-Nummern bestens passt.

Insgesamt beweist Herr Langhans auf „Raised On Rock“ enormes Können und es scheint, als komme er in diesem Setup weit mehr zur Geltung als bei Sinbreed. Musikalisch blicken VOODOO CIRCLE auch mit dem Bon-Jovi-mäßigen un deshalb überaus erfrischenden „You Promised Me Heaven“ hinaus und seinen größten Moment erlebt das Album mit „Dreamchaser“: Hier paaren sich coole 70s-Vibes mit neoklassischen Leadgitarren, was dann so klingt, als würde Malmsteen Deep Purple covern. Sehr geil. Dank Mix und Master von Jacob Hansen präsentiert sich „Raised On Rock“ in zeitgemäß fettem, ja nachgerade wuchtigem Sound, der die oftmals starken Riffs und atemberaubenden Leads des Bandkopfs bestens zur Geltung bringt, allerdings erscheint eine derart muskulöse Produktion fast ein bisschen zu viel des Guten, denn solch klassischer Sound wie ihn VOODOO CIRCLE spielen verdient vielleicht eine etwas erdigere, organischere Aufmachung.

Mit „Raised On Rock“ setzen VOODOO CIRCLE ihren Vorbildern ein weiteres starkes Denkmal. Schön ist jedoch vor allem, dass die Truppe sich auf ihrem vierten Album endlich traut, ihre Komfortzone ein ums andere Mal zu verlassen – ein Umstand, dem „Raised On Rock“ seine spannendsten Momente zu verdanken hat. Es bleibt zu hoffen, dass diese neue Experimentierfreude im Hause VOODOO CIRCLE nur noch weiter zunimmt, denn die Whitesnake-Huldigung mag spaßig sein, ganz offensichtlich steckt jedoch noch viel viel mehr in dieser Band.

Bewertung: 7.5 / 10

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