CD-Review: Wardruna - Runaljod - Ragnarok

Besetzung

Einar "Kvitrafn" Selvik– Gesang, alle Instrumente
Kristian Eivind "Gaahl" Espedal - Gesang
Lindy-Fay Hella – Gesang

Tracklist

01. Tyr
02. UruR
03. Isa
04. MannaR – Drivande
05. MannaR – Liv
06. Raido
07. Pertho
08. Odal
09. Wunjo
10. Runaljod


WARDRUNA gelingt es, ihre Trilogie „Runaljod“ wie die abgespeckte Form eines klassischen literarischen Dramas zu gestalten: Nach dem lockenden Aufbau „Gap Var Ginnunga„, also der steigenden Handlung, folgt der formidable Höhepunkt mit „Yggdrasil“ und schlussendlich wird das Kapitel „Runaljod“ mit einer fallenden Handlung, in dem Vergleich „Ragnarok“, schwermütig beendet.

Warum schwermütig? Im Gegensatz zum Vorgänger „Yggdrasil“ musizieren WARDRUNA auf dem dritten Silberling „Ragnarok“ düsterer als bisher gewohnt; die norwegischen Musiker um Einar Selvik schließen ihre „Runaljod“-Trilogie gewohnt atmosphärisch, aber auch ungeahnt beklemmend ab. Natürlich wohnt jedem WARDRUNA-Song eine gewisse Spiritualität inne, auf „Ragnarok“ allerdings wird dieses mystische Motiv dunkler und elegischer als zuvor erschaffen. Somit dürfte der erste Durchlauf von „Ragnarok“ den eingefleischten Fan irritieren. Wo sind diese erbaulichen Momente, auf denen es auf „Yggdrasil“ nur so strotzte? Warum lehrt mich „Ragnarok“ mit beklemmenden Elementen stellenweise das Fürchten? Wieso kehren WARDRUNA dieser auf „Gap Var Ginnunga“ zelebrierten Eingängigkeit den Rücken zu?

Besaß „Yggdrasil“ einnehmende Melodien in der Gesangführung, schraubt Einar dieses Charakteristikum zugunsten einer bedrückenden Aura zurück. Anstatt, dass sich der weibliche Klargesang in die Gehörgänge frisst („Solringen“) und die Rhythmik kein Bein still bleiben lässt („Ingwar“), erschreckt „Ragnarok“ bereits zu Beginn mit einem beklemmenden Intro („Tyr“) und mit Samples von bedrohlich schnaufenden Tieren („Urur“). Der Klang erfährt auf „Ragnarok“ zwar keinen drastischen Wandel, spart allerdings an den warmen wie wohligen Parts, die seinen Vorgänger so atemberaubend gut werden ließen. Stattdessen klingen WARDRUNA besonders in den Anfängen ihrer Lieder regelrecht unheimlich („Isa“) und Selvik verzichtet stellenweise auf einen melodischen Gesang und singt stattdessen regelrecht beklagend wie ermahnend („Pertho“). Am deutlichsten wird der Verlust der Trademarks der vorherigen Alben im hinteren Teil der Platte; ab „Pertho“ versucht das Folk-Projekt in seinen Liedern durch Gesang und Mehrstimmigkeit eine Stimmung zu erzeugen, die nicht recht aufkommen mag. Es fehlt der ergreifende Moment, diese Schauer über den Rücken laufen lassende Steigerung – also etwas Fundamentales, das die Diskografie der Ausnahmeband zuvor beinhaltete.

Mag sich das nach einzelnen Aspekten anhören, die lediglich Ausreißer in einem ansonsten gewohnten Klang darstellen, so ist das nicht wahr; WARDRUNA platzieren keinen Ton unüberlegt, sondern musizieren mit Blick auf das Album als Einheit. Und somit ergibt jeder noch so ungewohnte Ton, jede noch so seltsame Stelle das, wofür WARDRUNA stehen: Atmosphäre. Dass diese anders als gewohnt und vor allem gehofft ausfällt, unterliegt dem Geschmack des einzelnen Hörers und kann weder gut noch schlecht bewertet werden. Bemerkenswert ist dieses Album aber so oder so, denn wie es den beiden vorherigen Teilen der „Runaljod“-Reihe gelang, zu faszinieren und zu fesseln, schafft dies auch der letzte Teil, „Ragnarok“.

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Bewertung: 8 / 10

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